
{"meta":{"meta-title":"Ion > Nationaltheater von A-Z","meta-description":"Ion > Nationaltheater von A-Z","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater\/theaterstueck\/142","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/nationaltheater\/theaterstueck\/142","zitat":{"bereich":"Nationaltheater","bearbeitet":" (bearbeitet von Klaus Gerlach)","titel":"Ion"},"breadcrumb":[{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater","text":"Nationaltheater"},{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater\/theaterstueck\/142","text":"Ion"}]},"data":{"id":142,"veranstaltungstitel":"Ion","veranstaltungsart_id":1,"kommentar":null,"art":{"id":1,"theaterveranstaltungsart":"Schauspiel"},"personen":[{"id":4240,"bkperson_id":3190,"regberuf_id":2,"updated_at":null,"pivot":{"theaterstueck_id":142,"bkperson_regberuf_id":4240},"person":{"id":3190,"bknachname":"von Schlegel","bkvorname":"August Wilhelm","bkgeschlecht":null,"fm_personen_id":null,"lexname":null},"beruf":{"id":2,"regberuf":"autom_Autor"}}],"veranstaltungen":[{"id":558,"theaterstueck_id":142,"veranstaltungsuntertitel":"Ion, Schauspiel in 5 Akten","auffuehrungsdatum":"15.05.1802","auffuehrungsort":"NT S1","uhrzeit":"","quelle":"Annalen 1802, S. 351","zusatzinfo":"","bild":null,"rollenfeld":null,"schauspieler_info":null,"datensatz_erstellt_dat":"2004-07-19 13:34:24","datensatz_geaendert_dat":"2004-07-19 13:34:24","datensatz_erstellt_user":4,"datensatz_geaendert_user":4,"rezensionen":[{"id":52,"z_name":"Annalen 1802","z_datum":"1802-05-22","z_nummer":"XXI","z_seite":"331-336","z_autor":"ungez.","z_text":"\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Ueber Ion<a style=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\"><span class=\"MsoFootnoteReference\">***<\/span><\/a>.\n<br>\nAus einem Briefe an S. in Breslau. <br style=\"\">\n<!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br style=\"\">\n<!--[endif]--><o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Ich schreibe Ihnen, theurer\nFreund, meinem Versprechen gem\u00e4\u00df, immer sehr gern das Neue und Merkw\u00fcrdige von\nunserer B\u00fchne, und Sie wissen, da\u00df es mir an Stoff dazu seit der Einweihung des\nneuen Schauspielhauses nicht gefehlt hat, aber niemals habe ich mit solcher\nLust geeilt, mein Versprechen zu erf\u00fcllen, als heute, und auch ohne Versprechen\nw\u00fcrde ich dem Drange nicht widerstehen k\u00f6nnen, mich Ihnen mitzutheilen. Ion ist\nauf unserer B\u00fchne erschienen. Sie haben ohne Zweifel schon manches \u00fcber ihn\ngelesen, denn daf\u00fcr sorgt die Zeitung f\u00fcr die elegante Welt; auch davon werden\nSie vielleicht geh\u00f6rt haben, da\u00df er vor B\u00f6ttchers Augen nicht Gnade gefunden,\nund da\u00df der gelehrte Mann im heiligen Eifer ihm eine Kritik zugedacht haben\nsoll, die \u2013 wer wollte nicht an B\u00f6ttcher glauben \u2013 seinen Unwerth ohnfehlbar\ndarthun mu\u00df. Doch, was Sie gewi\u00df mit Liebe gelesen und verstanden haben, sind\ndie Zeilen, die G\u00f6the \u00fcber ihn in dem Mayst\u00fccke des Modejournals geschrieben\nhat, aber auch, was er nicht gesagt und kaum angedeutet hat, kann Ihnen nicht\nentgangen seyn. Ein Lob aus diesem Munde durfte allerdings eine gute Meynung f\u00fcr\nIon im Voraus erwecken, und ich gestehe Ihnen gern, da\u00df ich mit Vorliebe seine\nErscheinung erwartete, aber vielleicht eben darum einen mehr als gew\u00f6hnlich\nempf\u00e4nglichen Sinn f\u00fcr das Sch\u00f6ne in das Schauspielhaus mitbrachte. Meine\nErwartung wurde reichlich belohnt; ich habe einen seltnen Genu\u00df gehabt, den ich\nIhnen in seiner ganzen F\u00fclle mittheilen m\u00f6chte, wenn es mir m\u00f6glich w\u00e4re, Ihnen\nein treues Gem\u00e4lde meiner Empfindungen w\u00e4hrend der Anschauung dieses Kunstwerks\nzu geben. Es war nicht die R\u00fchrung, die jede lebhafte Darstellung einer, dem\ngemeinen Leben nachgebildeten, ansprechenden Situation so leicht erregen kann,\nnicht der Rausch eines von einem interessanten Gem\u00e4hlde erhitzten Gebl\u00fcts,\nnicht der fl\u00fcchtige Enthusiasmus, der das Ausserordentliche einer k\u00fchnen That,\ndie gewaltige Explosion einer scheinbaren Charaktergr\u00f6\u00dfe hervorbringt, und oft\nin dem n\u00e4mlichen Augenblick wieder vernichtet, es war ein Ruhe voll gl\u00fchender\nAndacht, eine tiefe innige Empfindung des Sch\u00f6nen in allen seinen Gestalten,\neine beharrliche Begeisterung, und, indem das Herz von der Kraft der Dichtung\nerw\u00e4rmt, sich dem reinmenschlichen wohlwollend aufschlo\u00df, wallte in dem Gem\u00fcth\neine Sehnsucht nach dem H\u00f6hern und Unendlichen, nach Befriedigung strebend, die\nihm die wunderbare Erscheinung des G\u00f6ttlichen v\u00f6llig gew\u00e4hrt. Eine Stimmung wie\ndiese, war freylich nicht geschickt der Kritik Raum zu geben, aber doch sicher\ndie beste oder vielmehr die einzige, um hinterher die besonnene Pr\u00fcfung auf die\nrichtige Ansicht und ihr wahres Maa\u00df und Ziel zu f\u00fchren. Wen im Augenblicke der\nAnschauung ein Kunstwerk nicht ganz ergreift und erw\u00e4rmt, der mag \u00fcber dessen technische\nZusammensetzung und \u00fcber diese und jene Einzelnheit recht klug urtheilen, aber \u00fcber\nden Geist und das Wesen desselben wird er eben nicht viel bedeutendes zu sagen\nwissen. Freylich wird Ion den Kritikern von dieser gew\u00f6hnlichen Art nicht\nentgehen, und sie werden in allen ihren Manieren auftreten. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\nIhnen ist bekannt, da\u00df man schon diesen Ion mit dem des\nEuripides zu vergleichen, und so vielleicht herauszubringen gesucht hat, da\u00df er\nentweder eine blo\u00dfe Nachahmung, oder ein verfehltes, mi\u00dfrathnes Projekt sey.\nKunstrichtern dieser Art hat inde\u00df G\u00f6the schon in dem erw\u00e4hnten St\u00fcck des\nModejournals den Standpunkt angewiesen, auf dem sie sich erst orientiren m\u00fcssen,\nwenn die Vergleichung des Alten mit dem Neuen nicht eine ganz leere Schul\u00fcbung\nseyn soll. F\u00fcr diejenigen dagegen, welche dem griechischen Mythos und dem\nAntiken durchaus keine Stelle auf unserer B\u00fchne verstatten wollen, und sie gern\n\u00fcberhaupt aus der modernen Dichtung verdr\u00e4ngen m\u00f6chten, die Helm und Schwerdt\nund Spie\u00df des rohen Mittelalters nur ersch\u00fcttern und begreifen, oder nur im\nsogenannten b\u00fcrgerlichen Trauerspiel ger\u00fchrt werden k\u00f6nnen, w\u00fcrde jedes Wort\nder Zurechtweisung \u00fcberfl\u00fcssig seyn. Vergeblich w\u00fcrde man ihnen sagen, da\u00df im\ndem griechischen Mythos das menschliche Gem\u00fcth rein und ganz sich ausspricht,\nund das alles Wollen und W\u00fcnschen, Ahnen und Hoffen, Widerstreben und Beginnen\nin dem Menschen, wie er ewig ist und bleiben wird, hier in den bestimmtesten\nBildern redet. Gerade in diesem Ion erscheint der wunderbare Mythos in seiner\nlieblichsten Gestalt. Ion, eine Frucht der Liebe Apolls zu Creusen wird von\nseiner Mutter ausgesetzt, und wunderbar errettet am Tempel zu Delphi gefunden,\nwo er im heiligen Dienst seines Gottes bis zu seinem sechzehnten Jahre aufw\u00e4chst.\nCreusa war inde\u00df mit dem Xuthus verm\u00e4hlt, aber die r\u00e4chende Gottheit bestraft\nihre unm\u00fctterliche That an dem erstgebohrnen Sohn mit einer kinderlosen Ehe.\nBeide gehen das Delphische Orakel \u00fcber ihr Schicksal zu befragen. Xuthus, den\nSohn w\u00fcnschend, deutet den Spruch des Orakels zu rasch und glaubt in Ion den\nwirklichen Sohn, die Frucht einer ehemaligen heimlichen Umarmung zu finden.\nCreusa, jetzt zwiefach gefoltert, da ihr Gemahl einen Sohn besitzt, der nicht\nder ihrige, nicht aus dem Stamm der Erechtiden ist, wird von dem alten eisernen\nFreunde des Erechtheus Phorbas beredet, den Knaben durch Gift aus dem Wege zu r\u00e4umen.