
{"meta":{"meta-title":"Schule der Frauen, Die [L'\u00e9cole des femmes] > Nationaltheater von A-Z","meta-description":"Schule der Frauen, Die [L'\u00e9cole des femmes] > Nationaltheater von A-Z","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater\/theaterstueck\/267","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/nationaltheater\/theaterstueck\/267","zitat":{"bereich":"Nationaltheater","bearbeitet":" (bearbeitet von Klaus Gerlach)","titel":"Schule der Frauen, Die [L'\u00e9cole des femmes]"},"breadcrumb":[{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater","text":"Nationaltheater"},{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater\/theaterstueck\/267","text":"Schule der Frauen, Die [L'\u00e9cole des femmes]"}]},"data":{"id":267,"veranstaltungstitel":"Schule der Frauen, Die [L'\u00e9cole des femmes]","veranstaltungsart_id":2,"kommentar":null,"art":{"id":2,"theaterveranstaltungsart":"Lustspiel"},"personen":[{"id":410,"bkperson_id":553,"regberuf_id":4,"updated_at":null,"pivot":{"theaterstueck_id":267,"bkperson_regberuf_id":410},"person":{"id":553,"bknachname":"Kotzebue","bkvorname":"August Friedrich Ferdinand","bkgeschlecht":"m","fm_personen_id":"000090","lexname":null},"beruf":{"id":4,"regberuf":"autom_Bearbeiter"}},{"id":4759,"bkperson_id":3480,"regberuf_id":2,"updated_at":null,"pivot":{"theaterstueck_id":267,"bkperson_regberuf_id":4759},"person":{"id":3480,"bknachname":"Moli\u00e8re [Poquelin, Jean Baptiste]","bkvorname":"","bkgeschlecht":null,"fm_personen_id":null,"lexname":null},"beruf":{"id":2,"regberuf":"autom_Autor"}}],"veranstaltungen":[{"id":947,"theaterstueck_id":267,"veranstaltungsuntertitel":"Die Schule der Frauen, Lustspiel in 5 Akten von Moliere, frei \u00fcbersetzt  in Knittelverse vom Hrn. v. Kotzebue","auffuehrungsdatum":"18.03.1803","auffuehrungsort":"NT S1","uhrzeit":"","quelle":"VZ 1803, Nr. 33","zusatzinfo":"Zum erstenmal und zum Benefiz f\u00fcr Herrn Kaselitz; <br> [danach: Der Kalif von Bagdad]","bild":null,"rollenfeld":null,"schauspieler_info":null,"datensatz_erstellt_dat":"2005-01-04 16:30:00","datensatz_geaendert_dat":"2005-01-04 16:30:00","datensatz_erstellt_user":4,"datensatz_geaendert_user":4,"rezensionen":[{"id":54,"z_name":"Vossische Zeitung","z_datum":"1803-03-22","z_nummer":"35","z_seite":"","z_autor":"ungez.","z_text":"Molieres witziges Possenspiel, wie\nLessing dieses komische St\u00fcck in seiner Dramaturgie im 2ten Theile Seite 5\nnennt, ist seit 142 Jahren erschienen, und eben so lange das Vergn\u00fcgen der\nTheaterfreunde. Man ist dem Herrn von Kotzebue Dank schuldig, da\u00df er es in dem\ngef\u00e4lligen Gewande leichter Verse auf die B\u00fchne gebracht hat. Die Leser werden\nan dieser Uebersetzung einen unweit reinern Genu\u00df haben, das Talent, was darin\ngewirkt hat, weit mehr ehren, als die H\u00f6rer es thaten und thun k\u00f6nnten. Diese\nVerse wollen in leichter gef\u00e4lliger Melodie hingegeben seyn, nicht aber gebellt\noder gesprudelt werden. Es ist wahr, da\u00df die Deutsche Sprache die\nVerschleifungen der T\u00f6ne, gewisse neckische Tonf\u00e4lle, charakteristische Nachbildung\nvon Dingen und Menschen durch Melodie der Sprache, welche doch nicht Nach\u00e4ffung\nwerden darf, nicht erleichtert; aber sie macht sie nicht unm\u00f6glich, und\nUeberwindung der Schwierigkeit unterscheidet den K\u00fcnstler vom Handwerker. Ein\nDeutsches Parterre ist an den Vortrag der Verse \u00fcberhaupt nicht gew\u00f6hnt, wie\ndas Franz\u00f6sische. Es h\u00f6rt, folgt langsam, sinnt dem Warum und Wie sorglich\nnach, und verliert dar\u00fcber den Zusammenhang der Handlung, und oft den Treffer\nder witzigen Einf\u00e4lle. Die Schauspieler sind sehr leicht entweder zu deutlich\noder zu undeutlich; zu viel Deutlichkeit hebt alles Gef\u00e4llige auf; die\nUndeutlichkeit qu\u00e4lt den H\u00f6rer. Die Vorstellung der Schule der Frauen schwebte\nzwischen diesen beiden \u00e4u\u00dfersten Enden; das Bestreben, der Sache Gen\u00fcge zu\nleisten, war an Allen sichtbar, aber eben dasselbe Sichtbarwerden schadete der\nVorstellung. Bei der Wiederholung wird mehr Unbefangenheit herrschen, weniger\nharte Deutlichkeit, mehr eigner Humor, minder \u00e4ngstliche Sorge, und eben\ndeshalb mehr Genu\u00df f\u00fcr alle Theile. Die schwere Rolle des Arnulph, welche durch\n5 Akte dieselbe Leidenschaft