
{"meta":{"meta-title":"Christian Friedrich Ludwig Mursinna < Personen","meta-description":"Christian Friedrich Ludwig Mursinna < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/3912","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/3912","zitat":{"bereich":"Person","bearbeitet":"","titel":"Christian Friedrich Ludwig Mursinna"},"count":{"lebensdaten":10,"namensformen":0,"genealogie":1,"biographie":1,"werke":1,"berlinaufenthalte":0,"register":3,"quellen":0},"translations":"personen","breadcrumb":[{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen","text":"Personen"},{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/3912","text":"Christian Friedrich Ludwig Mursinna"}]},"data":{"id":3912,"zusatz_id":3912,"meta":{"meta-title":"Christian Friedrich Ludwig Mursinna < Personen","meta-description":"Christian Friedrich Ludwig Mursinna < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/3912","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/3912"},"title":"Christian Friedrich Ludwig Mursinna","nachname":"Mursinna","vorname":"Christian Friedrich Ludwig","lexikal-name":null,"titel":"","adelstitel":"","adelspraedikat":"","geburtsdatum":"17.12.1744","geburtsort":"Stolp \/ Hinterpommern","geburtsland":null,"staatsangehoerigkeit":"","geschlecht":"m\u00e4nnlich","konfession":"","sterbedatum":"18.05.1823","sterbeort":"Berlin","sterbeland":null,"berufe":["Arzt","Chirurg","Augenarzt"],"vereine":[" <a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/geselligkeit\/4\" class=\"link-hover text-primary\">Gesellschaft der Freunde der Humanit\u00e4t (Humanit\u00e4tsgesellschaft) (gegr\u00fcndet: 10.01.1797 aufgel\u00f6st: 28.12.1861)<\/a>"," <a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/geselligkeit\/68\" class=\"link-hover text-primary\">Gesellschaft f\u00fcr Natur- und Heilkunde (Gesell. f\u00fcr Erd-, Heil- und Naturkunde) (gegr\u00fcndet: 06.02.1810)<\/a>"],"bekanntschaften":["<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/920\" class=\"link-hover text-primary\">Johann Christian Friedrich Voitus (Wundarzt)<\/a>"],"dynastie":null,"geburtsname":null,"gebadelspraedikat":"","gebtitel":"","geschieden":null,"verwitwet":null,"pseudonym":null,"namensvarianten":null,"namensaenderung":null,"lebenslauf":"\n <b>1744<\/b><br>Christian Friedrich Ludwig Mursinna wird als Sohn eines Tuchmachers am 17. Dezember in Stolpe\/Hinterpommern geboren.<br><br>\n lernt zun\u00e4chst auf Wunsch des Vaters zun\u00e4chst ebenfalls das Tuchmacherhandwerk; <br>\n erlernt bei einem Bader in Stolpe, anschlie\u00dfend bei Chirurgen in Kolberg die Chirurgie.<br>\n <br>\n <b>1761-1763<\/b><br>seit\n5.3. Lazarett-Chirurgus. Bis zum Ende des Krieges Regimentschirurg in\nzahlreichen Lazaretten. Lernt beim General-Chirurg von Theden;\nAssistent von Caspar Friedrich Wolff bei der\nAusbildung der Wund\u00e4rzte. Nach Ende des Krieges in Berlin.<br>\n<br>\n<b>1764<\/b><br>\nFamulus bei Wolff.<br>\n <br>\n <b>1765<\/b><br>\n Kompanie-Chirurgus beim Regiment von Lottum.<br>\n <br>\n <b>1767<\/b><br>Bef\u00f6rderung zur Garde nach Potsdam; Freundschaft mit dem Chirurgen Voitus.<br>\n <br>\n <b>1772<\/b><br>Ernennung zum Pension\u00e4r-Chirurgus; Mursinna geht n<span style=\"font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\">ach <\/span>in Berlin.<br>\n <br>\n <b>1775<\/b><br>\n vorstehender Wundarzt an der Charit\u00e9; erste praktische Kenntnisse als Arzt,\nWundarzt und Geburtshelfer.<br>\n <br>\n <b>1776<\/b><br>\n von Friedrich II. zum Regiments-Chirurgus im Regiment von Peterdorf in\n Westfalen ernannt; lebt in Bielefeld.<br>\n <br>\n<b>1778<\/b><br>\nbayerischer Successionkrieg. Mursinna zieht mit dem Regiment ins Feld;\nerlangt Kenntnisse \u00fcber die Krankheiten Ruhr und Faulfieber.<span style=\"font-size: 12pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;\"><!--[endif]--><\/span><br>\n<br>\n <b>1779<\/b><br>\n Sein erstes Buch \"Beobachtungen der Ruhr und der\n Faulfieber\" erscheint.<br>\n <br><b>\n 1780\/81<\/b><br>Die \"Medizinisch-chirurgische Beobachtungen\" werden ver\u00f6ffentlicht.<br>\n <br>\n <b>1782<\/b><br>Die \"Abhandlungen von den Krankheiten der Schwangeren, Geb\u00e4renden und\n W\u00f6chnerinnen\" erscheinen in zwei B\u00e4nden.<br>\n <br>\n <b>1786<\/b><br>\n Versetzung zum Regiment von M\u00f6llendorf nach Berlin.<br>\n <br>\n <b>1787<\/b><br>wird nach dem Tod Voitus' im M\u00e4rz Generalchirurg der\npreu\u00dfischen Armee; im Mai Professor der Chirurgie an der\nMedicinisch-Chirurgischen Milit\u00e4rakademie und\nbeim Collegium medico-chirurgicum in Berlin. Hier nimmt er bei 908\nPatienten Starextraktionen vor, die bei 867 erfolgreich waren.<br>\n <br>\n <b>1795<\/b><br>\n mit der Armee in Polen; Freundschaft mit Formey.<br><br><b>1796<\/b><br>Ernennung zum wirklichen 2ten General-Chirurgus (mit einer ansehnlichen Gehalts-Erh\u00f6hung), vgl. Haude- und Spenersche Zeitung, 26. April 1796.<br>\n <br>\n <b>1798<\/b><br>Ehrung mit einem Doktordiplom von der medizinischen Akademie in Jena.<br>\n<p class=\"MsoNormal\"><b>1799<\/b><br>\nErnennung zum Mitglied der \"Societatis artem\nobstetriciam amantium\" in G\u00f6ttingen. <br>\nZweite Preis f\u00fcr Behandlungen der Kopfwunden und der dabei zu Unternehmenden Trepanation von der\nK. K. Josephinischen Akademie zu Wien, zugleich Ernennung zum Mitglied der Akademie.<br>\n<\/p>\n<b>\n ab 1800<\/b><br>Herausgeber des \"Journal f\u00fcr die Chirurgie, Arzneikunde und Geburtsh\u00fclfe\".<br>\n <br>\n <b>1805<\/b><br>zur\nHauptarmee des Herzogs von Braunschweig nach Westfalen beordert. Im\nM\u00e4rz Reise durch Deutschland; Mursinna lernt Goethe und Wieland kennen.<br>\n <br>\n <b>1806<\/b><br>\n nimmt in der Hauptarmee des K\u00f6nigs am Krieg gegen Frankreich teil.<br>\n <br>\n <b>1809<\/b><br>\nam 1. Juni als General-Chirurgus in den Ruhestand versetzt; bleibt\nProf. der Chirurgie und dirigierender Wundarzt an der Charit\u00e9; im Dezember Aufhebung des Collegium-medico-chirurgicum. <br>\n <br>\n <b>1810<\/b><br>\n Mitglied bei der wissenschaftlichen Deputation, die ein Ersatz f\u00fcr das 1809\n geschlossene Collegium-medico-chirurgicum werden sollte.