\nAber der Gott rettet durch ein Wunder den Sohn und in dem frommen harmlosen Ion\nerwacht jetzt auf einmal der Zorn \u00fcber diesen Frevel, und mit r\u00e4chendem Pfeil\nverfolgt er die von allen Furien des Gewissens geplagte Creusa. Doch eben der\nGott, der ihm das Leben rettete, bewahrt ihn durch die Stimme seiner Priesterin\nvor dem Verbrechen des Muttermordes, und in dem Augenblick, da ihm die\nPriesterin das Beh\u00e4ltni\u00df, worin sie das ausgesetzte Kind fand, zur\u00fcckgiebt, und\ner die ihm mitgegebene Kostbarkeiten mit tiefer Empfindung betrachtet, erkennt\nCreusa an diesen Zeichen den eigenen Sohn. Der edle Xuthus liebt ihn darum zwar\nnicht minder, aber dort ein Orakelspruch, hier diese Zeichen und immer noch die\nUngewi\u00dfheit des Schicksals, um dessentwillen beide das Orakel zu fragen kamen,\n\u2013 nur die g\u00f6ttliche Erscheinung selbst kann hier Aufschlu\u00df und Befriedigung\ngeben. Ion, von der frommen Ueberzeugung begeistert, da\u00df Apoll, wenn er sein\nVater sey, es ihm durch ein untr\u00fcgliches Zeichen kund thun werde, sendet sein\nGebet zu ihm hinauf, und der Gott erscheint in seiner Glorie, erkennt den Ion\nals seinen Sohn, verhei\u00dft dem Xuthus mit Creusen den Ach\u00e4us und ewigen Ruhm\nseines Stammes.\n\n<div style=\"\"><!--[if !supportFootnotes]--><br clear=\"all\">\n\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n\n<!--[endif]-->\n\n<div style=\"\" id=\"ftn1\">\n\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a style=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\"><span class=\"MsoFootnoteReference\">***<\/span><\/a> <span style=\"\">Eingesandt<\/span><\/p>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n","pivot":{"theaterveranstaltung_id":558,"zeitung_id":52}},{"id":53,"z_name":"Annalen 1802","z_datum":"1802-05-29","z_nummer":"XXII","z_seite":"337-343","z_autor":"ungez.","z_text":"\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Spricht nicht \u00e4chte Poesie\naus dieser Fabel und dieser Composition, wovon ich Ihnen nur eine ganz oberfl\u00e4chliche\nSkizze gegeben habe; unendlich viel sch\u00f6nes Einzelnes und die zarte innige\nVerbindung alles dieses Einzelnen mag Ihnen die vollst\u00e4ndige Kritik eines\ngeistvollern Beschauers darlegen. Aber welche Simplicit\u00e4t herrscht in diesem\nSchauspiel, welche Enthaltsamkeit von allen, selbst sch\u00f6nen Ausw\u00fcchsen, und\ndoch welche Mannigfaltigkeit und F\u00fclle in der gesetzm\u00e4\u00dfigen Einheit; wie frei\nist es von jenem gewaltsamen Streben nach Effekt und wie gro\u00df und ersch\u00fctternd\nsind die einzelnen Momente! Ich hebe nur einige heraus, die Flucht der von der\nFurie des Gewissens gejagten Creusa, wo schon der ver\u00e4nderte Mechanismus des\nSilberma\u00dfes [!] die Situation so sprechend ausdr\u00fcckt; die rasche Verfolgung des\nIon und dann die Erkennungsscene zwischen beiden. Kampf und Ruhe, Menschheit\nund Schicksal herrschen im sch\u00f6nen Wechsel und in der freiesten Verbindung\ndurch die ganze Handlung. Die Sprache ist \u00fcberall dem Stoff und der W\u00fcrde des\nGegenstandes angemessen, ihr rythmischer Bau ist nie willk\u00fchrlich, sie hat den\nZauber des Wohllautes ohne \u00fcberladenen Schmuck, Gedankenf\u00fclle ohne den Auswuchs\nschimmernder Sentenzen. Ueberall h\u00f6rt man den Dichter, den die griechische Muse\ngepflegt und gebildet hat, der heimischer in Athen als in seinem Vaterlande\nist, und das m\u00f6chte wohl auch der haupts\u00e4chlichste Vorwurf seyn, den das\nminder-kultivirte Publikum seinem Ion bis jetzt gemacht hat. Es versteht sich,\nda\u00df von allen denen, die nur in leerer Passivit\u00e4t Zerst\u00f6rung und Unterhaltung\nsuchen, gar nicht die Rede seyn kann. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Und dieses Schauspiel wurde\nnun mit einem Ensemble und einer Vollkommenheit dargestellt, wie sie in dieser\nGattung auf unsrer B\u00fchne und gewi\u00df auf keiner B\u00fchne jemals gesehen worden ist.\nDas Kost\u00fcm der auftretenden Personen war treu und geschmackvoll, und, wo es\nhingeh\u00f6rte, pr\u00e4chtig. Die Verzierung der B\u00fchne angemessen und gew\u00e4hlt; der gr\u00fcnende\nLorbeer, in den Daphne verwandelt worden, verrieth noch die ehemalige Gestalt,\nund der erhabene Tempel Apolls gew\u00e4hrte einen imposanten Anblick. Alles f\u00fchrte\nuns in eine neue Welt und verk\u00fcndete uns die Bekanntschaft mit edleren\nGestalten, unter denen Ion vor allen hervorleuchtete und gleich bei seiner\nersten Erscheinung durch seine liebliche Anmuth mit ihm befreundete. Nie hat\nMadame Unzelmann ihr Genie und ihre K\u00fcnstlergr\u00f6\u00dfe so untr\u00fcglich documentirt als\ndurch diese Darstellung, ein Fest f\u00fcr die Phantasie und das Herz, ein Ideal,\nvor dem die Bewunderung anbetet und die Liebe huldigt. Ihre gracieuse Gestalt,\nder bekannte Zauber ihrer Accente, die Anmuth ihrer Bewegungen mu\u00dfte schon\nhinreichen, uns ein sch\u00f6nes und treues Bild von Ion zu geben, und jedermann w\u00fcrde\nin dieser Vereinigung auf dem ersten Blick den G\u00f6tterknaben erkannt haben. Aber\neine geistvolle K\u00fcnstlerin wie Madame Unzelmann, begn\u00fcgt sich nicht damit, die\nWorte des Dichters, wie sie daliegen, mit Wohllaut und Pr\u00e4zision auszusprechen\nund mit anst\u00e4ndigen, gl\u00e4nzenden Gesten zu begleiten; auch was der Dichter nicht\nso handgreiflich ausdr\u00fcckte, kaum andeuten kann, entsiegelt sich ihrem Geist\nund erscheint in himmlischer Harmonie vor unsern Augen. Die zarte Verschmelzung\naller Empfindungen, die Einheit in der h\u00f6chsten Mannigfaltigkeit, das kindliche\nGem\u00fcth des frommen Knaben und der Stolz des G\u00f6ttersohnes, die rasche\nmenschliche Leidenschaft und die ruhige W\u00fcrde der h\u00f6hern Macht, alles gab sie\nuns in idealischer Vollendung. Man ist es von dieser K\u00fcnstlerin schon gewohnt,\nda\u00df sie uns in jeder neuen Rolle mit neuen Z\u00fcgen ihres Genies \u00fcberrascht, aber\nbei ihrer Darstellung des Ion wurde auch die k\u00fchnste Erwartung \u00fcbertroffen. Ich\nkann Ihnen nicht alle diese Z\u00fcge herausheben, aber auch von dem einen, wo Ion\nim zweiten Akt von dem Tempel Apolls Abschied nimmt, und in dieser wehm\u00fcthigen\nStimmung dem Xuthus seine innersten Bitten und W\u00fcnsche anvertraut, sollte ich\nIhnen lieber kein Wort sagen, denn wie sollte ich Ihnen das Zarte und Kindliche\ndes Ausdrucks in diesen Bitten, diese Welt von T\u00f6nen in diesem Abschied diese\nhimmlische Musik ihrer Accente beschreiben. Dem Dichter sey es \u00fcberlassen, die\nK\u00fcnstlerin, die seinem Ion das sch\u00f6ne Leben gab, w\u00fcrdiger zu preisen. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Madame Meyer war Creusa. Sie\nkennen Ihre Talente f\u00fcr dieses Fach, den Reichthum ihrer dem Antiken\nnachgebildeten Stellungen und ihre dazu so geeignete sch\u00f6ne Gestalt; Sie\nwissen, wie gern sie sich auf dem hohen Kothurn bewegt und ihre Kr\u00e4fte \u00fcbt. Bei\nsolchem Talent und solcher Liebe mu\u00dfte Creusa trefflich dargestellt werden, und\nich gestehe Ihnen, da\u00df ich sie f\u00fcr ihre vorz\u00fcglichste Rolle in diesem Fache\nhalte. Meisterhaft war der Ausdruck der Angst und des Schreckens in ihre\nGeberde und Bewegungen, wie sie von ihrem Gewissen gejagt und vom Ion verfolgt \u00fcber\ndie B\u00fchne flieht, und mit tiefer Empfindung trug sie den langen Monolog im\nvierten Akt vor, der, um ihn von Anfang bis zu Ende mit aller Wahrheit des\nAusdrucks und doch mit Anmuth des Tons durchzuf\u00fchren, wohl eine zu schwere\nAufgabe seyn d\u00fcrfte. \u2013 Was Iffland in der Darstellung des edlen, m\u00e4nnlichen\nXuthus leistet, wie gehalten und kunstreich sein geistvolles Spiel, wie sicher\nund kraftvoll seine Deklamation, wie k\u00f6niglich sein Anstand und wie vollendet,\nmit einem Wort, das Ganze war, was er gab, das darf ich Ihnen, der Sie so\nvertraut mit seiner gro\u00dfen Kunst sind, nicht sagen. Aber jedem, der noch an\nseinem Beruf zum Priester Melpomenens hartn\u00e4ckig zweifelt, m\u00f6chte ich zurufen,\nden Xuthus von ihm zu sehen, und wenn er dann noch in seinem Zweifel beharren\nwill, meinethalben an die ganze Kunst zu zweifeln. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\nVon B\u00f6heim, der den Phorbas, der Madame B\u00f6heim, die die\nPythia, und Mattausch, der den Apoll darstellt, sage ich Ihnen nicht darum\nwenig, weil sich nur wenig von ihnen sagen lie\u00dfe, sondern weil ich, da ich doch\nin ein n\u00e4heres Detail des Spiels nicht gehen kann und will, ihr w\u00fcrdigstes Lob\nschon dadurch hinl\u00e4nglich ausgesprochen habe, da\u00df ich die Darstellung des St\u00fccks\nim allgemeinen f\u00fcr die vollkommenste halte, die jemals auf unsrer B\u00fchne gesehen\nworden ist, und \u00fcberall, wo ich ein Urtheil \u00fcber diesen Gegenstand geh\u00f6rt, habe\nich meine Meinung best\u00e4tigt gefunden. Nur eins noch; h\u00e4tten wir ein Publikum\nvoll Kunstsinn, voll rascher, lebendiger Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr das wahre Sch\u00f6ne,\nso h\u00e4tte auch die Menge sch\u00f6ner Formen und Gruppen, die durch das vollkommene\nEnsemble in der Darstellung des Ion hervorgebracht wurden, von allen Seiten den\nlautesten Zuruf des Beifalls erhalten m\u00fcssen; inde\u00df, lassen Sie uns vor der\nHand zufrieden mit dem seyn, was wir wirklich, zu unsrer Ueberraschung erfahren\nhaben, mit diesem Antheil, den die gemischte Menge fortdauernd an dem Gang des\nSt\u00fccks nahm, und lassen Sie uns bald mehr sch\u00f6ne Schauspiele dieser Art und so\ngelungene Darstellungen hoffen; der Zustand unserer B\u00fchne, die gro\u00dfen Talente\nund die Bildung mehrerer ihrer Mitglieder, und die Weisheit ihres Vorstehers\nberechtigt uns zu den sch\u00f6nsten Erwartungen.\n","pivot":{"theaterveranstaltung_id":558,"zeitung_id":53}},{"id":70,"z_name":"Zeitung f\u00fcr die elegante Welt","z_datum":"1802-07-08","z_nummer":"81","z_seite":"645-650","z_autor":"gez.: *** [Hans Christian Genelli]","z_text":"\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Ueber die Darstellung des Ion\nauf dem Berliner Theater<a style=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\"><span class=\"MsoFootnoteReference\">*<\/span><\/a>. (Berlin\nim Juny) Das neue Schauspiel Ion, das man schon zu Anfang des Jahres in Weimar\nmit so vielem Beifall sah, ist, nun am 15ten und 16ten May auch auf unsrer B\u00fchne\ngegeben worden, und sicher mit nicht geringerem Erfolg als dort. Wahrhaft\nerfreulich war es, einmal alle Mitspielenden mit solcher Uebereinstimmung vom\nGeiste des Ganzen ergriffen zu sehn. Der gute Wille, der Ernst um die Sache und\nemsiges Studium waren \u00fcberall unverkennbar: die Verse wurden richtig deklamirt\nund nach ihren Arten deutlich unterschieden, meistentheils war der Vortrag\nsogar vortreflich und kunstgem\u00e4\u00df; die Gebehrden waren im Ganzen gut gehalten,\ndem Sinn der Handlung angemessen und dem Charakter der Verse getreu; und mit\nlobensw\u00fcrdiger Sorgfalt hatte die Direkzion dahin gestrebt, da\u00df auch das Au\u00dfenwerk,\nKostum und Dekorazion, nicht nur der Sache nicht schadete, wie das gemeiniglich\nder Fall ist, sondern soviel ihr f\u00fcr den Moment zu erreichen m\u00f6glich war, den\nGang der Handlung herauszuheben diente. Die beiden Hauptrollen des Ion und der\nKreusa waren, jene durch Madame Unzelmann, diese durch Mad. Meyer so gl\u00fccklich\nbesetzt, wie der z\u00e4rtlichste Geschmack es sich nur w\u00fcnschen mochte; aber auch\ndie andern Rollen wurden mit ungew\u00f6hnlichem Gl\u00fcck durchgef\u00fchrt, und selbst Hrn.\nIffland schienen die goldnen Worte seines Textes so ergriffen zu haben, da\u00df er\nbesonders bei der zweiten Auff\u00fchrung mit einem Meistersinn spielte, den man,\nwenigstens nach seinem Pygmalion zu urtheilen, im antiken Kostum ihm nicht\nzugetraut h\u00e4tte. Kurz, der Geist des Gedichtes wurde durch das gesammte Spiel\nso verk\u00f6rpert, und machte eine so \u00fcberraschende und m\u00e4chtige Erscheinung, da\u00df\nwenn dieses St\u00fcck so gl\u00fccklich gewesen w\u00e4re, Nachfolger hervorzurufen, wir ohne\nZweifel von ihm eine neue Epoche f\u00fcr unsre B\u00fchne datiren d\u00fcrften. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Schon die Ann\u00e4herung an die\nantike Strenge im Versbau mu\u00dfte einen vortheilhaften Einflu\u00df auf die\ntheatralische Darstellung gewinnen, da sie alle die kleinlichen Individualit\u00e4ten\ndes Humors aus dem Spiele verscheucht, welche der Inhalt hier g\u00e4nzlich verschm\u00e4ht.\nDann wurde durch die, wenn ich so sagen darf, plastische Gediegenheit in der\nBehandlung, und die noch bis in die Aeu\u00dferlichkeiten behauptete Einheit, (die\nauf unsrer B\u00fchne so unverkennbar ist, da G\u00f6the\u2019s Iphigenia hier noch nicht\naufgef\u00fchrt worden,) die Aufmerksamkeit der Zuh\u00f6rer zugleich erleichtert und\nfestgehalten. Diese Ruhe der Bewegung, welche der antike Geist in der Form\n(denn ganz konnte die alte Gestaltung der Trag\u00f6die bei der jetzigen Verfassung\nder B\u00fchne wohl noch nicht behauptet werden) gew\u00e4hrte, lies das durchgreifende\nMotiv des Gedichtes, dieses beiderseitige Jagen der Sehnsucht ohne sich zu\nfinden, bis in der letzten Entwickelung sie sich gleichsam in einander\nniedertauchet und so ihr Spiel endet, deutlicher hervortreten und tiefer ins\nGem\u00fcth dringen. <o:p><\/o:p><br>Was die Anordnung der Szenen\nund die Fabel betrift, so kann ich mich auf den Aufsatz dar\u00fcber in Num. 41.\ndieser Zeitung beziehen: denn freilich geh\u00f6rt die letzte nicht zu den bekanntesten.\nAuch gab es wohl unter den Zuschauern einige, obgleich nur wenige, aus den\nKlassen, die sich vorzugsweise die Gebildeten nennen, welche keinen Anstand\nnahmen dem St\u00fcck vorzuwerfen, da\u00df sie die Handlung nicht verst\u00e4nden. Damit\nkonnten sie doch nichts Andres meinen, als: entweder da\u00df ihnen die Fabel selbst\nunbekannt sei, (was jedoch auch nicht wohl dies Nichtverstehn bewirken konnte,\nindem sie so ausf\u00fchrlich im St\u00fcck erz\u00e4hlt wird, da\u00df man sagen kann, das Gedicht\nbescheide sich ordentlich nach dem Bed\u00fcrfnis der Unkundigen); oder da\u00df die bei\nsolchem Stoffe unvermeidliche Anspielung auf Mythologie sie st\u00f6re. Allein wenn\nBildung nicht blos in Erlernung irgend eines Gesch\u00e4ftes oder in der m\u00fc\u00dfigen\nFertigkeit zu leerem Raisonniren bestehn soll, sondern vielmehr in Entwickelung\nder Phantasie, des Gef\u00fchls und der Leidenschaft, und \u00fcberhaupt eines lebendigen\nSinnes f\u00fcr Natur und Welt: so darf man von dem, der Anspruch auf solche macht,\ngewi\u00df vor allem erwarten, da\u00df er in der Mythologie, diesem unverg\u00e4nglichen Kodex\nder Phantasie und dem Urquell aller Menschenbildung, wenigstens nicht ganz\nunbewandert sei. Und wenn es doch solche Leute giebt, so werden sie sich\nbescheiden m\u00fcssen, da\u00df, so lange ihnen ein solcher Maa\u00dfstab fehlt, kein\nKunstwerk eben n\u00f6thig hat, f\u00fcr sie berechnet zu seyn. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Aus dem oben angegebnen\nStandpunkt des Gedichts: \u00bbder Hinneigung zum Romantischen im Inhalt bei\ndurchgehender Festhaltung des Antiken in der Behandlung\u00ab ergiebt sich f\u00fcr die\nAkzion die Forderung, da\u00df sie eben so das Mittel halte zwischen der modernen\nkleinlichen Individualisirung des Ausdrucks und der antiken Gro\u00dfartigkeit in\nden Gebehrden; und man mu\u00df bekennen, da\u00df unsre Schauspieler im Ganzen dies\nMittel in ihrem Spiel sehr gl\u00fccklich getroffen haben. Wenn auch die\nleidenschaftlicheren Auftritte immer noch ein wenig zu unklar und unruhig\nausfielen, und \u00fcberhaupt des Hin- und Hergehens noch zu viel war, so lag die\nSchuld meist in der mangelhaften Figur unsrer B\u00fchne, die gegen die Tiefe, die\nsie (urspr\u00fcnglich, um der anma\u00dfenden Ignoranz der Theatermahler zu fr\u00f6hnen,)\nbietet, niemals die hinl\u00e4ngliche Breite zu der \u00e4chten Entwickelung einer Szene\nim Profil gew\u00e4hrt. W\u00e4re diese n\u00f6thige Breite des Raums da gewesen, so h\u00e4tte z.\nB. die orgische Flucht Kreusens sich mehr, wenn ich so sagen darf, aus einem St\u00fcck\nentfaltet und das vortrefliche Spiel der Mad. Meyer w\u00e4re von viel gr\u00f6\u00dferer und\nklarerer Wirkung ausgefallen, indem sie dann nicht gen\u00f6thigt gewesen w\u00e4re, es\ndurch so viele R\u00fcckwendungen zu zerst\u00fcckeln: da hingegen ihr jetzt auf alle\nWeise Lob geb\u00fchrt f\u00fcr die gro\u00dfe Geschicklichkeit, womit sie sich aus dieser\nVerlegenheit zog. Eben so h\u00e4tte bei gr\u00f6\u00dferer Breite der B\u00fchne die Szene \u00fcberhaupt\nnicht so gro\u00dfer Tiefe bedurft, und so w\u00e4re das Getrippele vom Tempel nach dem\nProszenium und zur\u00fcck ziemlich vermindert worden. Da\u00df \u00fcbrigens die Gewohnheit\nauf einem schmalen und tiefen Raum zu agiren, die Schauspieler \u00fcberhaupt zu\neinem unruhigen Spiel verw\u00f6hnt hat, ist ein Umstand, den man noch lange auch\nbei den ersten Schauspielern wird in Anschlag bringen m\u00fcssen. So hat im vierten\nAkt, da Ion vom Parnassus zur\u00fcckkommt und die Kreusa am Altar findet, Mad.