
{"meta":{"meta-title":"Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatengl\u00fcck > Nationaltheater von A-Z","meta-description":"Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatengl\u00fcck > Nationaltheater von A-Z","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater\/theaterstueck\/447","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/nationaltheater\/theaterstueck\/447","zitat":{"bereich":"Nationaltheater","bearbeitet":" (bearbeitet von Klaus Gerlach)","titel":"Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatengl\u00fcck"},"breadcrumb":[{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater","text":"Nationaltheater"},{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/nationaltheater\/theaterstueck\/447","text":"Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatengl\u00fcck"}]},"data":{"id":447,"veranstaltungstitel":"Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatengl\u00fcck","veranstaltungsart_id":2,"kommentar":null,"art":{"id":2,"theaterveranstaltungsart":"Lustspiel"},"personen":[{"id":6163,"bkperson_id":766,"regberuf_id":2,"updated_at":null,"pivot":{"theaterstueck_id":447,"bkperson_regberuf_id":6163},"person":{"id":766,"bknachname":"Lessing","bkvorname":"Gotthold Ephraim","bkgeschlecht":"m","fm_personen_id":"000375","lexname":null},"beruf":{"id":2,"regberuf":"autom_Autor"}}],"veranstaltungen":[{"id":8638,"theaterstueck_id":447,"veranstaltungsuntertitel":"Minna von Barnhelm","auffuehrungsdatum":"21.04.1797","auffuehrungsort":"NT","uhrzeit":"","quelle":"JTK 1797, 2\/II, S. 157","zusatzinfo":"Letze Rolle des Hrn. Lippert, welcher auch als Riccault de la Marliniere, herausgerufen ward.","bild":null,"rollenfeld":null,"schauspieler_info":null,"datensatz_erstellt_dat":"2016-06-07 18:31:50","datensatz_geaendert_dat":"2016-06-07 18:31:50","datensatz_erstellt_user":4,"datensatz_geaendert_user":4,"rezensionen":[{"id":369,"z_name":"Berlininische Dramaturgie","z_datum":"1797-09-20","z_nummer":"11","z_seite":"168-176","z_autor":"ungez.","z_text":"<!--[if gte mso 9]><xml>\n <w:WordDocument>\n  <w:View>Normal<\/w:View>\n  <w:Zoom>0<\/w:Zoom>\n  <w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone>\n  <w:PunctuationKerning\/>\n  <w:ValidateAgainstSchemas\/>\n  <w:SaveIfXMLInvalid>false<\/w:SaveIfXMLInvalid>\n  <w:IgnoreMixedContent>false<\/w:IgnoreMixedContent>\n  <w:AlwaysShowPlaceholderText>false<\/w:AlwaysShowPlaceholderText>\n  <w:Compatibility>\n   <w:BreakWrappedTables\/>\n   <w:SnapToGridInCell\/>\n   <w:WrapTextWithPunct\/>\n   <w:UseAsianBreakRules\/>\n   <w:DontGrowAutofit\/>\n  <\/w:Compatibility>\n  <w:BrowserLevel>MicrosoftInternetExplorer4<\/w:BrowserLevel>\n <\/w:WordDocument>\n<\/xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml>\n <w:LatentStyles DefLockedState=\"false\" LatentStyleCount=\"156\">\n <\/w:LatentStyles>\n<\/xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]>\n<style>\n \/* Style Definitions *\/\n table.MsoNormalTable\n\t{mso-style-name:\"Normale Tabelle\";\n\tmso-tstyle-rowband-size:0;\n\tmso-tstyle-colband-size:0;\n\tmso-style-noshow:yes;\n\tmso-style-parent:\"\";\n\tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;\n\tmso-para-margin:0cm;\n\tmso-para-margin-bottom:.0001pt;\n\tmso-pagination:widow-orphan;\n\tfont-size:10.0pt;\n\tfont-family:\"Times