darzustellen hat, spielte Herr Iffland sehr brav\nund sorgf\u00e4ltig, aber doch zu m\u00fchsam. F\u00fcr M\u00fchsamkeit ist man erkenntlich, aber\nsie erg\u00f6tzt nicht. Nur die Sicherheit des k\u00fchn und leicht hingeworfenen Gem\u00e4hldes\nkann innig erfreuen. In demselben Falle war Herr Schwadke; sein Flei\u00df leistete\nalles, aber die \u00fcppige gute Laune kann noch mehr thun. Willings Erz\u00e4hlungen m\u00fcssen\nleichter, lebendiger und pikanter seyn. Madame Fleck, als Sibillchen, war\nungemein liebensw\u00fcrdig, nur der letzte Akt schien zu sinken. Demoiselle\nEigensatz, als Grete, f\u00fchrte den Charakter ganz vortrefflich aus und blieb sich\nstets treu. Eben so Herr Unzelmann als Hanns. Er hat das Verdienst, komisch zu\nseyn, und nicht komisch zu thun! Papa Krieselmann ist der Generalba\u00df in dieser\nKomposition. Herr Kaselitz hat ihn nicht erf\u00fcllt; ihm fehlte der ruhige\nVortrag, der Ton des milden Scherzes, und in der Neckerei die Weise des\nWeltmanns. Auch ward die Rolle nicht deutlich gesprochen. Der alte Willing soll\ngalant gewesen seyn, wie Arnulph sagt: das ward man nicht gewahr. Die Rolle war\nnur gut gelernt und schnell gesagt. Den Vater der Sibille sprach Herr Lemke\nanst\u00e4ndig, aber nicht eingreifend. Die kleine Rolle des Notars belebte Herr\nReinwald. \u2013 Bei dem Eingange in das Schauspielhaus wollten viele behaupten, es\nsey bereits den Tag vorher von Mehreren beschlossen das St\u00fcck mit lauten\nZeichen des Mi\u00dffallens aufzunehemen; wenn diese Nachricht bis zu den\nSchauspielern gekommen ist, so l\u00e4\u00dft es sich begreifen, wie sie w\u00e4hrend der\nVorstellung davon sich belastet gef\u00fchlt haben k\u00f6nnen; es setzte auch am\nSchlusse des St\u00fccks ein lautes Pochen in den Beifall der Mehrheit ein, allein\nes verlautet nun, dies habe nicht Moliere von Kotzebue aufgef\u00fchrt gegolten\nsondern der Unwille der Einwohner dar\u00fcber, da\u00df Fremde die Unschicklichkeit\nbegangen haben, im Angesicht des Verehrtesten, was wir besitzen, den Hut auf\ndem Kopfe zu behalten, habe auf diese Weise sich ge\u00e4u\u00dfert, und unwillk\u00fchrlich\ndie zweite Unschicklichkeit veranla\u00dft.\n ","pivot":{"theaterveranstaltung_id":947,"zeitung_id":54}},{"id":354,"z_name":"Haude- und Spenersche Zeitung","z_datum":"1803-03-22","z_nummer":"35","z_seite":"","z_autor":"ungez.","z_text":"<!--[if gte mso 9]><xml>\n <w:WordDocument>\n  <w:View>Normal<\/w:View>\n  <w:Zoom>0<\/w:Zoom>\n  <w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone>\n  <w:PunctuationKerning\/>\n  <w:ValidateAgainstSchemas\/>\n  <w:SaveIfXMLInvalid>false<\/w:SaveIfXMLInvalid>\n  <w:IgnoreMixedContent>false<\/w:IgnoreMixedContent>\n  <w:AlwaysShowPlaceholderText>false<\/w:AlwaysShowPlaceholderText>\n  <w:Compatibility>\n   <w:BreakWrappedTables\/>\n   <w:SnapToGridInCell\/>\n   <w:WrapTextWithPunct\/>\n   <w:UseAsianBreakRules\/>\n   <w:DontGrowAutofit\/>\n  <\/w:Compatibility>\n  <w:BrowserLevel>MicrosoftInternetExplorer4<\/w:BrowserLevel>\n <\/w:WordDocument>\n<\/xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml>\n <w:LatentStyles DefLockedState=\"false\" LatentStyleCount=\"156\">\n <\/w:LatentStyles>\n<\/xml><![endif]--><p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Seit Monaten war es bekannt, da\u00df diese\nUebersetzung da sei, da\u00df sie einstudirt w\u00fcrde. Mit sehr mannigfaltig gemischten\nGesinnungen sah man ihrer Darstellung auf dem Theater entgegen. \u201eKotzebue\n\u00fcbersetzt Moliere, er der ihm seit so langer Zeit und oft so gl\u00fccklich\nnachgeeifert hat? Endlich also wird doch der genievolle Stifter des reinern,\nedlern Geschmacks im Lustspiel, auch auf unsrer B\u00fchne einheimisch werden!\u201c\nsagte ein sehr gebildeter Theil des Publikums und freute sich. \u2013 \u201eDie Weiberschule\nin Knittelversen\u201c? dachte ein nicht minder gebildeter und schwerer zu befriedigender\nTheil. \u201eIn Knittelversen? War denn nicht gerade das ein Hauptverdienst\nMolierens, da\u00df er zuerst dem blo\u00df possenhaften Ton, der unkorrekten, z\u00fcgellosen\nArt witzig zu seyn ohne einen edlern Zweck zu haben, \u2013 kurz alle dem, was gewisserma\u00dfen\nden Karakter der Dichtungen in Knittelversen ausmacht, auf der Franz\u00f6sischen\nB\u00fchne entgegen wirkte? Da\u00df er statt wilder Einf\u00e4lle reine Karakteristik gab,\nseine Scherze in reiner klassischer Sprache, in regelm\u00e4\u00dfigen Versen sagte? Ob\nder deutsche Dichter da nicht einen Fehlgrif that?