\nUnzelmann sich zu viel Bewegungen erlaubt. Mit wenigen Intervallen, nur um Zeit\nf\u00fcr ihre Rede zu gewinnen, h\u00e4tte sie sollen in derselbigen Richtung von dem Ort\nihrer Erscheinung nach dem Lorbeerbaum hinschreiten, dort ohne weitere Ver\u00e4nderung\nverharren, bei den Worten: <o:p><\/o:p><br>\u00bbIch rei\u00dfe dich mit st\u00e4rkerm\nArm herab.\u00ab <o:p><\/o:p><br>nur Eine unentschiedne\nBewegung vorw\u00e4rts machen, und diese sogleich bei den Worten: <o:p><\/o:p><br>\u00bbNun wohl: auch dort ereilet\ndich mein Pfeil.\u00ab <o:p><\/o:p><br>durch einen entschlo\u00dfnen R\u00fcckschritt\nmit dem rechten Fu\u00df, um sich in die Stellung zum Abschie\u00dfen zu versetzen,\nwieder zur\u00fccknehmen. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Uebrigens aber konnte man\nnichts Vortrefflicheres verlangen, als das Spiel dieser beiden Frauen war. Der\ng\u00f6ttliche Ursprung, die heilige Reinheit und das jugendliche Selbstgef\u00fchl im\nIon; der Stolz der K\u00f6nigin; die unbefriedigte Gattin und das heimlich gedr\u00e4ngte\nWeib in der Kreusa, dann der m\u00e4chtige Zug der Natur zu einander in beiden, wurde\nvon jeder gleich gl\u00fccklich, gleich bescheiden und ohne Affektazion dargestellt\nund durchweg festgehalten. Doch die sch\u00f6nsten Siege in diesem Spiel, und wie\ndie Kr\u00e4nze des Festes waren, f\u00fcr Mad. Meyer jener so schwierige Monolog am\nAltar, den sie mit ungemeiner Kunst und Sinnigkeit durchf\u00fchrte, so wie die\nletzte Auss\u00f6hnung mit dem Gemahl, worin sie die zweifelnde Scheu mit ungemeiner\nSch\u00f6nheit und W\u00fcrde ausdr\u00fcckte; f\u00fcr Mad. Unzelmann hingegen Ions erste Erkl\u00e4rung\nmit dem Xuthus, der Empfang der Wiege, sein Gebet an Apoll, und die sch\u00f6ne\nzuversichtliche Gebehrde bei den Worten des Gottes: <o:p><\/o:p><br>\u00bbDrum schau ins Antlitz k\u00fchn\nmir, wie des Adlers Sohn <o:p><\/o:p><br>Den jungen Fittig gleich der\nSonn\u2019 entgegen schwingt.\u00ab und f\u00fcr Beide jene ungemein sch\u00f6ne Gruppe \u00fcber der\nWiege. Es war so einleuchtend, da\u00df die Wiedergefundnen des freudigen Liebkosens\nso wenig satt werden konnten, da\u00df selbst w\u00e4hrend der ernsten Rede der Pythia\nsie sich enthielten, sich z\u00e4rtlich kosend an einander schmiegen, indem die\nMutter sich \u00fcber den knieenden J\u00fcngling hinneigte. So wie durch das ganze St\u00fcck,\nso war besonders bei dieser Stelle die so seltne Erscheinung des einstimmigen\nWetteifers zweier Schauspielerinnen f\u00fcr das Gelingen, dem beobachtenden K\u00fcnstler\nrecht erfreulich. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Gegen dieses meisterhafte\nSpiel stach das etwas zu gebehrdenreiche und gewaltsame des Phorbas ein wenig\nab. Hr. B\u00f6heim benahm sich durchweg, auf der einen Seite wie ein Sklav, von dem\nkeine Erziehung zu fodern ist, und nicht als ein freier Diener und Vertrauter\nin einem K\u00f6nigshause; und andrerseits verga\u00df er wieder den Abstand zwischen\nseiner Gebieterin und ihm, und betrieb die Sache wie seine eigne. In jener\nSzene des zweiten Akts, wo er Kreusen zu feindseligen Mitteln beredet, sollte\ner, statt dieser unruhigen Heftigkeit und Ungebehrdigkeit, womit er Theilnahme\nauszudr\u00fccken und zu erregen strebt, und oft nur das Spiel des Mitpartes st\u00f6rt,\nvielmehr durch ein stilles ehrerbietiges Verhalten auf einer Stelle in Mitten\nder Szene die halb unterdr\u00fcckte Gem\u00fcthsruhe seiner Gebieterin herausheben\nhelfen. Freilich hebt er mit seiner Beweglichkeit jetzt gegentheils die W\u00fcrde,\ndie in der stolzen Sparsamkeit der Gebehrden Kreusens liegt: allein das, glaube\nich, ist hier gerade nicht seine Aufgabe. Doch darf man Hrn. B\u00f6heims guten\nWillen nicht verkennen; er hatte seine Rolle mit merklichem Flei\u00df studirt und\ngut memorirt. <o:p><\/o:p>Von den \u00fcbrigen\nSchauspielern, Hrn. Iffland als Xuthus, Hrn. Mattausch als Apollo, Mad. B\u00f6heim\nals Pythia, kann man versichern, da\u00df sie ihre Stelle recht gut ausf\u00fcllten; ja,\nbei der zweiten Auff\u00fchrung deklamirte Hr. Iffland, bis auf einige Mahlerei in\nden Adjektiven, sogar vortreflich und seine Gebehrden hatten durchaus viel W\u00fcrde.\n<o:p><\/o:p><\/span>Das einzige ganz lyrische St\u00fcck in dem ganzen\nSchauspiele, der Hymnus in chorischen Strophen zu Anfange des zweiten Aktes,\nwelchen Ion, vor dem Tempel an den heiligen Lorbeerbaum gelehnt, dem Apoll zur\nLeyer singt, da die Geschichte Kreusens, als die eine Deutung auf seine Lage\ndarbietet, sein Gem\u00fcth zu tiefer Wehmuth bewegt hat, welche mit der Unschuld\nseiner Jugend und der gewohnten Fr\u00f6mmigkeit in liebliche Harmonie verschmilzt:\ndieser Hymnus war von einer Tonsetzung begleitet, die etwas \u00fcber den Styl des\nGanzen hinaus ins Ueppige zu gehen schien. Es ist mir nicht gegeben zu\nentscheiden, ob es am Vortrage oder in der Komposizion selber lag; allein die\nMelodie schien eine zu gro\u00dfe Tonleiter zu umfassen und in ihren Modulazionen zu\nsehr vom Tone der \u00fcbrigen Rede ab und in den eines zu entschiednen Gesanges zu\nfallen; kurz sie dr\u00fcckte nach meinem Gef\u00fchl eine etwas zu z\u00e4rtliche R\u00fchrung\naus, und entbehrte den gehaltnen antiken Ernst, den ich z. B. in Mercelli\u2019s\nCanto greco<br><\/p>mehr zu finden glaube.<span style=\"font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\"> <\/span>\n\n<div style=\"\"><!--[if !supportFootnotes]--><br clear=\"all\">\n\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n\n<!--[endif]-->\n\n<div style=\"\" id=\"ftn1\">\n\n<p class=\"MsoNormal\"><a style=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\"><span class=\"MsoFootnoteReference\">*<\/span><\/a> <span style=\"\">Die Zeitung f. d. e. W. rechnet es sich zur Ehre, da\u00df man \u00fcber dieses\nmerkw\u00fcrdige Schauspiel so manches gehaltvolle Wort hier niederlegt; wie denn\nschon einige Mal (in Num. 7. u. 41. d. J.), auch zu des Hrn. v. G\u00f6the\nZufriedenheit davon gesprochen worden ist. Man wird wohl thun, insonderheit den\nAufsatz in N. 41., der zun\u00e4chst \u00fcber den Inhalt des St\u00fccks sich verbreitet, mit\ndem gegenw\u00e4rtigen in Verbindung zu setzen, gegen dessen Ausdehnung wohl schwerlich\nein gebildeter Leser etwas einzuwenden haben wird, der zu bemerken im Stande\nist, wie viel Lichtvolles, Motivirtes und Gr\u00fcndliches es \u00fcber eine Kunst enth\u00e4lt,\ndie der Tempel und Priester wie der Verehrer unz\u00e4hliche hat, \u2013 doch noch unter\nuns erst gesucht wird.<\/span><\/p>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\n\n","pivot":{"theaterveranstaltung_id":558,"zeitung_id":70}},{"id":71,"z_name":"Zeitung f\u00fcr die elegante Welt","z_datum":"1802-07-10","z_nummer":"82","z_seite":"653-556","z_autor":"gez.: *** [Hans Christian Genelli]","z_text":"\n\n\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Das Kostum war \u2013 zum Theil\nwohl aus Unkunde des Garderobiers \u2013 nicht genau nach dem Weimarschen befolgt.