New Roman\";\n\tmso-ansi-language:#0400;\n\tmso-fareast-language:#0400;\n\tmso-bidi-language:#0400;}\n<\/style>\n<![endif]-->\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Am 21sten April wurde gegeben Minna\nvon Barnhelm. Es gereicht den verschiedenen Direktoren des Nationaltheaters,\ndie seit einigen Jahren demselben vorgestanden haben, zum gro\u00dfen Lobe, da\u00df sie\ndies vortrefliche St\u00fcck des unsterblichen Lessing nie bei Seite legten, sondern\nes von Zeit zu Zeit, wenn gleich f\u00fcr unsern Geschmack noch lange nicht oft\ngenug, auf die B\u00fchne brachten. Und es freut uns, da\u00df noch ein ansehnlicher\nTheil des Publikums von echter, prunkloser Sch\u00f6nheit, von Karakteren, die sich\nso sanft und so nat\u00fcrlich an einander entwickeln, und von ruhig\nfortschreitender Handlung ohne Theatercoups und ohne gewaltsame Situationen,\nmit einem Worte, von Minna von Barnhelm angezogen wird. Wir w\u00fcrden einen\nHochverrath gegen unsre Leser zu begehen glauben, wenn wir sie noch mit dem\nInhalte dieses Lessingschen, fast noch immer so einzig dastehenden Lustspiels\nund dessen vorz\u00fcglichsten Sch\u00f6nheiten bekannt machen wollten. Unsre Empfindung\nbei Lesung oder bei Ansicht desselben ist immer die alte und doch immer neu;\nimmer wiederhohlen wir uns, nur fast noch inniger, was wir sonst und vor vielen\nJahren davon sagten. \u201eEs erg\u00f6tzt und r\u00fchrt, es erheitert und entlockt Thr\u00e4nen,\nes zieht unser ganzes Interesse an sich und alles so nat\u00fcrlich, so ohne Zwang,\nda\u00df wir, ohne es selbst gewahr zu werden, uns nach und nach in dem namenlosen\nZauber verstrickt f\u00fchlen, der um das ganze Gem\u00e4hlde schwebt. Wir machen\nFreundschaft mit dem treflichen Telheim, mit der feurig liebenden Minna, mit\ndem ehrlichen Werner und mit der guten, muthwilligen Franziska, wir befinden\nuns in ihrer Gesellschaft so wohl und wir scheiden zulezt von ihnen, wie man\nvon alten Bekannten scheidet, befriedigt durch ihren Umgang, aber voll\nSehnsucht, sie bald wieder zu sehen.\u201c\n\n<\/p><p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Ohne Tugend-Muster aufzustellen,\ndie au\u00dfer der Sph\u00e4re des Menschen liegen und nirgends zu Hause sind, als in den\n\u00fcberwarmen K\u00f6pfen junger Dichter oder auf den Studierstuben kaltbl\u00fcthiger\nSchulgelehrten f\u00fchrt uns der Verfasser beinahe an die Gr\u00e4nze der\nVollkommenheit, welche der menschlichen Tugend zu erreichen m\u00f6glich ist. Die\nTugend seiner Helden und Heldinnen ist keine abstrakte Tugend, die blos aus der\nVernunft entspringt und aus eben dieser Quelle ihre Nahrung zieht, - nein, sie\nk\u00f6mmt unmittelbar aus dem Herzen und h\u00e4ngt immer mit gewissen kleinen Schw\u00e4chen\nund Leidenschaften zusammen, durch welche sie unterst\u00fctzt und gehalten wird.