\u201c \u2013 \u201eNun \u00fcbersetzt er gar den\nMoliere! Das soll ihm \u00fcbel bekommen!\u201c rief eine dritte Gruppe, die gro\u00dfe Schaar\njener Menschen, die K<i style=\"\">otzebue<\/i> aus\nmannichfachen Ursachen beneidet, um seine Talente, um seinen Ruhm, um die\nehrenvolle Auszeichnung, die er genie\u00dft, \u2013 Leute, die selbst schlechthin\nunf\u00e4hig sind, sich aus dem Staube literarischer Gemeinheit aufzuschwingen, die\ndem Publikum fast nie etwas anders zu geben vermochten, als Stoff zum Lachen,\nund die eben deshalb jeden Schritt des wahren Talents auf seiner Laufbahn,\njeden neuen Beweis, wie hoch es \u00fcber ihnen stehe, mit giftigem Ingrimm beobachten,\nund ihm wenigstens nachzischen, da sie es nicht aufhalten k\u00f6nnen. Es wurden\nVerabredungen getroffen, sagt man; es wurden von allen Seiten gef\u00e4llige Freunde\ngeworben, und kurz, 8 Tage vor Auff\u00fchrung des St\u00fcckes lief schon die bestimmte\nNachricht herum, es werde ausgepocht werden. Die Unparteiischen, Unbefangenen\n\u00e4rgerten sich zum Theil dar\u00fcber, da\u00df man sich solche Dinge erlaubte, zum Theil\n\u2013 lachten sie. In der That, kann man sich etwas l\u00e4cherlicheres und <u>unbedeutenderes<\/u>\ndenken, als eine solche vorher beschlossene Verwerfung eines Kunstwerkes, das man\nnoch gar nicht kennt? Ueber den Werth oder Unwerth desselben, entscheidet sie\ngar nichts. Ein Publikum, das sich durch eine solche Cabale g\u00e4ngeln lie\u00dfe,\nm\u00fc\u00dfte sehr unm\u00fcndig seyn, ein Dichter, der sie f\u00fcr eine Kr\u00e4nkung ans\u00e4he, eine\nsehr kurzsichtige Art von Eigenliebe besitzen. Im Grunde ist sie nur eine\nHuldigung, die man ihm bringt, ein offenes Gest\u00e4ndni\u00df seiner Feinde, da\u00df sie\nkeine andre Waffen gegen ihn haben, als die ver\u00e4chtlichen der R\u00e4nkesucht. Die\nUrheber der l\u00e4cherlichen Cabale haben \u00fcber sich selbst durch sie ein so\nherabsetzendes Urtheil gesprochen, da\u00df man kein Wort hinzuzuf\u00fcgen braucht; die\nTheilnehmer aus <u>Gef\u00e4lligkeit<\/u>, werden, man mu\u00df es ihrem bessern Gef\u00fchl,\nwenn sie wieder auf dasselbe achten, zutrauen, \u2013 ingeheim vor sich selbst\nerr\u00f6then, da\u00df sie sich zu so etwas hergeben konnten. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Der sehnlich erwartete Abend kam. Vor\neiner so zahlreichen Versammlung, als nur in das Haus zusammengedr\u00e4ngt werden\nkonnte, ging endlich der Vorhang auf. Schon die ersten Scenen verbreiteten\nfrohe Laune. Lautes Beifallklatschen ert\u00f6nte bei dem Schlusse jedes Aktes; noch\nlauteres, bei Endigung des St\u00fcckes. Verwundert sah man sich nach den\nVerb\u00fcndeten um; schon glaubte man, alle die Erz\u00e4hlungen von dem Complott seien\neine leere Sage gewesen, oder die Sch\u00f6nheiten des St\u00fccks h\u00e4tten es\nniedergeschlagen: da erhob sich, fast eine Minute nach geendigtem\nApplaudissement, auf der Gallerie, bekanntlich dem Sitz der feinsten\nKunstrichter, das Pochen und einige wenige Einverstandene antworteten in\nanderen Theilen des Hauses: \u2013 aber sogleich fing auch das allgemeine\nApplaudiren wieder an und \u00fcbert\u00f6nte und \u00fcberdauerte jenes. Der Dichter hat also\ngesiegt, das St\u00fcck hat gefallen; m\u00f6gen die Uebelwollenden immer im Publikum\nherumgehen, und durch die Phrase: \u201eman hat gepocht!\u201c ohne hinzu zu setzen, da\u00df\ndas Pochen \u00fcberstimmt wurde, sich tr\u00f6sten: das St\u00fcck hat gefallen, denn das\nPublikum hat die Kabale niedergedr\u00fcckt. Auch bei dem vollendetesten Meisterwerk\nkann es ja wohl einigen Feinden des Verfassers oder einem Betrunkenen\neinfallen, zu l\u00e4rmen; ob man ihm beistimmt, <u>darauf<\/u> kommt es an. \u2013 In\nwiefern Kotzebue und die darstellenden K\u00fcnstler \u00fcbrigens ihren Sieg <u>verdienten<\/u>\n\u2013 wollen wir jetzt untersuchen; vorher aber einiges \u00fcber das Original selbst. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Moliere schrieb es im Jahr 1662, also zu\neiner Zeit, da man in Frankreich noch gewohnt war, in einem Lustspiel nichts zu\nfinden, als wilde, p\u00f6belhafte, oft schmutzige Possenrei\u00dferei. Er erwarb sich\ndas unsterbliche Verdienst, diese zu verdr\u00e4ngen, einen edleren, reinern\nGeschmack zu verbreiten, und der Com\u00f6die eine klassische Vollendung zu geben.