\nMadame Meyer hatte ein Kleid, das, weit entfernt antik zu seyn, vielmehr so\naussah, wie man auf Berlins Stra\u00dfen oft die verfehlte Mode des Tags erblickt;\nihr Schleier war zu schwer, zu dunkel und zu gro\u00df. Hrn. Ifflands Mantel war\nauch im Zuschnitt verfehlt, und hatte \u00fcberdem gewisse Schlitzen und Broderien,\nwodurch er einer Pferdekappe nicht un\u00e4hnlich wurde. Der Mantel des Phorbas\nhieng gar auf der unrechten Schulter und zwar so verkehrt, da\u00df er beide Arme \u00fcber\ndenselben heraus hatte, was ihn vielleicht mit zu jenem r\u00fcstigen Gebrauch\nderselben verleitet haben mochte. Auch hatte er noch eine Art von grauem\nLeibrock, der eher in eine opera buffa geh\u00f6rt h\u00e4tte: und das Gewand der Pythia\nwar, statt faltenreich,vielmehr etwas aufgedunsen und mager; und statt des\nEinen gro\u00dfen Schleiers, der Kopf, Kinn und Schultern zugleich umh\u00fcllen sollte,\ntrug sie diesen nur auf den Schultern, und hatte dagegen noch ein besondres L\u00e4ppchen\num den Kopf, das in zwei befransten Zipfeln auf den Schultern herabgelegt war:\nungef\u00e4hr so wie sonst die Schauspielerinnen nach dem gew\u00f6hnlichen Schlendrian\nihre Vermummungen als Nonnen vorzurichten pflegen. Ion hatte einen zwei Mal geg\u00fcrteten\nLeibrock, dessen Mantel war wiederum so verschnitten und so angeheftet, da\u00df er\nbei der Vorneigung des Leibes ein wenig eng um die H\u00fcften fiel. Jene doppelte G\u00fcrtung\nwurde in Weimar wahrscheinlich gew\u00e4hlt, um an der Gestalt der Schauspielerin\nden Ausdruck der Weiblichkeit besser zu verbergen. Allein an sich ist sie\nunrichtig, und Mad. Unzelmann, die dieses H\u00fclfsmittels nicht bedarf, w\u00fcrde\ndurch Unterlassung desselben das gewinnen, da\u00df ihr der Leibrock etwas tiefer\nauf die Knie fiele, welches allerdings grazi\u00f6ser w\u00e4re. <o:p><\/o:p><br>Bei Vorstellungen, die so\nsehr wie diese auf plastische Ausbildung und auf eine gewisse Erudizion in der Ausf\u00fchrung\nAnspruch machen, hat man das Recht, bis auf das kleinste Detail herab nach\ndemselben Maa\u00dfstab zu urtheilen. Daher erlaube ich mir noch einige Bemerkungen,\nohne den Vorwurf der Kleinf\u00fcgigkeit zu bef\u00fcrchten. <o:p><\/o:p><br>Ausnehmend gut war Kreusens\nerster Eintritt auf die B\u00fchne, da die blo\u00dfe Umh\u00fcllung des Schleiers, dessen\neiner Saum \u00fcber das Haupt geworfen war, sie so bestimmt als Reisende\nbezeichnete, und wo das Entschleiern allein schon hinreichend andeutete, da\u00df\nsie nun ans Ziel gelangt war. Dieses Kostum des Reisenden h\u00e4tte man billig auch\nan Xuthus erwarten d\u00fcrfen, der hier vielmehr wie ein Einwohner von Delphi\nauftrat. Ich will eben keinen Akzent drauf legen, da\u00df er als Fremdling wohl\nStiefeln h\u00e4tte tragen k\u00f6nnen; allein da er nun einmal den Reisehut, der sonst\nin den Darstellungen dieser Mythenzeit \u00fcblich ist, hier schon wegen der\nuntragischen Aehnlichkeit mit denen im Parterre vermeiden mu\u00dfte, so w\u00e4re es\nsicher zu loben gewesen, wenn er sich dies Mal das Beispiel der Gemahlin h\u00e4tte\ngefallen lassen; um so mehr, da es sonst nicht ohne Einwirkung auf ihn\ngeblieben ist. Beide nehmlich d\u00fcrfte man wohl zuweilen daran erinnern, da\u00df die\nKleider zum Bekleiden des Leibes bestimmt sind, und nicht zum Zeitvertreib f\u00fcr\ndie H\u00e4nde. Sie wollen nach angenommener Sitte getragen seyn, und eine tragische\nPerson auf der B\u00fchne darf sich nicht mit Faltenwerfen abgeben. Doch ist dies\nkeineswegs als ein durchgehender Vorwurf f\u00fcr beide Rollen anzunehmen: er hatte\nnur selten Statt, und besonders Mad. Meyer verg\u00fctigte ihn durch viele ungemein\nsch\u00f6ne und verstandne Attit\u00fcden, wie z. B., als im zweiten Akt w\u00e4hrend der\nInsinuazionen des Phorbas sie in sich versunken mit \u00e4cht mahlerischer Bedeutung\nin Einem Wurf sich ganz in den Schleier einwickelte, so da\u00df nur das Antlitz\nsichtbar blieb, so eine Weile unbeweglich blieb, dann in wenig gro\u00dfen Schritten\nauf und ab gieng. Allein, so selten es auch vorfiel, hatte es doch au\u00dfer der\neigenen Unschicklichkeit bei Hrn. Iffland noch die Folge, da\u00df dadurch zuletzt\nder Mantel den starken Unterleib zu tief entbl\u00f6\u00dfte, der dann, im Profil gesehn,\nf\u00fcr den Thessalischen Krieger eine zu m\u00f6nchische Physiognomie gewann. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">So viel Gefangene man auch in\nantiken Darstellungen solcher Mythen findet, siehet man sie alle mit den H\u00e4nden\nauf den R\u00fccken geknebelt, und zwar mit Tauen und nicht mit eisernen Fesseln.\nHierdurch h\u00e4tte man au\u00dfer der Richtigkeit des Kostums und einer bedeutenderen\nStellung hier noch das gewonnen, da\u00df dem Phorbas manche unn\u00fctze Bewegung\nerspart worden w\u00e4re. Aber au\u00dfer diesem m\u00f6chte ich f\u00fcr eine k\u00fcnftige Auff\u00fchrung\nnoch vorschlagen, da\u00df man demselben den Mantel abn\u00e4hme, ehe man ihn gebunden\nvorf\u00fchrte. In der Erz\u00e4hlung des Vorfalls, der ihm die Fesselung zuzog, wird\nbeschrieben, wie er sich beim Mahl gesch\u00e4ftig bewies: <o:p><\/o:p><br>\u00bb\u2013 gesch\u00fcrzt und r\u00fcstig, <o:p><\/o:p><br>Als h\u00e4tt\u2019 er sich vor Freude\nganz verj\u00fcngt.\u00ab und da ist ohnehin nicht anzunehmen, da\u00df er den Mantel\numbehalten haben werde. <o:p><\/o:p><br>Es war anst\u00e4ndig genug f\u00fcr\ndas Gefolge der f\u00fcrstlichen Personen gesorgt \u2013 es waren f\u00fcr jede acht dienende\nbestellt, und noch acht folgten dem Phorbas mit den Tempelgeschenken \u2013; aber\ndiese, in ihren kothfarbenen possierlichen Kleidern, sahn zu sehr aus wie aus\nder Iphigenia geborgt. Auch wogen f\u00fcr einen solchen Gott die Geschenke zu\nleicht in der Hand, und die Gef\u00e4\u00dfe waren nicht geziemend. Es waren schlecht\ngerathene Urnen, und nicht Krater, Trink- und Opferschalen, wie man sie in den\nTempeln weihte. So sehr aber auch bei solchen Gelegenheiten die Menge des\nPersonals den Anstand vermehren mag; so mu\u00dften doch zwei M\u00e4nner mit einer Trage\nauf den Schultern, wie man es in Weimar soll angeordnet haben, den Geschenken\nselbst mehr Gewicht beilegen, welches hierbei auch nicht zu verachten war. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Ion bekr\u00e4nzt hier die Th\u00fcre\nmit Lorbeer, die S\u00e4ulen aber mit Blumen, da doch im Text nur vom Lorbeer die\nRede ist. Dies Bekr\u00e4nzen h\u00e4lt zu lange auf; und man war daher in der zweiten\nAuff\u00fchrung gen\u00f6thiget, die Eckweiten des Tempels unbekr\u00e4nzt zu lassen. Allein\nman th\u00e4te besser, k\u00fcnftig die Abk\u00fcrzung noch weiter zu treiben, und nur die\nMittelweite und die Th\u00fcre zu beh\u00e4ngen. Es ist oft gut sich mit solchen, an sich\nleeren Zeremonien nicht weiter aufzuhalten, als grade zu ihrer Andeutung n\u00f6thig\nist. Und warum sind K\u00f6cher und Bogen des Ion nicht auf derselben Stelle \u2013 zur\nLinken der Th\u00fcre \u2013 hingelehnt oder gehenkt, so da\u00df er sie mit Einem Griff\nfassen und sich dadurch das viele Herumtrippeln abk\u00fcrzen k\u00f6nnte? <o:p><\/o:p><br>Im Anfang des vierten Akts\nsitzt Pythia in der Tempelhalle auf einem Stuhl, so da\u00df die wenigsten Zuschauer\nsie bemerken. Sie soll aber nur f\u00fcr Kreusa, keineswegs aber f\u00fcr jene unsichtbar\nseyn; und die Nothwendigkeit, einen Stuhl zu haben \u00fcberall wo man sich setzen\nwill, ist ein etwas zu moderner Anstand. Eigentlich sollte sie auf der Schwelle\nder Tempelth\u00fcre sitzen, so da\u00df eine der S\u00e4ulen sie vor Kreusens Blick verdeckt.\n<o:p><\/o:p><\/span><span style=\"font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\"><\/span><br>Bei der Erscheinung des Gottes l\u00e4\u00dft man eine kleine\nWolke vor dem Tempel nieder, um die Art, wie dieselbe hervorkommt, zu\nverbergen, und ist dabei etwas freigebig mit Donner und Blitz. Wenn dies Gew\u00f6lk\nrecht schnell herabfallend und verschwindend, wie ein leichter Dunst w\u00e4re, der\ndie Augen der Zuschauer auf einen Augenblick gleichsam blendete, so k\u00f6nnte das\nals ein recht gutes Prestigium gelten; jedoch m\u00fc\u00dfte man sich dabei mit Einem\nBlitz und Donnerschlag begn\u00fcgen. Allein so wie es jetzt geschieht, sieht es aus\nwie ein B\u00fcndel W\u00e4sche, das man mit M\u00fche herabl\u00e4\u00dft, um etwas zu verschirmen was\nzu verschirmen nicht Noth thut, da das schnelle Aufgehn der Th\u00fcrgardine, hinter\nwelcher Apollo schon steht, f\u00fcr sich viel grazi\u00f6ser w\u00e4re. <br><\/p>\n <br>\n ","pivot":{"theaterveranstaltung_id":558,"zeitung_id":71}},{"id":72,"z_name":"Zeitung f\u00fcr die elegante Welt","z_datum":"1802-07-13","z_nummer":"83","z_seite":"661-664","z_autor":"gez.: *** [Hans Christian Genelli]","z_text":"\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Was endlich die Dekorazion\nanlangt, so hatte mit lobenswerther Bereitwilligkeit die Direkzion sich einen\nEntwurf zu derselben von fremder Hand gefallen lassen. Die Ausf\u00fchrung danach\nwar nun freilich unter aller Kritik schlecht gerathen; und gewi\u00df nicht aus b\u00f6sem\nWillen, sondern lediglich aus g\u00e4nzlicher Unf\u00e4higkeit der Exekutoren. Wenn man\nauch den absoluten Mangel an F\u00e4rbung und richtiger Haltung \u00fcbersehen will; so\nkann man doch nicht unger\u00fcgt lassen, da\u00df auch nicht Ein Strich auf dem rechten\nFlecke stand. Im Entwurf war ein alt-dorischer Peripteros angegeben: in der\nAusf\u00fchrung war nicht nur die ganze Tiefe des Pronars verlohren gegangen, und\nmithin die Absicht, durch die vermehrte perspektivische Entfernung der Th\u00fcre\ndie Gestalt Apollos in der Erscheinung zu vergr\u00f6ssern; sondern auch die S\u00e4ulenstellung\nwar v\u00f6llig modernisirt, mit Pilastern hinter jeglicher S\u00e4ule und Architraven\nvon diesen nach der Wand hin. Und im heiligen Hain standen nichts als\nZypressen, die hier nichts zu schaffen hatten, und wie bepuderte Kegel aussahen.