<br>\n <br><b>\n 1812-1813 <\/b><br>\nMitglied der \"Gesellschaft der Freunde der\n Humanit\u00e4t\".<br>\n<br>\n<b>1817 <\/b><br>\nMursinna geht in den Ruhestand.<br>\n<br>\n<b>1823<\/b><br>\nMursinna stirbt am 18. Mai in Berlin.<br>\n\n<b><br>\n<\/b>--------------------------------------------<br><font size=\"2\"><font face=\"Arial\">A<\/font><\/font>ls\nAutodidact wurde Mursinna durch n\u00fcchterne Beobachtung, operative Geschicklichkeit und\ngesunden Menschenverstand nacheinander Professor der Chirurgie,\nPreu\u00dfischer Generalchirurg und dirigierender Wundarzt der Charit\u00e9 in\nBerlin. Durch die Behandlung von Kopfverletzungen, Staroperationen,\naber auch als Geburtshelfer, hat er sich einen geachteten Namen in der Wissenschaft gemacht. Bekannt wurde er\ndurch die Organisation und Vervollkommnung der preu\u00dfischen\nMilit\u00e4r-Medizinalverfassung. In seinen medizinischen Betrachtungen berichtet er ausf\u00fchrlich \u00fcber\nSch\u00e4delverletzungen, Verletzungen des Gesichtes, des Halses, der Brust,\ndes Bauches und der Gliedma\u00dfen. Auch die wichtigsten inneren\nKrankheiten der Armee werden behandelt. Die lebhaften Schilderungen und\nKrankengeschichten geben ein ausgezeichnetes Bild vom Stand der\nChirurgie am Ausgang des 18. Jahrhunderts. Tatkraft und Wagemut des\nChirurgen, aber auch die schweren Leiden der Verwundeten finden\nErw\u00e4hnung.\n<p>Eine wichtige Quelle f\u00fcr das Leben und das Schaffen Mursinnas ist eine Autobiographie, welche die Universit\u00e4t Berlin im\nJahre 1811 aus Anla\u00df des 50j\u00e4hrigen Dienstjubil\u00e4ums des Generalchirurgus Dr. Mursinna\nherausgab:<br>\n<\/p>\n\n<font face=\"Arial\" size=\"2\">\n<\/font>Christian Ludwig Mursinna, ein gro\u00dfer Sohn\n unserer Stadt. In: Ostpommersche Heimat 2 bis 6 \/1936<font size=\"2\"> (abgeschrieben im Juli 2001 durch Helmut Kunefke)<\/font><br>\n\n<br>\n\nIn Nr. 1 des neuen Jahrgangs dieser Beilage\n berichtete Arved Hartung, wie er bei einer Familienforschung auf die\n Mursinnas stie\u00df und dabei entdeckte, da\u00df Christian Ludwig Mursinna, einer\n der ber\u00fchmtesten \u00c4rzte der Berliner Charit\u00e8, in Stolp geboren\n worden ist. Arved Hartung verdanken wir auch die nachstehende\n Selbstbiographie Mursinnas, die nur noch in zwei St\u00fccken vorhanden ist. Sie\n wurde gedruckt als Festschrift zum 50 j\u00e4hrigen Dienstjubil\u00e4um am 5. M\u00e4rz\n 1811.&nbsp; Die Festschrift tr\u00e4gt den Titel: Christian Ludwig&nbsp; M u r s i n n\n a&nbsp; - der Jubelgreis. Ein Andenken des 5. M\u00e4rz 1811 f\u00fcr seine Freunde und Verehrer.\n\n\n\n<table border=\"0\" width=\"100%\">\n\n <tbody>\n <tr>\n <td valign=\"top\" width=\"50%\"><strike><b>Inhaltsverzeichnis:<\/b><br>\n      <font size=\"2\">- <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#einem%20Freunde%20Mursinnas\">\n Einleitung eines Freundes von\n Mursinna<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>\n - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1744,%20den%2017.%20Dezember%20in%20Stolpe%20in%20Hinterpommern%20geboren\">\n Geburt, Schule, Jugendzeit<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#13.%20Jahr%20bei%20einem%20Bader,\">\n mit 13 Jahren bei einem Bader in Stolpe in der Lehre<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#nach%20Kolberg\">\n Lehre in Kolberg bei einem Stadt-Chirurgus<\/a><br>\n - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Belagerung%20war%20die%20schrecklichste\">\n 1760 Belagerung von Kolberg durch die Russen<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Stettin\">\n Feldlazarette in Stettin und Berlin<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Lazarett%20nach%20Torgau\">\n Feldlazarett in Torgau<\/a><br>\n - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Schlesien%20Noth\">\n gro\u00dfe Noth in Schlesien<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Kranker%20nach%20Breslau\">\n selbst als Kranker nach Breslau ins Lazarett<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#allgemeine%20Friede,\">\n 1763 allg.Friede, als Chirurgus entlassen, arbeitslos<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1764%20w\">\n 1764 bei Dr. Wolf<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1765\">\n 1765 Regimente von Lottum als Kompanie-Chirurgus<\/a>&nbsp;<br>\n - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1772\">\n 1772 Pension\u00e4r-Chirurgus,&nbsp;<br>\n &nbsp;&nbsp; lernt seine Frau kennen, heiratet, Kinder<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1775\">\n 1775 als Wundarzt in der Charit\u00e8 angestellt<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1776\">\n 1776 Regiments-Chirurgus im Reg. Peterdorf&nbsp;<br>\n &nbsp;&nbsp; in Bielefeld,Westfalen<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1778\">\n 1778 bayerischer Successionkrieg - Sachsen\/B\u00f6hmen<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#b%C3%B6sartige%20Ruhr%20in%20Westfalen,%20vorz%C3%BCglich%20in%20Herford\">\n 1779 b\u00f6sartige Ruhr Westfalen, insbes. Herford<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1782\">\n 1782 Abhandlungen-Krankheiten der Schwangeren<br>\n &nbsp;&nbsp; Geb\u00e4renden, W\u00f6chnerinen<\/a>&nbsp;<br>\n - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1786\">\n 1786 nach Berlin zum Regimente von M\u00f6llerdorff&nbsp;<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1787\">\n 1787 zum wirklichen General-Chirurgus ernannt<\/a><\/font><\/strike>\n  <\/td>\n <td valign=\"top\" width=\"50%\"><strike><font size=\"2\">- <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1790\">\n 1790 Krieg mit Oestereich<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1795\">\n 1795 mit der Armee nach Polen beordert<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1797\">\n 1797 starb General-Chirurgus Theden,&nbsp;<br>\n &nbsp;&nbsp; Anspr\u00fcche auf diesen Posten<\/a><br>\n - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1798\">\n 1798 von mediz. Akademie Jena&nbsp; m.Doktordipl. geehrt<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1799\">\n 1799 zum Mitgliede Societatis .. in G\u00f6ttingen ernannt.