\nWelchen Weg er dazu einschlug, zeigt fast keines seiner St\u00fccke so\nunverkenntlich, als eben diese Frauenschule, wenn wir die Fabel derselben mit\nder Ausf\u00fchrung vergleichen. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Ein junger Mensch erz\u00e4hlt einem\n42j\u00e4hrigen Hagestolz, es sei ihm gelungen, sich die Liebe eines reizenden\nM\u00e4dchens zu erwerben, das ein alter Eifers\u00fcchtiger eingesperrt halte.\nSchadenfroh muntert jener ihn auf, das Abentheuer zu verfolgen, leiht ihm Geld\ndazu und erf\u00e4hrt zuletzt mit Schrecken, da\u00df dies M\u00e4dchen seine eigne Geliebte\nist. Er benutzt das Zutrauen des J\u00fcnglings, ihn zu hintergehen. Er zwingt das\nM\u00e4dchen diesen mit einem Stein zu werfen: sie thut so, wickelt den Stein in einen\nz\u00e4rtlichen Brief. Der J\u00fcngling vertraut dem Alten, den er immer noch f\u00fcr seinen\nFreund h\u00e4lt, diesen Umstand, und jede Beg\u00fcnstigung, die er erh\u00e4lt, endlich\nsogar, da\u00df er in der n\u00e4chsten Nacht auf einer Strickleiter das Fenster seiner\nGeliebten ersteigen werde. Der Alte l\u00e4\u00dft ihn von seinen Leuten mit Pr\u00fcgeln\nempfangen; er st\u00fcrzt von der Leiter; sie halten ihn f\u00fcr todt, aber inde\u00df sie\nwehklagen, schleicht das M\u00e4dchen zu der vermeinten Leiche, findet ihren\nGeliebten unbesch\u00e4digt, und entflieht mit ihm. Er wei\u00df sie nicht besser\nunterzubringen als bei seinem alten Vertrauten, der sie, ohne von ihr erkannt\nzu werden, in Empfang nimmt, und eben in Triumph aufs Land f\u00fchren will, als \u2013\nihr l\u00e4ngst todtgeglaubter Vater aus Indien zur\u00fcckkommt, und sie mit dem\nGeliebten verheirathet. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Jeder Unbefangene wird gestehen m\u00fcssen,\nda\u00df sich diese ganze Fabel mehr zu einer niedrigen abentheuerlichen Posse\neignet, als zu einem edleren Lustspiel. In R\u00fccksicht auf sie, stand M<i style=\"\">oli\u00e8re<\/i> nicht hoch \u00fcber seinen\nVorg\u00e4ngern: aber wie hat er sie <u>behandelt<\/u>? Alle niedrig komischen\nEreignisse, das Werfen des Steines, das Pr\u00fcgeln u.s.w. gehen nicht auf der\nB\u00fchne vor, sondern werden blos erz\u00e4hlt; nur <u>die<\/u> Scenen <u>sieht<\/u> man,\ndie auf eine edlere Weise komisch gemacht werden k\u00f6nnen: die Instruction, die\nArnulph seiner Braut giebt; sein Erstaunen, sein Schrecken, seine Verzweiflung,\nseinen Triumph, bei den einzelnen Vorf\u00e4llen u.s.w. Ferner: das M\u00e4dchen,\nvorz\u00fcglich aber der Alte selbst, ist zu einem \u00e4u\u00dferst lebendigen, kraftvollen,\nwahren Charaktergem\u00e4lde ausgef\u00fchrt. Ferner: alle die wunderlichen Ereignisse\nsind durch den Charakter Arnulphs <u>motivirt<\/u>. Aus Eitelkeit hat er seinen\nNamen ver\u00e4ndert: daher kann der junge Mensch ihn verkennen. Aus Eigensucht hat\ner Agnes ohne alle Bildung erziehen lassen: daher kann sie so leicht verf\u00fchrt\nwerden. Aus boshafter Schadenfreude, unterst\u00fctzt er den J\u00fcngling zur\nFortsetzung des Abentheuers; aus Hinterlist misbraucht er das Vertrauen\ndesselben; aus D\u00fcnkel glaubt er jeden Augenblick gesiegt zu haben: daher kann\ner in seine eigenen Schlingen verwickelt werden, \u2013 und das Resultat aller\ndieser Z\u00fcge ist, da\u00df er geh\u00e4ssig und ver\u00e4chtlich wird, und der Zuschauer ihm\nsein Schicksal g\u00f6nnt. \u2013 Zuletzt endlich: Moliere schrieb den Dialog in\nregelm\u00e4\u00dfigen Versen, mit einer klassisch richtigen Diktion, und erlaubte sich\nschlechterdings keinen witzigen Einfall, der nicht zugleich ein Charakterzug\nwar. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Man kann das Klassische dieser Behandlung\nnicht verkennen; und wenn man sich erinnert, da\u00df Molierens Vorg\u00e4nger fast nur\nnicht die Idee verrathen, den Vorz\u00fcgen nachzustreben, die er auf eine so\ngl\u00e4nzende Weise erwarb, so f\u00fchlt man sich von der innigsten Bewunderung gegen\nsein Genie durchdrungen. \u201eAber wie kam der Mann, der sich in der Ausf\u00fchrung so\ngro\u00df zeigt, dazu, einen so possenhaften Stoff zu w\u00e4hlen?