\nBei Telheim ist diese Schw\u00e4che das Point d'honneur, bei Minna verliebter Eigensinn\nund beim alten Werner Liebe zum Soldatenstande und eine geheime Abneigung gegen\ndie sogenannte ordentliche haush\u00e4lterische Lebensart. Und wie verschieden\n\u00e4u\u00dfert sich nicht der Karakter m\u00e4nnlicher und weiblicher G\u00fcte in den Karakteren\nder beiden Hauptpersonen. Bei Telheim ist sie mit einem starken Anstrich von\nTrotz gemischt, wie es immer bei einem Mann von Kraft und Bedeutung zu\ngeschehen pflegt, den das Ungl\u00fcck verfolgt, dessen Karakter aber schon gebildet\nund folglich zu spr\u00f6de ist, um in eine neue, durch sein ung\u00fcnstiges Verh\u00e4ltni\u00df\nbestimmte Form zusammen zu kriechen. In Telheims Lage h\u00e4tte der Schwachkopf all\nsein bischen Stolz verlohren; Telheims Stolz w\u00e4chst mit seinem Ungl\u00fcck; jener\nh\u00e4tte ge\u00e4chzt und geklagt, dieser schweigt oder murrt, jener h\u00e4tte sich unter\nMenschen geschmiegt und ihnen geschmeichelt, dieser f\u00e4ngt an sie zu hassen und\nw\u00fcrde sie vielleicht schon hassen, wenn nicht das Bewu\u00dftsein einen Werner um\nsich, und die Erinnerung einst eine Minna gefunden zu haben, ihn vor dieser\nVerirrung bewahrt h\u00e4tte. Auch ist Minna ganz dazu gemacht jeden zu bekehren,\nder an weiblicher Vortreflichkeit zweifelt. Inde\u00df k\u00f6nnen wir die Empfindung\nnicht unterdr\u00fccken, da\u00df die Spielerei mit dem Ringe fast zu weit getrieben\nscheint und da\u00df der verstellte Ernst, den Minna annimmt, da sie den Telheim\nihren eigenen Ring giebt und ihm glaubend macht, da\u00df es der seinige sei, zu\nlange auf Kosten des raschen Gangs der Handlung und, wir m\u00f6chten hinzusetzen,\nder Wahrscheinlichkeit anh\u00e4lt. Zwar wird dadurch die neckische Laune und der\nverliebte Eigensinn, womit Lessing seine Minna ausstatten wollte, treffend\nkarakterisirt, aber uns d\u00fcnkt ein wenig zu sehr auf Kosten ihrer \u00fcbrigen\nEigenschaften, ihrer hohen Achtung f\u00fcr Telheim und ihrer gl\u00fchenden Liebe zu\nihm.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Die Darstellung dieses St\u00fccks auf\nunsrer B\u00fchne hat uns schon oft ein Geist und Herz erhebendes Vergn\u00fcgen gemacht\nund wir gestehen gern, da\u00df wir, ganz hingenommen von so vielen Sch\u00f6nheiten,\nselten Aug' und Ohr f\u00fcr einzelne M\u00e4ngel hatten. Und wer m\u00f6chte wohl seine\nEmpfindungen durch Krittelei unterbrechen oder gar zerst\u00f6ren?<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Auch die diesmalige Darstellung\nrief, obgleich eine und die andere Rolle nicht so gut wie ehemals besezt war,\ndie schon oft in uns aufgeregten sch\u00f6nen Gef\u00fchle zur\u00fcck. Wir sollten nichts von\nder gelungensten Darstellung der Minna durch Madame Unzelmann sagen, denn wir\nwerden ihrer nichts w\u00fcrdiges sagen k\u00f6nnen. Eine einzige Darstellung dieser Art\nentsch\u00e4digt f\u00fcr all das gew\u00f6hnliche und mittelm\u00e4\u00dfige, was man leider! noch oft\ngenug auf der B\u00fchne ansehen und ertragen mu\u00df. Hier vergi\u00dft man, da\u00df das\nSchauspiel, Schauspiel ist, hier glauben wir mit dem gebildetesten, feinsten,\nbesten weiblichen Gesch\u00f6pf in einer Gesellschaft zu sein, erg\u00f6tzen uns an ihrer\nLaune, an ihrem Witz, an ihren kleinen Neckereien, werden angezogen von ihrer\nhimmlischen G\u00fcte, und interessiren uns f\u00fcr ihre Leidenschaft, die sie, zu\nnat\u00fcrlich, zu offen um sie einen Augenblick verbergen zu k\u00f6nnen, mit so viel\nSittlichkeit, W\u00e4rme und Karakter f\u00fcr einen schon erw\u00e4hlten Gl\u00fccklichen \u00e4u\u00dfert,\nda\u00df wir, bei dem erh\u00f6htesten, lebhaftesten Interesse f\u00fcr sie, doch keine andern\nAnspr\u00fcche als die der Freundschaft an sie zu wagen das Herz haben.