<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1800\">\n 1800 mein Journal f\u00fcr Chirurgie,&nbsp;<br>\n &nbsp;&nbsp; Arzneikunde u. Geburtsh\u00fclfe in Druck<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1804\">\n 1804 und 1809 Zwei wichtige Reden<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1805\">\n 1805 Mi\u00dfverst\u00e4ndnis zwischen Preu\u00dfen und Frankreich<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1806\">\n 1806 wirkliche Krieg zwischen uns und Frankreich<br>\n <\/a> -&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Armee%20wurde%20um%20Halle%20herum%20versammelt,\">\n Armee um Halle herum versammelt, Feldlazareth<br>\n <\/a> -&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Extrapost%20schleunigst%20nach%20Erfurt\">\n mit Extrapost schleunigster Einsatz in Erfurt<br>\n <\/a> -&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#K%C3%B6lleda%20ins%20Sachsen\">\n K\u00f6lleda in Sachsen b. Auerst\u00e4dt aufzubrechen<br>\n <\/a> -&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Magdeburg\">\n Einsatz in Magdeburg, Feldlazareth<\/a> -&nbsp;<br>\n &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Magdeburg\n wird eingenommen<br>\n -&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Pa%C3%9F%20und%20die%20Erlaubnis%20nach%20Berlin\">\n Pa\u00df zur\u00fcck nach Berlin, Lehramt in Charit\u00e8<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1807\">\n 1807 starb Professor Zenker<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1809\">\n 1809 als General-Chirurgus in den Ruhestand,&nbsp;<br>\n &nbsp;&nbsp; weiter Professor d. Chirurgie<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1810\">\n 1810 f\u00fcr wissenschaftl. Deputation als Mitglied ernannt<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Lebensgeschichte,\">\n Nachwort zur eigenen Lebensgeschichte&nbsp;<br>\n <\/a> - <a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#Lieblingsoperationen\">\n Lieblingsoperationen - grauer Star,&nbsp;<br>\n &nbsp; Weitergabe seines Wissens<\/a><\/font><\/strike><\/td>\n <\/tr>\n <\/tbody>\n\n<\/table>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\"><a href=\"http:\/\/www.stolp.de\/Stolp-Stadt\/Krankenhaeuser-Medizin\/mursinna-christian_ludwig.htm#1778\">\n <br>\n <\/a> Sie beginnt mit folgender von einem Freund Mursinnas<b> <\/b>geschriebenen Einleitung:<\/font><\/p>\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">\n Der 5. M\u00e4rz dieses Jahres ist ein festlicher Tag f\u00fcr jeden Freund des\n Vaterlandes und der Menschheit, f\u00fcr jeden, dessen Herz f\u00fcr seltene Kraft und\n ausgezeichnetes Wirken h\u00f6her schl\u00e4gt. An diesem Tag sieht Mursinna, der\n ehrw\u00fcrdige Veteran der Wund\u00e4rzte, der treue Diener des Staates, der redlich\n und hochgefeierte Mann auf ein verlebtes halbes Jahrhundert zur\u00fcck, wo\n rastloses Streben und Wirken als Diener des Staates, dem ausgezeichneten\n Verdienst den gerechten und unverwelklichen Lorbeer erwarb. Solange die\n Wissenschaft steht, wird der Name Mursinna in ihren Annalen gl\u00e4nzen und sein\n Tun in unzuberechnenden Kreisen sich ausdehnen, seine Saat noch in ferner\n Zukunft kr\u00e4ftiges Gedeihen haben.<br>\n An diesem Tage gen\u00fcgt es nicht, die Gef\u00fchle der Achtung auszusprechen, es\n gen\u00fcgt nicht, die Empfindungen laut werden zu lassen, welche der Anblick des\n Seltenen, Wahren und Sch\u00f6nen so m\u00e4chtig erregt. Jene Gef\u00fchle und\n Empfindungen spricht ja schon das ganze Leben aus.<br>\n Der Wunsch konnte sich heute nur einmal darauf beschr\u00e4nken, ein Andenken\n dieses Tages zu besitzen und so entstand die Idee, das Gem\u00e4lde des\n trefflichen Mannes als Kupferstich den H\u00e4nden seiner Freunde und Mitb\u00fcrger\n zu \u00fcberliefern. Hier ist der w\u00fcrdige Jubelgreis etwas b\u00f6slich hintergangen\n worden, aber in der redlichen Absicht und nie atmete wohl eine List ein\n reineres Wohlgefallen als diese. Ein Freund bat den Held des Festes um eine\n kleine Nachricht seines Lebens. Wie immer, bereitwillig und nie eine Bitte\n abschlagend, erf\u00fcllte er g\u00fctig den Wunsch - ohne den Zweck auch nur entfernt\n zu ahnen - und so sind diese wenigen Zeilen vervielfacht in den H\u00e4nden\n seiner treuesten Verehrer. Wir sehen in diesem Wenigen den Mann wieder, den\n wir so oft gerne h\u00f6rten und den wir im engeren Kreise so gern und oft\n horchend umringten, wenn er uns seinen hei\u00dfen Durst nach Wissenschaft und\n Kunst und sein m\u00fchevolles Leben erz\u00e4hlte, um die Palme am Ziel zu erreichen.\n Diese Zeilen geben ihn uns ebenso treu wieder; es ist die lebendige Idee\n seines Geistes in ihnen dargestellt, er erz\u00e4hlt schnell, greift Erinnerungen\n seines Lebens f\u00fcr einen Moment auf, schildert sie wahr und lebendig, h\u00e4lt\n keine fest, verzweigt sie ebenso schnell mit anderen und so steht allen, die\n ihn kennen, das Bild des kr\u00e4ftigen Mannes da, der seinen Willen zur Tat\n macht, ohne Hindernisse und Schwierigkeiten zu kennen, wenn Wissen, Wahrheit\n und Pflicht das Ziel des ruhmvollen Strebens sind. - So verzeihe uns der\n w\u00fcrdige Mann diesen Schritt, den reine Liebe leitete. Er durfte seinen\n Freunden das seltene Gl\u00fcck nicht versagen, mit froher Begeisterung heut so\n klar die Worte des unsterblichen Dichters zu verstehen:<br>\n &nbsp;&nbsp;&nbsp; \"Nicht die Geburt<br>\n &nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Tugend nur macht allen Unterschied<br>\n &nbsp;&nbsp;&nbsp; Doch Geister gibt's, beg\u00fcnstigt vom Himmel,<br>\n &nbsp;&nbsp;&nbsp; Die durch sich selbst sind, alles sind, und nichts<br>\n &nbsp;&nbsp;&nbsp; Dem Ahnherrn schuldig, nichts der Welt.\"<\/font><\/p>\n\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Mursinnas Selbstbiographie<br>\n Christian Ludwig Mursinna,<br>\n Doktor der Medizin, General-Chirurgus, Professor der Chirurgie, Mitglied\n der wissenschaftlichen Deputation f\u00fcr das Medizinalwesen, dirigierender\n Wundarzt an der Charit\u00e8, und Arzt am Invalidenhause, Mitglied der k.k.