\u201c Er wu\u00dfte, da\u00df man den\n\u00f6ffentlichen Geschmack nur allm\u00e4lig zur Veredlung leiten kann; da\u00df man ihn nie\ngradezu beleidigen, da\u00df man sich gegen ihn gef\u00e4llig bezeigen mu\u00df, damit er sich\neben so gef\u00e4llig zu den bessern Neuerungen verstehe. Nur der l\u00e4cherliche,\nhoff\u00e4rtige D\u00fcnkel armseliger Geister, die unter ihr Zeitalter herabgesunken\nsind, kann sich einfallen lassen, laut zu verk\u00fcndigen, sie h\u00e4tten sich \u00fcber\ndasselbe emporgeschwungen; kann sich einfallen lassen, ihm imponiren, in Geschmackssachen\nbefehlen, ihm Kunstwerke als sch\u00f6n aufdringen zu wollen, die mit den\nallgemeinen Begriffen von Sch\u00f6nheit im Widerspruch stehen. Wer einer solchen\nInsolenz f\u00e4hig ist, von dem darf man es ohne Weiteres f\u00fcr gewi\u00df annehmen, da\u00df\nseine Neuerungen Erb\u00e4rmlichkeiten sind, auch wirkt er in der Regel am Ende\nnichts, als allgemeines Verlachen seiner Pl\u00e4ne. Das wahre Verdienst ist immer\nbescheiden, und alle Genies, die ihre Zeitgenossen wahrhaft veredelten, wirkten\ndadurch, da\u00df sie Nachgiebigkeit in unbedeutendern Dingen <u>zeigten<\/u>, um\nfreundliche Nachgiebigkeit f\u00fcr wichtigere <u>zu finden<\/u>. \u2013 Weil sein\nPublikum an Possen gew\u00f6hnt war, w\u00e4hlte Moliere eine Posse zum Inhalt: aber er\nmachte aus ihr ein Lustspiel, und seine Zuschauer wurden f\u00fcr diese edlere\nGattung gewonnen. Seine Nachfolger waren gl\u00fccklicher als er: sie fanden den reinern\nGeschmack, den er stiftete, verbreitet; sie konnten ohne Gefahr auch edlere\nStoffe w\u00e4hlen. In der Charakterzeichnung, in der komischen Kraft, hat ihn kein\neinziger erreicht, aber in den Werken der bessern unter ihnen, wird auch kein\nLiebhaber mit Steinen geworfen, oder mit Pr\u00fcgeln von einer Strickleiter\nherabgest\u00fcrzt. \u2013 <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wenn Moliere aber wegen der Wahl seines\nInhalts durch die Lage, in welcher er schrieb, hinl\u00e4nglich entschuldigt wird,\nso ist doch von der andern Seite nicht zu l\u00e4ugnen, da\u00df die Frauenschule durch\nden Contrast des Stoffes mit der Behandlung, einen doppelten Charakter erhalten\nhat, weder wirkliches Lustspiel, noch wirkliche Posse geworden ist. Auf den\nfranz\u00f6sischen B\u00fchnen l\u00e4\u00dft die Ehrfurcht gegen den unsterblichen Dichter diesen\nunreinen Doppelton \u00fcberh\u00f6ren. Man nimmt mit ihm vorlieb, wie mit dem\naltmodischen Mantel, in welchem Arnulph (und in anderen St\u00fccken Sganarelle)\ngespielt wird, inde\u00df alle andre Personen modern gekleidet erscheinen. Er war es\ninde\u00df wohl vorz\u00fcglich, der bis jetzt gehindert hat, da\u00df die Frauenschule, oder\nirgend ein Molierisches St\u00fcck auf der deutschen B\u00fchne bleibendes B\u00fcrgerrecht\nerhielten. Ohne sich Rechenschaft dar\u00fcber zu geben, worin das Zur\u00fccksto\u00dfende eigentlich\nliege, h\u00f6rte man die oft versuchten Uebertragungen ein Paarmal an, und war\nges\u00e4ttigt. Er mu\u00dfte weggeschaft werden, wenn das St\u00fcck gefallen sollte. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Zwei Mittel waren dazu m\u00f6glich. Entweder\nmu\u00dfte man mit der Fabel Ver\u00e4nderungen vornehmen und den Ton beibehalten, \u2013 und\ndas w\u00e4re ohne Zweifel das Beste, aber auch das Schwierigste gewesen; \u2013 oder man\nm\u00fc\u00dfte den Ton zu dem Inhalte herabstimmen, was f\u00fcr den Bearbeiter das\nLeichteste und Unterhaltendste war. \u2013 Ob Kotzebue so r\u00e4sonnirt hat, wei\u00df ich\nnicht, aber sein richtiges Gef\u00fchl lehrte ihn, da\u00df der Contrast notwendig\nweggeschaft werden m\u00fc\u00dfte, und er w\u00e4hlte den zuletzt erw\u00e4hnten Weg dazu. Er\nschrieb seine Uebersetzung in einer Art von Knittelversen, in denen er sich\njede m\u00f6gliche nur nicht unangenehme Freiheit nimmt. Eine Veredlung des\nOriginals ist das nicht, aber eine Berichtigung, durch die das St\u00fcck einen bestimmtern\nCharakter bekam, in welchem es sich auf unsrer B\u00fchne wahrscheinlich erhalten\nwird. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Die Verse der Uebersetzung sind leicht\nund flie\u00dfend, \u2013 wiewohl die Abwechselung ihres Maa\u00dfes nicht \u00fcberall auf den Inhalt\nberechnet ist. Kotzebue hat die witzigen Einf\u00e4lle des Originals mit Naivet\u00e4t\nund gef\u00e4lliger Gewandheit nachgebildet. Nur er war in Deutschland im Stande\neine solche Uebertragung zu leisten, und sie geh\u00f6rt nicht zu seinen geringsten\nliterarischen Verdiensten: inde\u00df ist sie nichts weniger als fehlerlos. Eines\nder gr\u00f6\u00dften Versehen, in das er gerieth, ist, da\u00df er oft was bedeutender\nCharakterzug war, als blo\u00df witzigen Einfall betrachtete, und dadurch verleitet\nwurde, sich seiner Laune zu \u00fcberlassen und die Aeu\u00dferung so zu \u00fcberladen, da\u00df\nsie nicht nur alles Charakteristische f\u00fcr die sprechende Person verlor, sondern\nauch f\u00fcr die Situation, in welcher sie gethan wird, v\u00f6llig unpassend wurde. Ein\neinziges Beispiel wird hinreichen, dieses sichtbar zu machen. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Als Arnolph im zweiten Akte bei dem\nVerh\u00f6r seiner Leute in die gr\u00f6\u00dfte Wut gerathen ist und nur mit \u00e4u\u00dferster M\u00fche\ndie n\u00f6thige Fassung erzwingt, um auch Agnesen (in der Uebersetzung hei\u00dft sie\nSybille,) zu befragen, mu\u00dfte es sehr \u00fcberraschen, ihn sagen zu h\u00f6ren:<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Es war einmal der gro\u00dfe Kaiser<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Augustus <u>m\u00f6rderlich ergrimmt<\/u>;<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Da sprach zu ihm aus Griechenland ein\nWeiser:<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wenn euch der Zorn zuweilen \u00fcbernimmt,<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">So m\u00fc\u00dft ihr flugs, ihm zu gebieten,<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Hersagen euer Alphabet,<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Das wird vor <u>dummen Streichen beh\u00fcten<\/u><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><u><span style=\"font-family: Arial;\">Eure Kaiserliche Majest\u00e4t<\/span><\/u><span style=\"font-family: Arial;\">.<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Das Mittelgen hab ich probiret u.s.w.<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">&nbsp;<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Der Beurtheiler wenigstens erstaunte \u00fcber\ndiese Stelle: denn er erkannte auch nicht einen Zug von Moliere darin. Sie ist\nvoll Fehlern. Einmal: da\u00df August <u>m\u00f6rderlich ergrimmt<\/u> war, ist ein v\u00f6llig\n\u00fcberfl\u00fcssiger Zug, und dergleichen erlaubte Moliere sich nie. Zweitens: dieser\nZug ist schielend und st\u00f6rt die Wirkung des Ganzen, indem er der Erz\u00e4hlung\nUnwahrscheinlichkeit giebt, denn ein m\u00f6rderlich <u>ergrimmter<\/u> Kaiser pflegt\nnicht Rathschl\u00e4ge der Art anzuh\u00f6ren, wenigstens wird kein Weiser eine solche\nZeit zu ihrer Ertheilung w\u00e4hlen. Drittens: die <u>dummen Streiche<\/u> und <u>die\nKaiserliche Majest\u00e4t<\/u> geben der Aeusserung den Anstrich, als wolle Arnulph\netwas Scherzhaftes sagen, und wie k\u00e4me er dazu, er, der eben vor Zorn ersticken\nwill? Einen solchen Fehlgrif zu begehen, w\u00e4re Molieren ganz unm\u00f6glich gewesen.\nSchl\u00e4gt man das Original auf, so wird man folgende Zeilen finden:<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\" lang=\"FR\">Un certain\nGrec disoit \u00e0 la Empereur Auguste<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\" lang=\"FR\">Comme une\ninstruction utile autant que juste,<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\" lang=\"FR\">Que, lorsqu\u2019une\naventure en col\u00e8re nous mer<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\" lang=\"FR\">Nous devons\navant tout, dire notre Alphabet,<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\" lang=\"FR\">Afinque dans\nce tems la bile se temp\u00e9re,<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\" lang=\"FR\">Et qu\u2019on ne\nfasse rien que l\u2019on ne doive faire,<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">J\u2019ai suivi sa le\u00e7on &amp;c.