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Eine Schauspielerin, welche die\nMinna nur gut spielt, darf sicher schon auf einen Rang unter den guten\nSchauspielerinnen Anspruch machen, und welchen darf sie forden, die sie so\nvortreflich, so nahe dem Ideal darstellt! Diese Rolle ist ein wahrer\nProbierstein, woran man den blo\u00dfen Handwerker von dem echten, sinnvollen\nK\u00fcnstler, den falschen von dem wahren Geschmak, Nat\u00fcrlichkeit von zunftm\u00e4\u00dfiger\nRutine, den feinen Ton der Welt von Theatermanieren, eine Unzelmann von\ngew\u00f6hnlichen Aktrizen unterscheiden kann.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Ohne \u00fcbrigens den weitumfassenden\nTalenten der Madame Unzelmann irgend etwas abzusprechen, glauben wir behaupten\nzu d\u00fcrfen, da\u00df Rollen dieser Art diejenigen sind, womit ihre Individualit\u00e4t am\nmeisten \u00fcbereinstimmt und wof\u00fcr sie selbst, wenn wir uns nicht ganz irren,\nentschiedene Pr\u00e4dilektion hat. Und vorz\u00fcglich ist es Minna, die sie immer ganz\ncon amore zu spielen scheint. Wohl der K\u00fcnstlerinn, die, indem sie so der\nsch\u00f6nsten Sch\u00f6pfung des gro\u00dfen Abgeschiedenen huldigt, ihren guten Geschmak\nselbst so untr\u00fcglich pronunzirt!<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Es w\u00e4re, wir gestehen es\naufrichtig, eine zu schwere Aufgabe f\u00fcr uns, wenn man eine genaue Entwickelung\nder Darstellung der Madame Unzelmann und eine Aufl\u00f6sung des Ganzen in seinen\neinzelnen Sch\u00f6nheiten fordern wollte. Jedermann, der sich nur einigerma\u00dfen mit\nGegenst\u00e4nden dieser Art besch\u00e4ftigt hat, wird empfunden haben, wie schwer es\nist, bei einem transitorischen Kunstwerke nie den Blick \u00fcber das Ganze zu\nverlieren und zugleich die Aufmerksamkeit auf alles Einzelne zu heften. Und vor\nallen andern schwer, fast unm\u00f6glich ist dies bei einer gelungenen Darstellung\nder Minna, wo der wesentlichste Reiz in der Mannigfaltigkeit seiner Wendungen,\ndem Reichthum und dem schnellen Wechsel so vieler kleinen N\u00fcanzen besteht und\ndie doch alle eine gewisse Einheit, wodurch Minna karakterisirt wird, haben\nm\u00fcssen. Eben diese Einheit, besonders die Einheit des Accents in der\nDeklamation ist es, die wir nie in der Darstellung der Madame Unzelmann\nvermi\u00dften; bei dem gr\u00f6\u00dften Reichthum an Ideen, Wendungen und N\u00fcanzen war diese\nEinheit gleichsam der Kreis, den sie nie \u00fcberschritten; in keinem Augenblick\nh\u00f6rte Madame Unzelmann auf Minna, nur Minna zu sein.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\">&nbsp;<\/p>\n\n","pivot":{"theaterveranstaltung_id":8638,"zeitung_id":369}},{"id":370,"z_name":"Berlininische Dramaturgie","z_datum":"1797-10-05","z_nummer":"12","z_seite":"177-185","z_autor":"ungez.","z_text":"<!