\nIm Entwurf waren Pappeln angegeben, als die eine Beziehung auf Apoll haben; und\nnur um die Stelle des Altars auszuzeichnen, war hinter demselben ein Paar von\njenen B\u00e4umen angebracht. Aber aller solcher grober Fehler unerachtet that diese\nDekorazion dennoch, blos durch die klare und zweckm\u00e4\u00dfige Anordnung, keine\ngeringe Wirkung: und ihr gr\u00f6\u00dfter Vorzug war dies, da\u00df der gr\u00f6\u00dfere Theil unter\nden Zuschauern, welcher von solchen Sachen nichts versteht, dies Mal auch gar\nnicht auf dieselbe R\u00fccksicht nahm, indem ihre Theile, so wie sie in die\nHandlung eingriffen, ihm gleichsam wie mitspielende Parten vorkamen, und mehr\nim Text als in der Umgebung zu liegen schienen. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">In der B\u00fchnenverzierung sind\nwir noch gar weit von jener klaren Ordnung und Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Griechen\nentfernt, und ahnen meist nicht einmal, welchen heilsamen Einflu\u00df sie auf die\nEntwickelung einer theatralischen Handlung haben kann. Auch werden wir wohl in\nlanger Zeit nicht dahin kommen, indem die heillose Verwirrung, welche die\narrogante Sucht zu gl\u00e4nzen von Seiten der Theatermahler, die in der Regel die\naller ignorantesten dieser Zunft sind, eingef\u00fchrt hat, selbst in den K\u00f6pfen der\nDichter fortspukt; und dieselbe Verkehrtheit, welche das falsche Verlangen zu\nmahlen in der Gartenkunst hervorgebracht hat, wird auch in der Szenerie noch\nwohl eben so lange zu erdulden bleiben. Doch sollte man billig keine\nGelegenheit vorbeigehn lassen, die sich zu einem Versuch, wieder zur Ordnung\nzur\u00fcck zu kommen, darbietet; und dies scheint der Angeber jenes Entwurfs hier\nbeabsichtigt zu haben, wo die St\u00e4tigkeit der Szene ihm keine Schwierigkeit von\nSeiten des schon bestehenden mechanischen Apparats in den Weg legte, und wo\neben die Einfachheit der Handlung wie von selbst auf eine gewisse Regelm\u00e4\u00dfigkeit\nim Ein- und Ausgehn der Personen hindeutete. Demnach machte er die Szene so\nwenig tief als m\u00f6glich, legte den Tempelgiebel im Mittel der Hinterb\u00fchne in\neinen umgebenden Peribolus, und vor demselben den heiligen Hain. Das Prostylium\ndes Tempels machte er freistehend, und \u00fcber dem Peribolus lies er rechter Hand\nin die Stadt Delphi, linker Hand aber auf den Parnassus hinblicken. Im Hain\nstand, auf der Seite des Parnassus der Altar, auf der andern Seite ganz voran\nder Lorbeerbaum. So sah der Zuschauer das Ganze wie vom Meeresufer her: die\nKommenden von Athen traten vorne hinter dem Lorbeerbaum auf, die von Delphi von\nderselben Seite zwar, jedoch tiefer hinein neben der Vormauer des Peribolus\nvorbei, und der Weg des Parnassus gieng auf der entgegengesetzten Seite; die\nDiener des Tempels aber hatten den Eingang zu ihren Wohnungen in den Peribolus\nhinein. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Es war auffallend, wie viel\ndiese reine Anordnung der Szene die Einsicht der Entwickelung den Zuschauern\nerleichterte; und w\u00e4re dieselbe in der Ausf\u00fchrung nur etwas besser gelungen, so\nh\u00e4tte sie in ihrer Art als eine gl\u00fcckliche Ann\u00e4herung zur Vollkommenheit\nangesehen werden k\u00f6nnen. Aber so giengen alle n\u00e4heren Bestimmungen g\u00e4nzlich\nverlohren. Von den klimatischen B\u00e4umen, mit welchen der Fu\u00df des Parnassus\numgeben seyn sollte, Pignen, Platanen, Kastanien u.s.w. waren keine, weder der\nFarbung noch der Gestaltung nach zu unterscheiden, und \u00fcberdem waren sie noch\nsehr \u00e4rmlich ausgez\u00e4hlt. Manche Fehler hatten auch einen tieferen Grund, als\ndie blo\u00dfe Unf\u00e4higkeit des Mahlers. So konnte der Tempel nicht genug erh\u00f6ht\nwerden, blos weil der Machinist die Soffitten nicht h\u00f6her l\u00fcften wollte oder\nkonnte: und daf\u00fcr, da\u00df der Mahler die langen Schlagschatten alle unterdr\u00fcckt\nhatte, die so bestimmt den Stand der Morgensonne andeuteten, gab er zum Grunde\nan, da\u00df wohl die Sonne manchmal auf einer andern Stelle postulirt werden m\u00f6chte,\nund verwies mit dieser Antwort den Frager von seiner eigenen Ignoranz auf die\nParsimonie in der Theaterverwaltung, die darauf bedacht ist, dieselbe\nDekorazion in gar manchen Gelegenheiten wieder gebrauchen zu k\u00f6nnen. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"\">Uebrigens trug die gute\nVertheilung des Lichtes, bei solcher Anordnung der Szene, auch viel dazu bei,\nda\u00df das Auge alles soviel deutlicher unterschied als sonst. Aber haupts\u00e4chlich\nwar dies der wohlverstandenen Enthaltung von dem sonst so mi\u00dfbrauchten\nGruppenmachen zu verdanken, welche mi\u00dfverstandener Weise aus dem st\u00e4tigen Gem\u00e4hlde\nhin\u00fcbergetragen wird in die theatralische Szene, die ihrer Natur nach\nfortlaufende Beweglichkeit heischt. Hier kamen nur ein Paar Mal ungesuchte\nGruppen heraus, die jedoch niemals das ganze Personale umfa\u00dften; sonst aber\nstanden die Interlokutoren immer geh\u00f6rig aus einander. Dieses gew\u00e4hrte gro\u00dfe\nDeutlichkeit im Anblick, und nur dem Hintergrunde blieb es anheim gestellt,\nimmer den Totaleffekt des Gem\u00e4hldes zusammenzuhalten. Noch einen besonders\nguten Eindruck machte es, da\u00df Ion in den entscheidenden Momenten jedes Mal\nseinen Stand bei dem Lorbeerbaum erhielt, gleichsam den n\u00e4heren Schutz des\nGottes andeutend. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<span style=\"font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">*** <\/span>\n ","pivot":{"theaterveranstaltung_id":558,"zeitung_id":72}},{"id":263,"z_name":"Eunomia","z_datum":"1802-06-01","z_nummer":"2. Jg., 1. Bd.","z_seite":"564-571","z_autor":"Ignaz Aurelius Fe\u00dfler","z_text":"\n\n\n\n\n\n<span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;; letter-spacing: 1pt;\">K\u00f6nigliches Nationaltheater<\/span><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">. \/ <\/span><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">1) Ion, ein\nSchauspiel in vier Akten, (von A. W. Schlegel.) \/ <\/span><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">(Den 15ten und\n16ten Mai.)<\/span><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\"><o:p><\/o:p><\/span>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Die Schauspiele der Alten, waren sowohl\nim Ganzen, als in allen ihren Theilen poetisch; die unsern sind gr\u00f6\u00dftentheils\nprosaische Exempel zu Regeln, die aus der Poesie abstrahirt sind. Jene wurden\nmit Religiosit\u00e4t angeschaut, als G\u00f6tterfeste gefeiert und als Nationalopfer\nbegangen; diese dienen fast allgemein noch zu einem anst\u00e4ndigen Zeitvertreib,\nund selten noch zu einer Scene der Kunst und des Kunstsinns, der sich, ohne\nPoesie und Religion, nur mit M\u00fche \u00fcber die Sph\u00e4re des Am\u00fcsements zu erheben\nvermag.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Eines der besten Mittel, das Publikum zu dem\nreinen Geschmack der Kunst zu erheben, ist, Vorf\u00fchrung solcher Dichtungen, die\nden Dichtungen der Alten nachgebildet sind. <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Uebersetzungen<\/span>\nverm\u00f6gen es nicht; denn die St\u00fccke der Alten selbst tragen doch neben dem, was\nallen Geistern und allen Herzen in jedem Zeitalter verst\u00e4ndlich ist, so viel\nGraecit\u00e4t oder Latinit\u00e4t in der Zusammensetzung an sich, da\u00df das innere\npoetische Leben f\u00fcr den ungelehrten Zuschauer verschlossen bleibt; daher wohl\nder in Weimar gemachte Versuch mit Auff\u00fchrungen Terenzischer St\u00fccke ohne\nNachahmung bleiben m\u00f6chte. Nur Darstellungen <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">im\nGeiste der Alte<\/span>n, oder ihnen nachgedichtet, in welchen die Poesie der\nHandlung und der Charaktere f\u00fcr jegliches Gef\u00fchl<span style=\"letter-spacing: 1pt;\"> \u00fcber<\/span> die Individualit\u00e4t der Sitten und der Zeitalters waltet,\nk\u00f6nnen den Kunstzweck f\u00f6rdern, und das Theater allm\u00e4hlich zu seiner ihm\ngeb\u00fchrenden W\u00fcrde erheben.