<\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Hier ist, wie man sieht, keiner der\nger\u00fcgten Fehler, kein \u00fcberfl\u00fcssiger, schielender Zug, der die Wirkung des\nGanzen st\u00f6rt; kein Anschein von Spaa\u00dfhaftigkeit. Arnulph erscheint hier als\ndas, was er im ganzen St\u00fcck ist, als ein abgeschmackter Pedant, der sich f\u00fcr\neinen Weltkenner, einen Weisen h\u00e4lt. Da\u00df er den Kaiser August citirt, ist ein\nSeitenst\u00fcck zu jener Scene, in welcher er seine Braut vor sich hinstellt, und\nsie einen Ehestands-Katechismus ablesen l\u00e4\u00dft. Durch den l\u00e4ppischen Ernst, mit\ndem er seine Possen \u00fcbt, belustigt er, nicht durch Sp\u00e4\u00dfe. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Fehler dieser Art sind, wie gesagt, dem\nUebersetzer oft entwischt: sie h\u00e4tten sich ohne M\u00fche wegbringen lassen, wenn er\nein wenig mehr Sorgfalt auf das Ausfeilen gewandt h\u00e4tte. Gl\u00fccklicherweise\nthaten sie der Wirkung des Ganzen wenig Eintrag, denn sie treten nur bei genauerer\nAufmerksamkeit hervor. Das Publikum wurde auf eine sehr geistreiche Weise\nbelustigt: was kann es mehr verlangen. Kotzebue hat der deutschen B\u00fchne ein\nvortreffliches St\u00fcck angeeignet, das vorher f\u00fcr sie nicht da war: h\u00e4tten seine\nFeinde doch nur die H\u00e4lfte eines solchen Verdienstes f\u00fcr sich anzuf\u00fchren! \u2013 <\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; text-indent: 35.45pt; line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Das Publikum wurde geistreich belustigt, <u>obgleich<\/u>\ndie Darstellung nichts weniger als vollendet war. Iffland selbst machte den\nArnulph. Da\u00df er ihn nicht, nach hergebrachter Weise, im Mantel spielte, war\nohne Zweifel sehr einsichtsvoll; da\u00df er immer treffend und sch\u00f6n sprach und\nsehr ausdrucksvoll darstellte, braucht nicht erst gesagt zu werden: aber man\nf\u00fchlte durchaus, da\u00df Er wenigstens noch sehr viel mehr leisten k\u00f6nnte, und\nvermi\u00dfte in seiner Darstellung die komischen Theaterspiele, auf welche so viele\nScenen des St\u00fccks ganz eigentlich berechnet sind, und die auf der franz<i style=\"\">\u00f6sischen<\/i> B\u00fchne so sorgf\u00e4ltig ausgef\u00fchrt\nwerden. Den Auftritt, in welchem Agnes den Ehestands-Katechismus herliest,\ndachte Moliere sich offenbar so, da\u00df Arnolph sich gem\u00e4chlich auf einen\nLehnstuhl niederl\u00e4\u00dft (im Original befiehlt er ausdr\u00fccklich nur Einen Stuhl\nherauszubringen,) das M\u00e4dchen steif vor sich hinstellt und nun mit einer\nPr\u00e4ceptor-Miene seine Lektion anhebt. In dem Auftritt, wo der Notar ihn begr\u00fc\u00dft,\nohne da\u00df er ihn sieht, und die einzelnen Punkte seines Selbstgespr\u00e4chs beantwortet,\nohne da\u00df er ihn h\u00f6rt, geht Arnolph auf den franz\u00f6sischen B\u00fchnen auf und ab und\nmacht Pausen, damit die Antworten passend einfallen k\u00f6nnen. Diese Art der\nDarstellung hat sich in Frankreich erhalten, seitdem Moliere selbst, vor 140\nJahren, die Rolle des Arnolph machte. Ob Iffland vorsetzlich anders spielte,\noder nur weil er von den Mitspielenden schlecht unterst\u00fctzt wurde, wird sich\nbei einer zweiten Vorstellung zeigen. \u2013 Die K\u00fcnstlerin, welche die Sybille\n(Agn\u00e9se) machte, stellt in der Regel die Nachbildungen derselben vortrefflich\ndar: es mu\u00dfte sehr \u00fcberraschen, da\u00df sie das meisterhafte, nie erreichte Vorbild\naller Agnesen, gradehin fallen lie\u00df. Nur im ersten Akte schien es ihr <u>einigerma\u00dfen<\/u>\nErnst, ihre Worte durch ihr Spiel zu unterst\u00fctzen: in allen \u00fcbrigen sahen wir\nnur die reizende, liebensw\u00fcrdige Frau, die sie ausser dem Theater ist; ihre\ngeistvollen Blicke und Minen, alle ihre Bewegungen standen in dem sonderbarsten\nKontrast, mit den naiven Dingen, die sie zu sagen hat: sie las die Maximen \u00fcber\nden Ehestand fast ohne das geringste Bestreben, die Agnese zu markiren.\nVors\u00e4tzlich war dieser Fehlgriff gewi\u00df nicht; wahrscheinlich schlug die Sage,\ndas St\u00fcck solle und m\u00fcsse und werde ausgepocht werden, ihren Eifer nieder, \u2013\naber das h\u00e4tte nicht sein sollen. Ein K\u00fcnstler mu\u00df sich durch nichts in der\nstrengen Ausf\u00fchrung der Aufgabe irren lassen, die er einmal \u00fcbernahm. Sie h\u00e4tte\ndurch ihr Spiel dem St\u00fccke das Schicksal zuziehen k\u00f6nnen, das sie f\u00fcrchtete: es\ntraf nicht ein \u2013 und sie hat das kr\u00e4nkende Bewu\u00dftsein, nicht ihre Pflicht\nerf\u00fcllt zu haben. \u2013 Mdlle. Eigensatz dagegen macht die kleine Rolle der Grethe\n(im Orig. Georgette) in der gr\u00f6\u00dften