--[if gte mso 9]><xml>\n <w:WordDocument>\n  <w:View>Normal<\/w:View>\n  <w:Zoom>0<\/w:Zoom>\n  <w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone>\n  <w:PunctuationKerning\/>\n  <w:ValidateAgainstSchemas\/>\n  <w:SaveIfXMLInvalid>false<\/w:SaveIfXMLInvalid>\n  <w:IgnoreMixedContent>false<\/w:IgnoreMixedContent>\n  <w:AlwaysShowPlaceholderText>false<\/w:AlwaysShowPlaceholderText>\n  <w:Compatibility>\n   <w:BreakWrappedTables\/>\n   <w:SnapToGridInCell\/>\n   <w:WrapTextWithPunct\/>\n   <w:UseAsianBreakRules\/>\n   <w:DontGrowAutofit\/>\n  <\/w:Compatibility>\n  <w:BrowserLevel>MicrosoftInternetExplorer4<\/w:BrowserLevel>\n <\/w:WordDocument>\n<\/xml><![endif]--><!--[if gte mso 9]><xml>\n <w:LatentStyles DefLockedState=\"false\" LatentStyleCount=\"156\">\n <\/w:LatentStyles>\n<\/xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]>\n<style>\n \/* Style Definitions *\/\n table.MsoNormalTable\n\t{mso-style-name:\"Normale Tabelle\";\n\tmso-tstyle-rowband-size:0;\n\tmso-tstyle-colband-size:0;\n\tmso-style-noshow:yes;\n\tmso-style-parent:\"\";\n\tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;\n\tmso-para-margin:0cm;\n\tmso-para-margin-bottom:.0001pt;\n\tmso-pagination:widow-orphan;\n\tfont-size:10.0pt;\n\tfont-family:\"Times New Roman\";\n\tmso-ansi-language:#0400;\n\tmso-fareast-language:#0400;\n\tmso-bidi-language:#0400;}\n<\/style>\n<![endif]-->\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Diese Einheit, von der wir im\nvorigen Blatt redeten, giebt der Darstellung der Madame Unzelmann eine solche\nkarakteristische Wahrheit, die wenn wir ein durchaus gebildetes Publikum\nh\u00e4tten, in ihren kleinsten Z\u00fcgen jene echten Huldigungen des Beifalls erhalten\nm\u00fc\u00dfte, die nur der Wiederhall des augenblicklichen Eindrucks sind. Aber an\nnichts darbt die Masse des Publikums so sehr, als an richtiger Kenntni\u00df der\nWahrheit einer Darstellung, sie will fast nur immer ergriffen, gepakt,\nkonvulsivisch ersch\u00fcttert seyn, gleichviel, ob Minna oder Medea, Telheim oder\nCarl Moor an der Tagesordnung steht.\n\n<\/p><p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Diese den Schauspielern nur zu bekannte\nStimmung des gro\u00dfen Haufens verleitet oft so manchen, die Wahrheit aufzuopfern,\num das laute Ger\u00e4usch des Beifalls hinter sich her ert\u00f6nen zu h\u00f6ren. Madame\nUnzelmann ist von dieser S\u00fcnde ganz frei, und obgleich es manche Leute giebt,\ndie ihre Minna mehr loben, und Bravo \u00fcber Bravo ausrufen w\u00fcrden, wenn es ihr\nbelieben wollte, eine Elfride daraus zu machen, so tr\u00e4gt sie doch, diesen zu\ngefallen, die Farben nicht st\u00e4rker auf, sobald die Harmonie des Ganzen darunter\nleiden, hebt keinen einzigen Zug st\u00e4rker heraus, sobald die sch\u00f6ne Einheit\ndadurch zerst\u00f6rt w\u00fcrde; und dies beweiset mehr als alles ihren K\u00fcnstlerwerth.\n\u201eDie Einheit des Accents zu empfinden, sagt Diderot, ist des Schauspielers\nWerk. Das ist die Arbeit seines ganzen Lebens. Fehlt ihm dies Gef\u00fchl, so wird\nsein Spiel bald schwach, bald \u00fcbertrieben, selten richtig, Stellenweise gut,\nund im Ganzen zusammen schlecht seyn. Wenn sich die Sucht, beklatscht zu\nwerden, eines Schauspielers bemeistert, so \u00fcbertreibt er. Das Fehlerhafte\nseiner Aktion steckt die Aktion der andern an. Es ist keine Einheit mehr in der\nDeklamation seiner Rolle. Es ist keine mehr in der Deklamation des St\u00fccks. Und\nbald erblicke ich auf der Scene weiter nichts als eine l\u00e4rmende Versammlung, in\nder jeder den Ton h\u00e4lt, der ihm beliebt; ich fange an, Langeweile zu haben;\nmeine H\u00e4nde fassen von selbst nach den Ohren, und ich mache mich davon.