\n josefinischen Akademie in Wien und der Gesellschaft der Freunde der\n Geburtshilfe in G\u00f6ttingen.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Ich bin im Jahre 1744, den 17. Dezember in Stolpe in Hinterpommern geboren<\/font>. Mein Vater war\n Tuchmacher und konnte mir daher keine gute Erziehung geben. I<font size=\"2\">ch wurde blo\u00df\n in den kleinen Schulen unterrichtet. Da ich aber ein gutes Talent und gro\u00dfe\n Neigung zu den Wissenschaften hatte, best\u00fcrmte ich den Magistrat solange,\n bis dieser mich in die Lateinschule schickte. Hier war ich so flei\u00dfig, da\u00df\n ich gro\u00dfe Fortschritte machte und den Beifall der Lehrer hatte. Dem\n ungeachtet entri\u00df mich mein Vater im 12. Jahre der Schule und widmete mich\n dem Tuchmacherhandwerke. Ob ich mich gleich mit dem gr\u00f6\u00dften Widerwillen in\n diese neue Laufbahn f\u00fcgte, bereitete ich doch mein Tagewerk schnell und\n widmete meine \u00fcbrige Zeit den angefangenen Studien, und besonders der\n Poesie, wozu ich eine nat\u00fcrliche Anlage und gro\u00dfen Trieb hatte. Ich machte\n Verse auf alle St\u00e4nde und widmete diese dem Magistrat, der dadurch endlich\n bewogen wurde, mich auf meine dringenden Bitten die Chirurgie erlernen zu\n lassen.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Ich wurde in meinem 13. Jahr bei einem Bader, Einsiedel , in Stolpe in die Lehre gegeben<\/font><font size=\"2\">, wo ich bald rasieren, aderlassen und andere kleine Gesch\u00e4fte zur\n Bewunderung des Magistrats erlernte. Dem ungeachtet tirannisierte mich mein\n Lehrherr dergestalt, da\u00df meine Lage schrecklich war und den Magistrat bewog,\n mich dieser Slaverei zu entrei\u00dfen und nach Kolberg<b> <\/b>bei einem\n ber\u00fchmten Stadt-Chirurgus, Krugschank, in die Lehre zu geben. Dieser\n Mann war ebenso dumm wie der vorige, aber gutartiger.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Ich hatte das Ungl\u00fcck, da\u00df Kolberg in\n meinem ersten Lehrjahr 1758 von den Russen belagert wurde. Das folgende\n Jahr wurde es ebenfalls von dieser Macht zu Wasser und zu Lande belagert und\n endlich durch ein Wunder von dem General von Werner entsetzt. In dieser\n Belagerung wurden sehr viele H\u00e4user zerst\u00f6rt und viele B\u00fcrger erschossen,\n unter welchen sich auch mein 78 j\u00e4hriger Lehrherr befand, der von einer\n Bombe zerschmettert wurde. Ich entrann nur dem Tode durch einen unerh\u00f6rten\n Entschlu\u00df, und wurde dann einem dritten Lehrherrn, Hein, \u00fcbergeben.\n Dieser war der Dummste von allen, hatte aber eine so liebe und \u00e4u\u00dferst\n gebildete Frau, da\u00df diese das reichlich an Erziehung ersetzte, was mir\n bei dem Manne an Wissenschaft abging. Hier w\u00e4r ich unter der Leitung\n dieser trefflichen Frau zum ersten Male in meinem Leben gl\u00fccklich\n gewesen, wenn die<\/font> <font size=\"2\">Stadt nicht im Jahre 1760 zum\n dritten Male belagert worden w\u00e4re.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Diese Belagerung war die schrecklichste, sie fing im M\u00e4rz 1760 an und endete den 17. Dezember, da\n die Festung der Hungersnot wegen von dem tapferen Oberst Heyden an den\n General Romanzof \u00fcbergeben wurde. Was ich in dieser Belagerung\n ausgestanden habe, ist unbeschreiblich, oder doch von der Art, da\u00df ich ein\n ganzes Buch schreiben m\u00fc\u00dfte, um dies deutlich zu machen, das ich auch noch\n vielleicht des gro\u00dfen Interesses wegen beginnen werde. Am Ende dieser\n Belagerung wurde ich freigesprochen und arbeitete nun ohne Gehalt in den\n preu\u00dfischen und russischen Feldlazaretten bis zum Frieden. Dieser\n erfolgte nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth, da mich dann der\n selige General-Chirurgus Theden, der in Stettin stand, den 5. M\u00e4rz\n 1761 zum f\u00f6rmlichen Lazarett-Chirurgus kreierte.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im April wurde ich mit den Blessierten\n nach Stettin beordert und nun hier\n im Feldlazarett angesetzt. Im Monat Mai wurde ich nach Berlin an das\n dortige Feldlazarett beordert. Hier begann mit mir eine ganz neue\n Laufbahn: hier entdeckte ich die Lehranstalten der Chirurgie und\n glaubte in eine andere Welt versetzt zu sein. Ich besuchte jede Lehrstunde,\n schrieb alles auf und schwur am Altar der Domkirche mit heiliger Entz\u00fcckung,\n nicht eher zu ruhen, bis ich auch Professor w\u00fcrde. Die Freude dauerte aber\n nicht lange, denn ausgangs Juni wurde ich ins Lazarett nach Torgau beordert, woselbst ich wieder den Vater Theden antraf, der\n mich in seinen besonderen Schutz nahm und bei den gef\u00e4hrlichsten Kranken\n ansetzte. Ich arbeitete flei\u00dfig und errang den Beifall des Cothenius und\n Theden.&nbsp;<br>\n Da aber in Schlesien Noth war, wurde ich im Juny mit einem detaschirten Lazarett nach\n Schweidnitz zur Belagerung beordert. Diese Belagerung war schrecklich,\n dauerte 14 Wochen und kostete den Preu\u00dfen viele Menschen. Hier war ich so\n gl\u00fccklich, auch den Beifall des Schmucker zu erhalten, der mich unter so\n vielen in meinem 17. Jahre ausw\u00e4hlte und die vorz\u00fcglichsten Blessierten,\n n\u00e4mlich die Kopfwunden \u00fcbergab, wor\u00fcber er nachher seine\n Beobachtungen drucken lie\u00df. Ich wei\u00df am besten, wie viele von diesen\n Beobachtungen aufgefa\u00dft sind und wie wenig die so hochber\u00fchmten kalten\n Umschl\u00e4ge fruchteten: indessen sammelte ich hier doch einen Schatz von\n Erfahrungen, die mir bis jetzt n\u00fctzlich gewesen sind.