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Zu ihnen geh\u00f6ren unter andern, Schillers <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Wallenstein,<\/span> (der, obgleich in modernem\nKost\u00fcm, doch im Geiste der Alten gedichtet ist); dazu w\u00fcrde, bei mehr innrer\nPoesie, <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Regulus<\/span> geh\u00f6ren, dazu geh\u00f6rt\nentschieden, <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Ion<\/span>.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Auch hier sind alle einzelnen Theile, wie\ndas Ganze, poetisch. Die Charaktere haben jene idealische Individualit\u00e4t, die\nsie so wahr und zugleich erhaben macht, (vorz\u00fcglich der Charaktere des Ion und\nder Kreusa); die Region, in welcher die Handlung vorgeht, ist so rein\nmenschlich und doch \u00fcber jedes Gemeine erhaben, so, da\u00df die Theophanie am Ende\neinem jeden Sinne nat\u00fcrlich erscheint; die Sprache ist durchaus dichterisch,\nso, da\u00df fast keine Stelle, durch Versetzung der Worte in Prosa aufgel\u00f6st werden\nk\u00f6nnte. \u2013 Trotz dem, da\u00df <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">diese<\/span> Namen\nnie auf einem modernen Theater geh\u00f6rt wurden, da\u00df die alt-griechischen Sitten\nden meisten Zuh\u00f6rern unbekannt waren, verfehlte die Darstellung<span style=\"\">&nbsp; <\/span>ihre gro\u00dfe Wirkung nicht. <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Dies ist die trockne Fabel des St\u00fccks:\nIon lebt als Tempelknabe zu Delphi (wie einst Samuel im Tempel des Jehovah) ein\nheilig stilles Leben. Xuthos und Kreusa, die Beherrscher Athens, kommen mit\nWeihgeschenken, um das Orakel \u00fcber ihre Kinderlosigkeit zu befragen. Apoll zeigt\njedem den Ion als Sohn an; diese, einst die Geliebte des Gottes selbst, wird\ndurch diese Zur\u00fccksetzung und Ungerechtigkeit emp\u00f6rt und beschlie\u00dft,\naufgereitzt durch den alten Diener ihres Hauses, den J\u00fcngling beim Opfermahl\nermorden zu lassen. Der Anschlag wird entdeckt, Kreusa bekennt sich w\u00fcthend als\nAnstifterin; sie flieht; Ion verfolgt sie mit Pfeil und Bogen. Ersch\u00f6pft kehrt\nsie zum Altar des Apollo als Fliehende (??????) zur\u00fcck. Eben als selbst dort\nIons Pfeil sie treffen soll, bringt Pythia den Korb, in welchem sie den Knaben\neinst an der Tempelschwelle fand, und worin noch alles liegt, was seine Mutter,\nals sie ihn aussetzte, ihm mitgegeben hatte. Kreusa ist diese Mutter, Apollo \u2013\ner best\u00e4tigt es selbst \u2013 sein Vater. Ein zweiter Sohn wird Xuthos und Kreusa\nverhei\u00dfen.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Diese Fabel erinnert augenblicklich an\nden <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Ion des Euripides<\/span>, und es ist\nnicht zu l\u00e4ugnen, da\u00df Schlegels Ion dem des Euripides nachgedichtet ist. Aber\nstatt, da\u00df er eine blo\u00dfe Uebersetzung oder Nachahmung seyn sollte, ist er\nvielmehr poetischer, als jener. Es war dies auch eine unerla\u00dfliche Forderung an\nden neueren Bearbeiter der Fabel; denn wodurch h\u00e4tte er sonst das hohe\nInteresse ersetzen wollen, das der Athener an dem Schicksal seines alten K\u00f6nigshauses\nund an dem Stifter des herrlichen Ionischen Stammes nahm, als durch Erh\u00f6hung\ndes Nationalinteresse zum rein menschlichen? \u2013 Es war die Aufgabe zu l\u00f6sen: den\ngriechischen Ion zu einer Dichtung des 19ten Jahrhunderts und aller Zeiten zu\nerheben, und diese Aufgabe ist befriedigend gel\u00f6st.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Im Ganzen ist bei beiden Dichtern der\nGang der Handlung derselbe, so auch die Charaktere, die nur bei dem neueren\nsch\u00e4rfer ausgezeichnet sind. Auch im Einzelnen sind viel Aehnlichkeiten, z. E.\nKreusa erz\u00e4hlt dem Ion ihre Geschichte, als die einer Freundin; Xuthos hat eine\n\u00e4hnliche Begebenheit mit einer Bacchantin, ihm zeigt Apoll r\u00e4thselhaft den Ion\nals Sohn an; das Opfermahl, die Vergiftung, das <i style=\"\">verbum male omniatum<\/i> des Sklaven, der Tod der Tauben etc. wird auf\ngleiche Art erz\u00e4hlt. Vorz\u00fcglich sch\u00f6ne Verse sind w\u00f6rtlich aus Euripides\nbeibehalten, z. E. der Doppelsinn in den Worten der Kreusa: <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Phoibos Apollon wei\u00df, <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">wie<\/span> kinderlos ich bin!<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Doch sind der <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Verschiedenheiten<\/span> in der Handlung und im Einzelnen bei weitem\nmehrere, und darunter solche, die das neuere Gedicht zu einem Original machen.\nAndere flie\u00dfen aus der ver\u00e4nderten Anlage der Handlung und der Charaktere,\nmache scheinen inde\u00df den Euripideischen nicht vorzuziehen zu seyn. Des Orakels\ndes Trophonuis wird z. B. im Euripides nur beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt, da im neuern Ion\ndie Orakelbilder poetisch ausgemahlt werden; statt der Anrede des Ion an den\nChor:<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Ist zur\u00fcck vom heiligen Trivus und Apolls<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Ausspruch gekehrt Xuthos, oder harrt er <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">drinnen noch, der Kinderlos\u2019 und forscht?<a style=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\" title=\"\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"\"><!--[if !supportFootnotes]--><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">[*]<\/span><\/span><!--[endif]--><\/span><\/span><\/a><o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">singt der Knabe eine Hymne zur Leyer, die\nganz im Geiste des Alterthums gedichtet ist; beim Euripides giebt der Vater ihm\nerst nach der Erkennung seinen Namen:<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Ion (???) hei\u00df aber nun; so will es das\nGeschick,<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Das deinen Fu\u00df mir, da ich vom Tempel kam<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Zuerst entgegenf\u00fchrte.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Durch den Chor erf\u00e4hrt Kreusa, da\u00df der\nKnabe ihrem Gemahl gegeben ist. Das Gorgonische Gift vom Erichthonius verwahrt\nnicht der Greis, sondern (und zwar wahrscheinlicher) Kreusa selbst, auch macht\nsie den Anschlag gegen Ions Leben; die Geschichte des gro\u00dfen Opfermahls und der\nVergiftung erz\u00e4hlt ein Sklave, nach der Vergiftung giebt sich Kreusa nicht\nselbst, sondern der Greis, sie als Anstifterin an; Pythia h\u00f6rt nicht von der\nK\u00f6nigin das Geheimni\u00df, sondern sie bringt das K\u00e4stchen des Ion ohne alle n\u00e4here\nVeranlassung; Kreusa flieht nicht vor Ion, sondern rettet sich sogleich zum Altare\n(daher die drei herrlichen Monologen ganz neu sind); Xuthos erscheint, nachdem\ner den angewiesenen Sohn gefunden hat, gar nicht mehr auf dem Theater u. s. w.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Ueber jede dieser Verschiedenheiten\nlie\u00dfen sich fruchtbare Vergleichungen anstellen, die den originalen Plan des\nneueren Dichters vielleicht am besten ins Licht setzen w\u00fcrden. Allein sie\nwerden besser und verst\u00e4ndlicher angestellt werden k\u00f6nnen, wenn das Gedicht dem\nPublikum durch den Druck geschenkt seyn wird.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Jetzt erw\u00e4hnen wir nur zweier bedeutenden\nVer\u00e4nderungen, zu welchen wir die Gr\u00fcnde nicht ganz finden k\u00f6nnen.