\u201c<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Aber diese der Wahrheit so\nsch\u00e4dliche Sucht der Schauspieler nach lauten Beifall ist leider so alt, und\nwird von so manchen kleinlichen Leidenschaften t\u00e4glich so gen\u00e4hrt, da\u00df auch oft\nder bessere Schauspieler wider seinen Willen in dem allgemeinen Strom mit\nfortgerissen wird. Demohngeachtet mu\u00df man nicht aufh\u00f6ren, das Tadelnsw\u00fcrdige zu\ntadeln, so lange noch nicht der letzte Schimmer von Hoffnung zur Besserung\nverschwunden ist. Unsere heutigen Schauspieler, die so sehr darauf pochen,\nbesser als ihre Vorg\u00e4nger zu seyn, und so manche Fehler, die jenen anklebten,\nabgelegt zu haben, sollten endlich auch diesen, der in seinen Folgen schlimmer\nals alle \u00fcbrigen ist, abzulegen, und, statt sich zu dem Geschmack des gro\u00dfen\nHaufens herabzulassen, ihn zu sich hinauf zu erheben suchen. Auch Lessing\nklagte schon, wie Diderot, \u00fcber diese \u00fcbel angebrachte Sucht nach lautem\nBeifall. Wir f\u00fchren das, was er sagt, um so lieber an, da es noch so ganz auf\nunsre Zeit pa\u00dft, und da die Stimme des Corypheen der dramatischen Kunst den\nSchauspielern allerdings allgemein g\u00fcltiger als die unsrige seyn mu\u00df.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">\u201eEs k\u00f6nnte leicht seyn, sagt er,\nda\u00df sich unsre Schauspieler bei der M\u00e4\u00dfigung, zu der sie die Kunst, selbst in\nden heftigsten Leidenschaften, verbindet, in Ansehung des Beifalls nicht\nallzuwohl befinden d\u00fcrften. Aber welches Beifalls? \u2014 Die Gallerie ist freilich\nein gro\u00dfer Liebhaber des L\u00e4rmenden und Tobenden, und selten wird sie ermangeln,\neine gute Lunge mit lauten H\u00e4nden zu erwidern. Auch das deutsche Parterr ist\nnoch so ziemlich von diesem Geschmack, und es giebt Akteurs, die schlau genug\nvon diesem Geschmack Vortheil zu ziehen wissen. Der Schl\u00e4frigste rafft sich\ngegen das Ende der Scene, wenn er abgehen soll, zusammen, erhebt auf einmal die\nStimmen, und \u00fcberladet die Aktion, ohne zu \u00fcberlegen, ob der Sinn seiner Rede\ndiese h\u00f6here Anstrengung auch erfordere. Nicht selten widerspricht sie sogar\nder Verfassung, mit der er abgehen soll; aber was thut das ihm? Genug, da\u00df er\ndas Parterr dadurch erinnert hat, aufmerksam auf ihn zu seyn, und, wenn es die\nG\u00fcte haben will, ihm nachzuklatschen. Nachzischen sollte es ihm! Doch leider\nist es theils nicht Kenner genug, theils zu gutherzig, und nimmt die Begierde,\nihm gefallen zu wollen, f\u00fcr die That.