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Nach Eroberung der Festung wurde ich als\n ein Kranker nach Breslau ins Lazarett gebracht. Ich litt bei der Menge der\n Blessierten, bei meinem Diensteifer und der \u00e4u\u00dferst schlechten Lebensart, da\n ich diese ganze Zeit fast nur von Wasser und Brot lebte, weil ich mein in\n Torgau voraus erhaltenes Traktament auf dem Marsche verzehrt hatte, an einer\n v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung der Lebenskraft: gl\u00fccklicherweise entwickelte sich auf\n dem Transporte nach Breslau eine au\u00dferordentliche Kr\u00e4tze, die mein\n Nervensystem befreite und zugleich meine Assimiliationskraft und meinen\n Geist wieder erhob. An dieser Kr\u00e4tze litt ich in Breslau drei Monate im\n Lazarette. Diese ganze Zeit \u00fcber studierte ich den Heister und Plattner\n und las alles, was ich nur an B\u00fcchern von den Aerzten aus der Stadt\n erbetteln konnte. Im Dezember wurde ich gesund aus dem Lazarett entlassen\n und bei den blessierten Oestereichern unter dem Dr. Wolf angestellt. Dies\n ist eine meiner gl\u00fccklichsten Begebenheiten, die auf meine Bildung gro\u00dfen\n Einflu\u00df gehabt hat. Der Dr. Wolf war ein gelehrter Arzt und wurde vom Herrn\n Geheimrat Cothenius bestimmt, den Lazarett-Chirurgen die Anatomie zu lehren.\n Er las die Osteologie und gab Anweisung im Pr\u00e4parieren der Muskeln und\n Eingeweide. Da wir sehr viele Kadaver hatten, so konnten alle Chirurgen\n hinreichend besch\u00e4ftigt werden. Er w\u00e4hlte mich jungen Menschen zu seinem\n Famulus: es wurden mir alle Blessierten abgenommen und ich konnte mich ganz\n dem Studio der Anatomie widmen, welches ich auch mit solchem Eifer that, da\u00df\n ich nicht nur die erste Pr\u00e4mie erhielt, sondern auch das folgende Jahr die\n Osteologie in Berlin f\u00fcr Geld lehrte.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im April 1763 erfolgte der allgemeine Friede,\n nach sieben blutigen, aber f\u00fcr die Preu\u00dfen ehrenvollen Jahren. Ich jauchste\n f\u00fcr Freuden mit der Menge, wurde aber bald in die traurigste Lage\n versetzt.<br>\n Bald nachher wurden die Lazarette aufgehoben, und die mehrsten Chirurgen\n entlassen. Ich wurde als der Beste mit 200 Blessierten vom Regiment\n Prinz Heinrich und Ferdinand auf der Oder nach Berlin kommandiert. Dies war\n mein Ungl\u00fcck, denn der Transport dauerte drei Wochen, und als ich in Berlin\n ankam, waren alle Stellen bei den Regimentern vergeben. Ich erhielt meinen\n Abschied und irrte in dem pr\u00e4chtigen Berlin umher, ohne zu wissen, wovon ich\n leben sollte. Ich hatte kein Verm\u00f6gen und auf der ganzen Welt niemand, der\n mich unterst\u00fctzte. In dieser verzweifelten Lage wohnte ich vor dem Tore mit\n zwei verabschiedeten Chirurgen unter dem Dache. Ich ergriff alle ehrlichen\n Hilfsmittel zu meiner Erhaltung: verkaufte die Hefte der Anatomie an die\n faulen, beg\u00fcterten Chirurgen und erhielt dadurch drei Monate k\u00e4rglich mein\n Leben. In dieser ganzen Zeit habe ich wahrlich blo\u00df von Brod und Wasser\n gelebt, wie dies noch mehrere Zeugen wissen. Dabei h\u00f6rte ich nicht nur die\n \u00f6ffentlichen, sondern alle Privatkollegiea des jetzt noch lebenden Herrn\n Geheimen Oberfinanzraths Gerhard \u00fcber Physik, Chirurgie, Phylosophie,\n Chirurgia medica und noch mehrere. Dieser vortreffliche Mann, der mir\n gro\u00dfz\u00fcgig alle Zahlungen erlie\u00df, hat viel Teil an meiner Bildung, ist jetzt\n noch mein Freund, und ich habe \u00f6fters die Freude, sein Arzt zu seyn, um nur\n etwas zu vergelten. Am Ende mu\u00dfte ich doch zur Barbierstube meine Zuflucht\n nehmen, um mein Leben zu erhalten; aber auch hier wendete ich alle meine\n \u00fcbrige Zeit zum Studieren an.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1764 wurde ich wieder\n bei dem vorher erw\u00e4hnten Dr. Wolf Famulus. Dies war der Wolf, der\n nachher in Petersburg als Professor starb und das treffliche Werk \"De\n Theoria generationis\" geschrieben hat. Er las hier mit allgemeinem Beifall\n mehrere Kollegia \u00fcber Logik, Physiologie etc. Ich hatte das Gl\u00fcck, diese\n Vorlesungen 2 Jahre zu h\u00f6ren und wurde zuletzt so keck, da\u00df ich die Logik\n armen Studierenden f\u00fcr einen Taler las. Dadurch und durch den Verkauf meiner\n Hefte der \u00fcbrigen Vorlesungen gewann ich endlich einen besseren Unterhalt.\n Dies Studium bei Herrn Wolf, besonders der Logik und ihres eifrigen Vortrags\n von mir, hat mir wesentlichen Nutzen verschafft und zum k\u00fcnftigen\n Schriftsteller vorbereitet.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1765 wurde ich bei dem Regimente von Lottum als\n Kompanie-Chirurgus angesetzt und im Jahre 1767 zur Garde nach Potsdam\n bef\u00f6rdert. Hier hatte ich das Gl\u00fcck, mit meinem ersten und besten Freund,\n dem Chirurgen Professor Voitus in einer Stube zu wohnen. Dieser edle Mann im\n eigentlichen Verstand hat viel Wissenschaft und besonders gr\u00fcndliche\n Humanoria. Mit ihm studierte ich nun unaufh\u00f6rlich, ersetzte nach und nach\n das, was meine schlechte Erziehung mir versagt hatte und bereitete mich\n binnen vier Jahren zum k\u00fcnftigen Arzt.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1772 wurde ich dem K\u00f6nig zum Pension\u00e4r-Chirurgus\n vorgeschlagen und dadurch zweien Vorg\u00e4ngern vorgezogen. Ich kam nun nach\n Berlin und fing mein Studium wieder an, oder repetierte vielmehr alles das,\n was ich vorher schon studiert hatte.<br>\n Hierbei mu\u00df ich noch anf\u00fchren, da\u00df ich vor meiner Abreise aus Potsdam\n ein k\u00f6stliches M\u00e4dchen kennengelernt hatte, das ich unaussprechlich\n liebte, ohne von ihrer Gegenliebe versichert zu seyn. Die Folge lehrte,\n da\u00df ich ihr nicht gleichg\u00fcltig war, denn sie entsagte auch den\n vorteilhaftesten Vorschl\u00e4gen und erhielt sich mir, blo\u00df durch Briefwechsel\n \u00fcber drei Jahre, da ich dann das gro\u00dfe Gl\u00fcck geno\u00df, sie - - - nach dem\n allgemeinen Ausdruck - -&nbsp; - die Zierde Potsdams, zu besitzen. Diese\n Verbindung, die dreiunddrei\u00dfig Jahre w\u00e4hrte, ist mein ganzes Gl\u00fcck auf\n Erden gewesen. Sie, h\u00f6chst wohl erzogen, mit Engeltugenden und einer\n g\u00f6ttlichen Sanftmut begabt, wu\u00dfte mich so zu lenken, meinen heftigen Sinn,\n der mich oft zu gro\u00dfen Thorheiten verleitete, so zu m\u00e4\u00dfigen, und meinen\n Leichtsinn in Ernst zu verwandeln, da\u00df ich durch diese Tugenden, von gro\u00dfen\n Ungl\u00fccksf\u00e4llen, denen ich ohne diese Leiterin schwerlich entgangen w\u00e4re,\n befreit geblieben bin. Sie gebar mir sieben Kinder, die sie aufs\n sorgf\u00e4ltigste erzog, davon aber nur noch zwei T\u00f6chter am Leben sind,\n die gegenw\u00e4rtig mein ganzes Gl\u00fcck ausmachen.