Vollendung. Kleidung, Gang, Ton der Stimme,\nGeb\u00e4rdenspiel, alles war an ihr \u00e4u\u00dferst charakteristisch, und die sch\u00e4tzbare\nK\u00fcnstlerin hat einen neuen Beweis ihrer ausgezeichneten Talente gegeben. Sie\nist auf dem Wege der wahren, gro\u00dfen Kunst. \u2013 Herr Unzelmann machte den Hans\n(Alain) mit der Trefflichkeit, die man von ihm in Rollen dieser Art gewohnt\nist. H. Schwadke spielte den jungen Willing (Horace) lebhaft und leicht, \u2013 alle\n\u00fcbrige Rollen aber wurden so sehr vernachl\u00e4ssigt, da\u00df es wahrlich sehr\nverschwendete M\u00fche w\u00e4re, nur ein Wort von ihnen zu sagen. \u2013<\/span><\/p>\n\n","pivot":{"theaterveranstaltung_id":947,"zeitung_id":354}}],"zettel":[]},{"id":1125,"theaterstueck_id":267,"veranstaltungsuntertitel":"Die Schule der Frauen","auffuehrungsdatum":"24.03.1803","auffuehrungsort":"NT S1","uhrzeit":"","quelle":"VZ 1803, Nr. 36","zusatzinfo":"[danach: Die Dorfgalla]","bild":null,"rollenfeld":null,"schauspieler_info":null,"datensatz_erstellt_dat":"2005-01-27 15:11:09","datensatz_geaendert_dat":"2005-01-27 15:11:09","datensatz_erstellt_user":4,"datensatz_geaendert_user":4,"rezensionen":[{"id":77,"z_name":"Vossische Zeitung","z_datum":"1803-04-30","z_nummer":"52","z_seite":"","z_autor":"ungez.","z_text":"\n Was dieses Lustspiel anlangt, so scheint es, als wolle es nach und nach von\n dem Nachtfrost sich erholen, der bei seiner ersten Erscheinung darauf\n gefallen ist. 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K. Gerechtigkeit\nwiderfahren lie\u00dfen, haben Sie mit Unparteilichkeit auch ihre Fehler ger\u00fcgt.\nErlauben Sie mir, noch eines Unterlassungsfehlers zu erw\u00e4hnen, den dieser\nDichter begangen hat, und der mir sehr aufgefallen ist. Warum hat er nicht der\nUebersetzung der Frauenschule, die der Mollierischen Critique de l\u2019Ecole des\nfemmes beigef\u00fcgt? Ein passenderes Nachspiel dazu, l\u00e4\u00dft sich nicht denken, und\ndas Publikum h\u00e4tte das Vergn\u00fcgen gehabt, auf der Stelle die sinnreichen\nUrtheile und das geistvolle Benehmen kennen zu lernen, mit denen es an den\nfolgenden Tagen au\u00dfer dem Theater belustigt wurde. Zwar, diese prezi\u00f6se\nClimene, die sich mitten in die Gesellschaft hinsetzt, mit dem gedehntesten,\nlangweiligsten Tone erz\u00e4hlt, da\u00df ihr das St\u00fcck lange Weile gemacht, und in den\nekelhaftesten gemeinsten Phrasen versichert, ihr sei bei den unedlen Ausdr\u00fccken\ndes Dichters \u00fcbel geworden; - dieser Marquis, der sich als einen sehr\nerleuchteten, geschmackvollen Kopf zu zeigen glaubt, wenn er alles verachtet,\nder keinen andern Grund anzugeben wei\u00df, warum das St\u00fcck schlecht ist, als weil\nes abscheulich sei, und die Abscheulichkeit durch die Versicherung beweist, da\u00df\nes entsetzlich ist, endlich aber seinen Gegner durch Singen zum Stillschweigen\nbringen will; - dieser verungl\u00fcckte Poet, der die Geschmacklosigkeit des\nPublikums dadurch aufs B\u00fcndigste beweist, da\u00df es an den St\u00fccken Molieres\nGefallen findet, inde\u00df es seine nicht ansehen mag u. s. w. \u2013 man w\u00fcrde geglaubt\nhaben, K. h\u00e4tte lauter lebende Glanzsterne unsrer eleganten Welt portraitirt:\naber desto \u00fcberraschender w\u00e4re es gewesen, durch einen Blick in das Original zu\nerfahren, da\u00df keine Gattung von Wesen ausstirbt, da\u00df jeder Sommer grade eben\nsolche Gesch\u00f6pfe ausbr\u00fctet, als alle vorhergehende, und da\u00df die Grillen vor\nhundert und f\u00fcnfzig Jahren vollkommen so lieblich gesungen haben, als jetzt.\nIhre u. s. w. D. - r.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: 150%;\"><span style=\"font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\"><o:p>&nbsp;<\/o:p><\/span><\/p>\n\n","pivot":{"theaterveranstaltung_id":1163,"zeitung_id":262}}],"zettel":[]},{"id":1246,"theaterstueck_id":267,"veranstaltungsuntertitel":"Die Schule der Frauen","auffuehrungsdatum":"21.06.1803","auffuehrungsort":"NT S1","uhrzeit":"","quelle":"VZ 1803, Nr. 74","zusatzinfo":"[danach: Die Lustbarkeiten im Wirthsgarten]","bild":null,"rollenfeld":null,"schauspieler_info":null,"datensatz_erstellt_dat":"2005-03-03 15:49:25","datensatz_geaendert_dat":"2005-03-03 15:49:25","datensatz_erstellt_user":4,"datensatz_geaendert_user":4,"rezensionen":[],"zettel":[]}]}}