\u201c \u2014 \u2014<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Man verzeihe uns diese\nAbschweifung, die vielleicht vergebens, aber \u00fcberall am rechten Orte steht. \u2014<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Die Rollen des Telheim und des\nWerner wurden heute, erstere besser, und letztere minder gut als sonst,\ndargestellt, aber demohngeachtet war der heutige Werner des Herrn Unzelmann\nnoch immer ein sehr guter Werner, und der Telheim des Herrn Fleck noch bei\nweitem nicht Lessings Telheim. Wahrscheinlich war Krankheit die Ursache, da\u00df\nHerr Unzelmann heute seinen Werner nicht so vortreflich, wie wir diese und\n\u00e4hnliche Rollen von ihm zu sehen gewohnt sind, darstellte, weil er bald darauf\nin eine Krankheit verfiel, die ihn mehrere Wochen von der B\u00fchne entfernte. Es\nw\u00fcrde daher ungerecht seyn, eine gewisse Mattigkeit und einige Nachl\u00e4ssigkeiten\nzu r\u00fcgen, wovon seine Darstellung dieser Rolle, die er, unsers Erachtens, auf\njeder B\u00fchne mit dem allgemeinsten Beifall spielen mu\u00df, sonst frei war.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Herr Fleck sagte heute mehrere\nStellen mit dem w\u00e4rmsten, herzlichsten Gef\u00fchl, mani<i style=\"mso-bidi-font-style:\nnormal\">r<\/i>irte weit weniger als in seinen fr\u00fchern Darstellungen dieser\nRolle, und deklamirte \u00fcberhaupt mit der ihm eignen Leichtigkeit und mit alle\ndem Zauber, dessen sein sch\u00f6nes Sprachorgan f\u00e4hig ist; abgerechnet, da\u00df er oft\nzu leise sprach, und nicht blos manche Worte am Ende einer Rede, sondern ganze\nS\u00e4tze fast unh\u00f6rbar fallen lie\u00df, S\u00e4tze, die eher herausgehoben oder wenigstens\nvollkommen verst\u00e4ndlich gesagt werden mu\u00dften, da sie oft wesentlich zur\nKarakteristik der Rolle geh\u00f6rten, wor\u00fcber der Zuh\u00f6rer aufgekl\u00e4rt werden soll,\noder doch Sch\u00f6nheiten enthielten, deren Entziehung ein Verlust ist. Aber im\nGanzen denken wir uns den Telheim anders, als er ihn gab. Der Mann, der mit\nseinem Schicksal k\u00e4mpft, und gr\u00f6\u00dfer ist als sein Schicksal, mu\u00df, die Stelle,\nworauf er steht, die Verh\u00e4ltnisse, die ihn umgeben, m\u00f6gen seyn wie sie wollen,\nwichtig oder unwichtig, dieser Mann mu\u00df in der Darstellung auf der B\u00fchne immer\neine hohe Bedeutsamkeit, gleich frei von Ostentation und preti\u00f6sen Stolz als\nvom plumpen Trotz eines vierschr\u00f6tigen ehrlichen Haudegems an sich haben. Und\nder Mann, den Minna liebt, nicht blos hochachtet, darf zwar nichts weniger als\nmoderner Elegant seyn, aber ein freier, edler Anstand und eine gewisse Politur\nin seinem \u00c4u\u00dfern darf durchaus nicht bei ihm vermi\u00dft werden, oder wir begreifen\nalles, nur nicht Minnas Geschmack. \u2014<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Ein wenig mehr schlichte Natur in\nder Deklamation, und Herrn Kaselitz Just ist, wie wir ihn nur w\u00fcnschen k\u00f6nnen.\nEhrlichkeit, gerader Sinn, gl\u00e4ubige Anh\u00e4nglichkeit an den Tugenden und Weisen\nder sogenannten unverdorbenen aber ungebildeten Menschenklasse, d\u00fcrften wohl\nschwerlich von irgend jemand so wahr und treu dargestellt werden, als von\ndiesem so \u00e4u\u00dferst brauchbaren Schauspieler.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Der Wirth ist eine der besten\nRollen des Herrn Reinwald, ein lebendiges Bild jener immer gesch\u00e4ftigen\nkomplimentenreichen Gesch\u00f6pfe, die aber schon eine gewisse Habituit\u00e4t besitzen,\nihre G\u00e4ste nach dem Maa\u00df ihres Reichthums und ihrer scheinbaren Wichtigkeit zu\nbehandeln, ohne alle \u00dcbertreibung und doch von treffender Komik.