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1775 wurde ich als vorstehender Wundarzt in der\n Charit\u00e8 angestellt und hatte ein ganzes Jahr das Gl\u00fcck, unter Muzelius\n die inneren und unter Henkel die \u00e4u\u00dferen Kranken zu versehen sowie das\n Accouchement zu besorgen. In diesem Jahr habe ich meine ersten praktischen\n Kenntnisse als Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer begr\u00fcndet.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahr 1776, den 24. Januar, ernannte mich Friedrich der Gro\u00dfe\n zum Regiments-Chirurgus im Regimente von Peterdorf in Westfalen. So\n schmerzhaft dies f\u00fcr mich und meine Braut war, uns von Berlin und allen\n Freunden und Wissenschaften zu trennen, so viele Freuden und gl\u00fcckliche Tage\n erlebten wir in Bielefeld.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1778 erfolgte der\n bayerische Successionkrieg, daher ich Monat April mit dem\n Regimente ins Feld ziehen mu\u00dfte. Hier hatte ich in Sachsen und\n B\u00f6hmen volle Gelegenheit, meine Kenntnisse bei den Kranken, besonders\n den h\u00e4ufigen Ruhren und Faulfiebern, zu \u00fcben. Nach 12 Monaten wurde\n dieser Feldzug gl\u00fccklich beendigt.<br>\n Das folgende Jahr grassierte eine sehr b\u00f6sartige Ruhr in Westfalen, vorz\u00fcglich in Herford, wobei ich meine vorj\u00e4hrig\n erworbenen Kenntnisse anwenden konnte. Ich heilte viele von der Garnison und\n der B\u00fcrgerschaft mit vorz\u00fcglichem Gl\u00fcck, deshalb ich mein erstes Buch\n \"Beobachtungen der Ruhr und der Faulfieber\" herausgab. Es wurde\n allgemein gut aufgenommen und bald vergriffen, daher ich im Jahre 1780 die\n zweite Auflage besorgte. In diesem Jahr gab ich zugleich den ersten Teil\n mein medizinisch-chirurgischen Beobachtungen in den Druck und im Jahre\n 1781 den zweiten Teil. Auch diese wurden im Jahre 1796 zum zweiten Mal\n aufgelegt.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahr 1782\n gab ich meine Abhandlungen von den Krankheiten der Schwangeren, Geb\u00e4renden\n und W\u00f6chnerinnen in zwei B\u00e4nden heraus, die 1787 zum zweiten Mal\n aufgelegt wurden.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahr 1786\n wurde ich den 5. Oktober nach Berlin zum Regimente von M\u00f6llerdorff\n versetzt. Mit gro\u00dfer Betr\u00fcbnis verlie\u00df ich das Regiment und die Stadt, worin\n ich seit zehn Jahren so viele Freunde und Freuden gehabt hatte.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1787, den 30. Februar, starb mein innigster Freund\n Voitus. Sein Tod war nicht nur f\u00fcr mich und seine Familie, sondern auch\n f\u00fcr die Menschheit ein gro\u00dfer Verlust. Ich wurde 2 Tage nach seinem Tode\n zum wirklichen General-Chirurgus ernannt. Im Monate Mai schlug mich der\n Pr\u00e4sident von der Hagen dem K\u00f6nige zum Professor der Chirurgie vor,\n welches er auch allergn\u00e4digst genehmigte. Ich wurde bald nachher \u00f6ffentlich\n in dies Lehramt eingef\u00fchrt und hielt dabei eine Rede \"Schilderung des\n Wundarztes\", die gedruckt wurde.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1790 brach der Krieg mit Oestereich aus, daher\n ich mit der Armee nach Schlesien beordert wurde. Nach vier\n Monaten erfolgte der Friede und ich trat wieder mein Lehramt in Berlin\n an.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1795 wurde ich mit der Armee nach Polen beordert.\n Mein wahrer Freund, der jetzige Herr Geheimrat Formey, begleitete mich in\n diesem Feldzuge als Oberstabs-Mediens, und dies gew\u00e4hrte mir in der Tat\n manche angenehme Unterhaltung und gro\u00dfes Vergn\u00fcgen in diesem nicht sehr\n reizendem Lande. So klein dieser Krieg anfangs schien, so wichtig und\n verheerend f\u00fcr diese L\u00e4nder und V\u00f6lker ward er in der Folge. Doch auch\n diesen Feldzug endete ich nach 18 Monaten gl\u00fccklich.<br>\n Da ich in meinen neuen medizinisch-chirurgischen Beobachtungen, die\n ich bald nach der&nbsp; geendeten Campagne herausgab, alles Wichtige, das\n mich oder die Lazarette und die bei der Armee vorgefallenen Krankheiten\n und Verwundungen betraf, gesammelt und vollst\u00e4ndig aufgef\u00fchrt habe, so\n breche ich hier ab und beziehe mich auf dies Buch selbst, das allgemeinen\n Beifall erhielt.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1797\n starb der General-Chirurgus Theden. Ich hatte die gerechtesten\n Anspr\u00fcche auf diesen Posten als der \u00e4lteste und wirkliche Nachfolger von\n Theden. Ich hatte nicht nur alle meine Gesch\u00e4fte als General- und\n Regiments-Chirurgus, \u00f6ffentlicher Lehrer und praktischer Wundarzt stets\n unter dem gr\u00f6\u00dften Beifall meiner Obern und der Regierung treulich und ich\n kann zu meiner Beruhigung hinsetzen, gewissenhaft verrichtet, sondern mich\n auch au\u00dferdem als Schriftsteller ausgezeichnet, war in meinem Dienste nie\n zur\u00fcckgesetzt, sondern \u00f6fters vorgezogen und stets bef\u00f6rdert worden, war mir\n selbst bewu\u00dft, da\u00df ich diesen wichtigen Posten meiner Gerechtigkeitsliebe,\n Uneigenn\u00fctzigkeit und Kenntnisse wegen vorz\u00fcglich verwalten und wesentliche\n Verbesserungen in der Milit\u00e4r-Chirurgie - wozu ich mich solange und\n besonders vorbereitet hatte - bewirken konnte, so, da\u00df ich ohne Gewalt nicht\n zur\u00fcckgesetzt werden, sondern diesen Posten zu meiner Belohnung und\n Aufmunterung erwarten und h\u00f6chstrechtm\u00e4\u00dfig fordern konnte. Dies tat ich auch\n in einem Schreiben an Seine K\u00f6nigliche Majest\u00e4t. Allerh\u00f6chst Dieselben\n antworteten mir sehr gn\u00e4dig, da\u00df Allerh\u00f6chst Dieselben dies alles w\u00fc\u00dften und\n erkennten, da\u00df aber der Posten schon von des H\u00f6chstseligen K\u00f6nigs