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Kreusa sitzt am Altar, Pythia bringt den\nIon, der seine Mutter eben mit dem Pfeil durchbohren will, seine Korbwiege; er\nuntersucht ihren Inhalt, und nimmt ein St\u00fcck nach dem andern hervor; als Kreusa\ndie goldnen Schlagen erblickt, springt sie lebhaft herab und ruft: Mein Sohn! und\nohne weiteres erkennt Ion, der sich gegen Xuthos so mi\u00dftrauisch gezeigt hat und\ngegen Kreusen so aufgebracht ist, da\u00df er selbst den Altar seines Gottes nicht\nachtet, - erkennt sie sogleich als Mutter. So in der Schlegelschen Dichtung. \u2013\nBeim Euripides bringt ihm Pythia das K\u00e4stchen, damit er seine Mutter suche;\nnach einem herrlichen Monolog, worin er zweifelt, ob er dies thun oder das\nK\u00e4stchen dem Apoll opfern solle, und wobei er das Aeu\u00dfere desselben betrachtet,\nspricht Kreusa:<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Welch Bild erstorbner Hoffnung schwebt um\nmeinen Sinn?<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">und springt herab, Ion befiehlt, sie zu\nergreifen.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Kreusa. \u2013 An <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">dir<\/span>, Sohn, halt\u2019 ich mich,<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">An diesem K\u00e4stchen und an dem, was es\nverbirgt.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Ion. Ist das nicht unerh\u00f6rt? Mich selber\nrei\u00dft sie fort.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Kreusa. Nicht so! \u2013 Die Liebende h\u00e4lt den\nLiebenden nur im Arm.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Ion. Ich lieb\u2019 dir? und doch hast du mir\nden Tod gebr\u00e4ut?<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Kr[eusa]. Mein Kind bist Du! Nichts\nLieberes hat die Mutter ja.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Er zeiht sie des Trugs, und sie sagt ihm\nin einem Dialog, das K\u00e4stchen enthalte seine von ihr gewebten Kleider, die\nSchlangen und den Oelzweig \u2013 und <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">nun<\/span>\nerst ruft Ion:<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">O Mutter, liebend schau ich Dich,<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Die Liebende, und fall\u2019 an Deine Wange.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">So scheint die Erkennungsscene mehr\nmotivirt zu seyn, ob gleich in der neueren Bearbeitung die Erkennung<span style=\"\">&nbsp; <\/span>durch die sanftre Stimmung, in welcher Ion,\ndurch die Betrachtung jener St\u00fccke aus dem Korbe versetzt wird, und das Zeugni\u00df\nder Pythia auch Wahrscheinlichkeit erh\u00e4lt.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Die zweite Ver\u00e4nderung ist die, welche\nder Dichter mit der <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Theophanie<\/span> vorgenommen\nhat. \u2013 Xuthos hat Kreusen verziehen, Ion ist als ihr und Apolls Sohn anerkannt,\nman w\u00fcnscht nur noch ein Best\u00e4tigungszeichen vom Gotte selbst. Da erscheint\nApoll, auf das k\u00fchne Gebet Ions, in der Tempelhalle, erkl\u00e4rt sich als den Vater\ndes Knaben, und spricht \u00fcber Xuthos und Kreusens Nachkommenschaft Vaticinien\naus. \u2013 Im Euripides zweifelt Ion an der Erkl\u00e4rung seiner Mutter: Apoll habe ihn\ndem Xuthos nur zugef\u00fchrt, um ihm Theil an der Regierung Athens zu geben, und\nspricht:<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">So leicht wird\u2019 ich, o Mutter, nicht\nberuhiget;<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Nein, in den Tempel geh\u2019 ich und befrag\u2019\nApoll,<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Ob mich ein Sterblicher oder Loxias\nerzeugt.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Doch sieh! Vom weihrauchvollen Tempel\naufgeschwebt,<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Wer zeigt dies sonnengleiche\nG\u00f6tterangesicht? \u2013<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;; letter-spacing: 1pt;\">Athene<\/span><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\"> erscheint, gefolgt von ihrem Bruder: <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">\u201eDenn euren Anblick scheute noch der\nG\u00f6ttliche,<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Da\u00df ihr ihn des Vergangnen nicht\nerinnertet \u2013 \u201c<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">und verk\u00fcndigt: Apollo sei der Vater\nIons, er habe ihn Xuthos gegeben, um ihn ins Haus der Erechthiden einzuf\u00fchren.\nDarauf spricht sie die Prophetien aus, und schlie\u00dft:<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Verschweig\u2019 es denn, Kreusa, da\u00df dein\nSohn er ist,<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Da\u00df holder Wahn Xuthos Gem\u00fcth beth\u00f6r\u2019 und\ndu <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Auch wieder <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">deines<\/span> Gl\u00fcckes dich erfreuen vermagst. \u2013 <o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Die Erscheinung Apolls selbst ist\nkr\u00e4ftiger und k\u00fchner; aber in der Sendung Athenens, weil der Gott sich in\nseiner seeligen Ruhe durch Erinnerungen nicht st\u00f6ren will, und in der gebotenen\nVerhehlung von Xuthos, liegt eine gewisse \u2013 wir m\u00f6chten sagen \u2013 Delikatesse (<i style=\"\">pudor<\/i>), die von sch\u00f6ner Wirkung ist, und\nvon dem alten Dichter wirklich \u00fcberraschen w\u00fcrde, wenn sie nicht im Geiste des\nAlterthums w\u00e4re.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">Nur noch wenige Worte von der\nvortrefflichen Darstellung auf dem hiesigen Theater. Die Dekoration war vom\nDichter selbst angegeben und vom Herrn Genelli gezeichnet. Im Hintergrunde der\ntreu nachgebildete Tempel des pythischen Apollo zu Delphi auf einer Estrade;\nauf der Scena der Lorbeerbaum und der Altar. Ion erschien in der Darstellung\nfast wie ein <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">antiker Mignon<\/span>, nicht\nvon einem irrdischen Manne erzeugt, ein Wunderkind, das aus dem Aether\nherabgestiegen ist, und \u00fcber dessen Geschlecht die Natur kaum entschieden hat.\nMad. <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Unzelmann<\/span> war Ion. \u2013 Mad. <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Meyer<\/span> f\u00fchrte die Wirkung des tragischen\nKothurns auf unser Theater; in der Kreusa stellte sie die ganze Kraft und W\u00fcrde\neiner<span style=\"\">&nbsp; <\/span>altgriechischen Matrone, der\nEnkelin und Geliebten eines Gottes dar, und lieferte in Wort-, Mienen- und\nGebehrdenausdruck Studien f\u00fcr die Kunst. Der lange Monolog am Altar ist des\nDichters und ihr Meisterst\u00fcck. \u2013 Hr. <span style=\"letter-spacing: 1pt;\">Iffland<\/span>\ngab den Xuthos, und rundete dadurch das Ganze zu einer vollkommnen Darstellung.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: right; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\" align=\"right\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">F.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<div style=\"\"><!--[if !supportFootnotes]--><br clear=\"all\">\n\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\">\n\n<!--[endif]-->\n\n<div style=\"\" id=\"ftn1\">\n\n<p class=\"MsoFootnoteText\"><a style=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\" title=\"\"><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"\"><!--[if !supportFootnotes]--><span class=\"MsoFootnoteReference\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">[*]<\/span><\/span><!--[endif]--><\/span><\/span><\/a>\nNach Hrn. Bothe\u2019s Uebersetzung.<\/p>\n\n<\/div>\n\n<\/div>\n\n","pivot":{"theaterveranstaltung_id":558,"zeitung_id":263}}],"zettel":[]},{"id":559,"theaterstueck_id":142,"veranstaltungsuntertitel":"Ion","auffuehrungsdatum":"16.05.1802","auffuehrungsort":"NT S1","uhrzeit":"","quelle":"Annalen 1802, S. 351","zusatzinfo":"","bild":null,"rollenfeld":null,"schauspieler_info":null,"datensatz_erstellt_dat":"2004-07-19 13:35:24","datensatz_geaendert_dat":"2004-07-19 13:35:24","datensatz_erstellt_user":4,"datensatz_geaendert_user":4,"rezensionen":[],"zettel":[]},{"id":4156,"theaterstueck_id":142,"veranstaltungsuntertitel":"Jon. Ein Schauspiel in F\u00fcnf Akten, von A. W. Schlegel","auffuehrungsdatum":"30.01.1811","auffuehrungsort":"NT S1","uhrzeit":"18:00","quelle":"THZ SBBPK","zusatzinfo":"Bekanntmachung: Beym Kastellan Herrn Leist ist zu haben: \"Kost\u00fcme auf dem K\u00f6nigl. 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