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Madame Schwadke, welche die Franziska\nspielt, soll eine Frau seyn, der es an Kopf und Einsicht gar nicht fehlt. Von\nKindheit an beim Theater fehlt es ihr auch nicht an Rutine; nur ihre Sprache\nlegt ihr gro\u00dfe Schwierigkeiten in den Weg; sie ist momoton und unverst\u00e4ndlich.\nMit diesen Fehlern kann ihr ihre Franziska nicht vollkommen gelingen.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">Herr Lippert nahm heute in der\nRolle des Riccant, die er immer mit gro\u00dfem, verdientem Beifall gespielt hat,\nAbschied von unsrer B\u00fchne; er wurde am Ende der Vorstellung hervorgerufen,\nhielt eine kleine Anrede, worin er dem Publikum viel schmeichelhaftes sagte,\nund zum Lebewohl t\u00fcchtig beklatscht wurde.<\/p>\n\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height:150%\">&nbsp;<\/p>\n\n","pivot":{"theaterveranstaltung_id":8638,"zeitung_id":370}}],"zettel":[]},{"id":8874,"theaterstueck_id":447,"veranstaltungsuntertitel":"Minna von Barnhelm","auffuehrungsdatum":"11.06.1797","auffuehrungsort":"NT","uhrzeit":"","quelle":"JTK 1797, 3\/I, S. 88","zusatzinfo":"","bild":null,"rollenfeld":null,"schauspieler_info":null,"datensatz_erstellt_dat":"2016-05-24 16:34:03","datensatz_geaendert_dat":"2016-05-24 16:34:03","datensatz_erstellt_user":4,"datensatz_geaendert_user":4,"rezensionen":[],"zettel":[]},{"id":6618,"theaterstueck_id":447,"veranstaltungsuntertitel":"Minna von Barnhelm, L. in 5. 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September wird gegeben: Das Portrait der Erbin, Lustspiel in 3 Akten. Hierauf: Das Hausgesinde, kom. Singspiel in 1 Akt. Dienstag den 1. Oktober wird im K\u00f6niglichen Opernhause aufgef\u00fchrt: Iphigenia in Tauris, gro\u00dfe Oper mit Ballets in 4 Akten. Demoiselle Fischer: Iphigenia. Einla\u00df-Billets zu den bekannten Preisen, sind bei dem Herrn Kastellan D\u00f6lz im Opernhause zu haben","bild":null,"rollenfeld":"Hr. Bethmann<br>\nMad. Bethmann<br>\nHr. Labes<br>\nMad. Eunike<br>\nHr. Kaselitz<br>\nHr. Unzelmann<br>\nHr. Reinwald<br>\nMad. Herdt<br>\nHr. Bessel<br>\nHr. Beschort<br>\nHr. Benda<br>\nHr. 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Beym Kastelan Herrn Leist ist zu haben: \"Kost\u00fcme auf dem K\u00f6nigl. National- Theater, 1stes bis 21stes Heft.\" Jedes Heft 2 Rthlr. 12 Gr. ","bild":null,"rollenfeld":"Hr. Bethmann<br>\nMad. Bethmann<br>\nHr. Labes<br>\nMad. Eunike<br>\nHr. Kaselitz<br>\nHr. Unzelmann<br>\nHr. Reinwald<br>\nMad. Herdt<br>\nHr. Bessel<br>\nHr. Beschort<br>\nHr. Benda<br>\nHr. R\u00fcthling S.<br>\n","schauspieler_info":"","datensatz_erstellt_dat":"2008-09-02 16:59:40","datensatz_geaendert_dat":"2008-09-02 16:59:40","datensatz_erstellt_user":4,"datensatz_geaendert_user":4,"rezensionen":[],"zettel":[{"id":1857,"created_at":"2022-05-31T11:40:55.000000Z","updated_at":"2022-05-31T11:40:55.000000Z","datum":"1811-12-26","file":"SBB_IIIA_yp_4824_2100_18111226_350.jpg","pivot":{"theaterveranstaltung_id":4091,"theaterzettel_id":1857}}]},{"id":5404,"theaterstueck_id":447,"veranstaltungsuntertitel":"Minna von Barnhelm, oder: Das Soldatengl\u00fcck. 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