Majest\u00e4t\n bei Ihrem Leben an meinen j\u00fcngeren Nachfolger, den Herrn\n General-Chirurgus Goercke - der noch zu meinen Z\u00f6glingen geh\u00f6rte -\n vergeben w\u00e4re, welches Sie aus guten Gr\u00fcnden nicht \u00e4ndern k\u00f6nnte, da\u00df Sie\n aber meine Verdienste auf andere Weise belohnen wollten. Doch dies ganze\n gn\u00e4dige Kabinettsschreiben hat mein Freund, Herr v. Loder, in der\n Literaturzeitung abdrucken lassen. Ich erhielt zur Schadloshaltung das\n j\u00e4hrliche Gehalt des Herrn Theben zu meinem \u00fcbrigen Gehalte. Ich mu\u00df\n gestehen, da\u00df ich, da ich das Geld eben nicht so hochsch\u00e4tzte, \u00e4u\u00dferst\n niedergeschlagen wurde und mich gekr\u00e4nkt und entw\u00fcrdigt hielt. Indessen war\n dagegen nichts zu sagen. Meine Verdienste waren selbst vom Throne und allen\n rechtschaffenen M\u00e4nnern, die mich kennen, hinl\u00e4nglich erkannt und ich also\n gerechtfertigt. Herr Goercke hatte sich gro\u00dfe Verdienste um die errichtete\n medizinisch-chirurgische Pepiniere und auch im Feldzuge am Rhein sowie\n besonders die Gnade und Liebe des H\u00f6chstseligen K\u00f6nigs erworben und dadurch\n ebenfalls ein gegr\u00fcndetes Recht zu dieser Stelle erlangt. Da die Zeit alles\n heilet, beruhigte ich mich nach und nach und zollte Herrn Goercke f\u00fcr seinen\n gro\u00dfen Flei\u00df meinen Dank und meine Freundschaft.<br>\n Nach dieser Zeit habe ich freilich manche Ungl\u00fccksf\u00e4lle, aber auch viele\n gl\u00fcckliche Tage in meinem fruchtbringendem Lehramte und meiner gl\u00fccklichen\n Praxis erlebt, davon ich einmal \u00f6ffentliche Rechenschaft ablegen\n werde.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1798 wurde ich von der\n medizinischen Akademie zu Jena aus eigener Bewegung mit einem Doktordiplom\n geehrt.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1799 wurde ich zum Mitgliede Societatis artem\n obstetriciam amantium in G\u00f6ttingen ernannt. In demselben Jahre erhielt ich\n den zweiten Preis mit einer goldenen Medaille, 60 Gulden an Wert, f\u00fcr meine\n Behandlungen der Kopfwunden und der dabei zu Unternehmenden Trepanation von\n der K. K. Josephinischen Akademie zu Wien, und wurde zugleich zum Mitgliede\n dieser Akademie ernannt.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Meine<\/font> <font size=\"2\">nachherigen Schriften sind folgende:<br>\n 1. Berichtigung des Sendschreibens etc.<br>\n 2. Beobachtungen eines sehr schweren Geburtsfalles etc. im Starckschen\n Archiv<br>\n 3. Vom Steinschnitte \u00fcber den Schambeinen etc. in Arnemanns Magazin<br>\n 4. Geschichte der Ausrottung der Hoden etc.in Loders Journal<br>\n 5. Versuch der Vereinigung des nach der Geburt zerrissenen Mittelfleisches\n vermittelst der blutigen Nath. In Loders Journal, erster Band, 4tes\n St\u00fcck.<br>\n 6. Von der Aussch\u00e4lung einer sehr gro\u00dfen, limphartigen Geschwulst \u00fcber dem\n Bauchringe. In Loders Journal, zweiter Band, 3tes St\u00fcck.<br>\n 7. Geschichte einer widernat\u00fcrlichen Zwillingsgeburt und der dabei\n erfolgten heftigen Blutung etc. nebst Bemerkungen \u00fcber \u00e4hnliche F\u00e4lle, und\n \u00fcber&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>\n &nbsp;&nbsp;&nbsp; das Nachgeburtsgesch\u00e4ft. Loders Journal, 2ter Band, 1tes\n St\u00fcck.<br>\n 8. Beitrag zur Operation des Hasenscharts. 2ter Band, 2tes\n St\u00fcck.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1800 gab ich das erste St\u00fcck meines Journals f\u00fcr die\n Chirurgie, Arzneikunde und Geburtsh\u00fclfe in den Druck. Dies Journal ist\n theils durch Campagnen, theils durch andere Ursachen unterbrochen worden,\n daher nur erst jetzt das zweite St\u00fcck des vierten Bandes erschienen\n ist.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1804, hielt ich den 2ten August am Stiftungstage der\n medizinisch-chirurgischen Pepiniere, eine Rede: <u>Ueber die Geschichte der\n preu\u00dfischen Chirurgie<\/u>; - den 2ten August 1809, hielt ich in\n diesem Institute eine Rede: <u>Ueber die Vereinigung der Medizin mit der\n Chirurgie<\/u>. Beide Schriften sind gedruckt.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1805 brach ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis zwischen Preu\u00dfen und\n Frankreich aus, daher&nbsp; unsere Armee marschieren mu\u00dfte. Ich\n wurde zum drittenmal aus allen meinen Verbindungen gerissen und mit der\n Hauptarmee des Herzogs von Braunschweig nach Westfalen beordert. Ich\n habe hier bei der Armee und in den Lazarethen viel Gutes gestiftet, das der\n Herzog erkannte und zu bef\u00f6rdern geneigt war, wenn ihn nicht wichtigere\n Umst\u00e4nde und der bald erfolgte Tod daran gehindert h\u00e4tten.<br>\n Ich machte nach erfolgten Frieden im M\u00e4rz eine sehr angenehme Reise mit\n dem jetzigen Herrn Dr. Steinr\u00fcck von Hannover nach G\u00f6ttingen, Cassel,\n Eisenach, Gotha, Weimar, Halle, Leipzig usw. Diese Reise hat mir nicht\n nur gro\u00dfes Vergn\u00fcgen gemacht, sondern auch wahren Nutzen verschafft. Ich\n besuchte darauf die Universit\u00e4ten und die vorz\u00fcglichen Gelehrten und nahm\n au\u00dferdem alles K\u00fcnstliche und Sehenswerthe in genauen Augenschein, dadurch\n ich nicht nur in jeder dieser St\u00e4dte vorz\u00fcglich aufgenommen und angenehm\n unterhalten, sondern auch mein Geist belehrt, erweckt und mit mancherlei\n Kenntnissen bereichert wurde. Vorz\u00fcglich angenehm und sehr lehrreich war mir\n der dreit\u00e4gige Aufenthalt in Weimar, wo Sr. Durchlaucht der Herzog mich\n besonders gn\u00e4dig aufnahmen, und ich zugleich das Gl\u00fcck hatte, die\n vorz\u00fcglichen Gelehrten Wieland und Goethe n\u00e4her kennen zu\n lernen.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1806 brach der wirkliche Krieg zwischen uns und\n Frankreich aus. Ich wurde abermals, und zwar jetzt zur Hauptarmee des\n K\u00f6nigs kommandiert, wieder unter dem Befehl meines gn\u00e4digsten Herrn, des\n Herzogs von Braunschweig, dessen Arzt ich schon in Westfalen gewesen, da er\n unser General-Inspecteur war, und seine Gnade und Liebe bis zu seinem Tode\n erhalten habe. Ich habe das Gl\u00fcck gehabt, diesen gro\u00dfen Mann n\u00e4her zu\n kennen, und dessen gro\u00dfe Thaten und Verdienste zu bewundern - die ich bis\n jetzt nicht - aber vielleicht in meiner ausf\u00fchrlichen Biographie erw\u00e4hnen\n werde.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Die Armee wurde um Halle herum versammelt, daher ich mich schnell\n hieher verf\u00fcgen mu\u00dfte, um f\u00fcr die Kranken aller Regimenter ein\n Feldlazareth anzulegen, davon ich schon viele, ohne Lazarethanstalten,\n ohne Lagerst\u00e4tte, in der traurigsten Lage antraf. Hier in Halle ein gro\u00dfes\n Feldlazareth anzulegen scheint zu den Unm\u00f6glichkeiten zu geh\u00f6ren. Da das\n Lazareth noch auf dem Marsche war, hatt ich weder Wund\u00e4rzte, Oekonomen noch\n W\u00e4rter: und doch placirte ich binnen 48 Stunden \u00fcber 600 Kranke so gut, da\u00df\n ich den Beifall des Herzogs, und was wichtiger war, den Beifall der\n Sachkundigen erhielt. Ich raffte alles von hiesigen Aerzten und Chirurgen\n zusammen, stellte sie an, und besorgte zugleich durch den Magistrat ihre\n nothwendige Verpflegung. Freilich wurde ich deswegen, und weil ich durch\n Gr\u00fcndung der Lazarethe Gewalt brauchen und einstweilen viele Menschen\n verdr\u00e4ngen mu\u00dfte, allgemein gel\u00e4stert. Es ist unbeschreiblich, welche M\u00fche,\n Einsicht, Entschlossenheit und selbst Gewalt dazu geh\u00f6rt, schnell ein\n betr\u00e4chtliches Feldlazareth an Oertern anzulegen, wo durchaus keine\n Lazarethanstalten sind, und \u00e4u\u00dferst schwer ein hinl\u00e4nglicher Raum\n ausgemittelt werden kann. Dies habe ich besonders in meinen letzten vier\n Feldz\u00fcgen sehr oft empfunden; dies sind aber auch in der That die bittersten\n Tage meines Lebens gewesen, die mich oft zur Verzweiflung f\u00fchrten. Und doch\n rettete mich immer mein guter Genius und entflammte meinen Geist, da\u00df ich\n durch Eifer und Rastlosigkeit endlich alle Schwierigkeiten \u00fcberwand und zum\n Erstaunen der Oberen in einem Tage mehrere tausend Verwundete placirte und\n verpflegte.<br>\n Nachdem hier das Lazareth recht gut eingerichtet war, wurde ich in den\n 8ten Oktober dieses ungl\u00fccklichen Jahres durch eine Estafette\n beordert, mit Extrapost schleunigst nach Erfurt zu kommen. Ich langte durch die G\u00fcte der Herren Postmeister\n den 9ten ganz fr\u00fch hier an. Der Herzog befahl mir, hier ein Hauptlazareth\n anzulegen. Ich hatte nur einen Oekonomie-Beamten bei mir, weil das Lazareth\n unter Weges war. Indessen hatte ich durch Unterst\u00fctzung des Magistrats,\n binnen 12 Stunden, Lazarethr\u00e4ume f\u00fcr 10000 Kranke ausgemittelt, und alle\n Wohnungen, S\u00e4le und Zimmer numeriert und eingetheilt. Dies war in\n Erfurth eben nicht sehr schwer, der vielen hier befindlichen Kl\u00f6ster wegen.\n Ich hatte die mehrsten Nonnenkl\u00f6ster, bis auf eins, das reichste und\n gr\u00f6\u00dfeste, eingenommen. In diesem wurden alle \u00fcbrigen Nonnen aufgenommen, und\n jene Kl\u00f6ster aufs schleunigste ger\u00e4umt. Da\u00df dies nicht ohne einige Gewalt\n und manche Kr\u00e4nkung vieler w\u00fcrdiger Personen geschehen konnte, ist\n begreiflich und hat mir viele Seufzer ausgepre\u00dft. Der folgende Tag, als der\n 10te Oktober, war der erste ungl\u00fcckliche Tag f\u00fcr die Armee und den\n Staat; gerade da ich mich mit den vorz\u00fcglichsten Officiren der Armee bei\n dem Herrn General-Lieutnant von R\u00fcchel zur Tafel setzen wollte, kam die\n Nachricht von der Affaire bei Saalfeld, wobei zugleich der ungl\u00fcckliche Fall\n des erhabenen Prinzen und Helden angek\u00fcndigt wurde. Alles st\u00fcrzte zu Pferde\n und ich auf den Wall zu den Lazarethen, da denn nach und nach mehrere\n hundert Verwundete ankamen. M\u00fcde und ersch\u00f6pft geno\u00df ich erst einige Speise\n zu Mitternacht.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Den 13ten um zwei Uhr mittags erhielt\n ich von dem Herzoge eine Estafette, angesichts dieses mir dem eben\n angekommenen Lazarethe nach K\u00f6lleda in Sachsen, unweit von Auerst\u00e4dt\n aufzubrechen. Wir marschierten die ganze Nacht, und wurden am Morgen\n durch entfernte Kanonensch\u00fcsse aufmerksam. Diese vermehrten sich, so da\u00df wir\n bis Mittag 10 Uhr, da der schreckliche Nebel verschwand, selbst das kleine\n Gewehrfeuer unterscheiden konnten. So heftig die Kanonade war, so wenig\n befremdete mich dies, weil ich sie doch schon, z.B. bei Kolberg zu Wasser\n und Lande heftiger geh\u00f6rt hatte. Da unsere Armee in allen meinen vorherigen\n Feldz\u00fcgen gesiegt hatte, erfreute ich mich \u00fcber dies Get\u00f6se und munterte\n meine Gef\u00e4hrten auf, zu eilen, um das Lazarett etablieren zu k\u00f6nnen. Da das\n ambulierende Lazarett schon vorher angelangt war, fand ich alles vorbereitet\n und war ruhig, den besten Ausgang hoffend, zum Empfang der Blessierten\n bereit.<br>\n Doch wie sah ich mich in meinen sch\u00f6nen Hoffnungen get\u00e4uscht; ich ziehe\n hier\u00fcber einen Schleier, mein Herz ist zugepre\u00dft, denn ich habe dar\u00fcber zu\n viel gelitten. Ich schlo\u00df mich mit meinem Lazarethe an unsere Armee, verband\n auf dem Wege alles, was sich n\u00e4herte und langte endlich nach mancherlei\n Leiden und uns\u00e4glichen Beschwerden - davon im Frieden kein Mensch einen\n Begriff hat, auch nicht erhalten kann - den 18ten Oktober in Magdeburg an.<br>\n Hier erhielt ich von dem Gouvernement den Befehl, sogleich Lazarethe f\u00fcr\n alle ankommenden Verwundeten zu besorgen. Die Ausf\u00fchrung dieses Befehls war\n wieder mit den gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten verkn\u00fcpft, weil auch das gro\u00dfe\n Magdeburg durchaus kein gutes Lokal f\u00fcr gute Lazarethe hat. Da sich hier\n aber bald \u00fcber 4000 Blessierte versammelten, darunter \u00fcber 200 Offiziere\n befindlich waren, wurde der Befehl dringend und von mir in einigen Tagen\n erf\u00fcllt. Freilich mu\u00dfte ich auch hier viele gute Menschen kr\u00e4nken, doch\n st\u00f6rte ich blo\u00df das Vergn\u00fcgen der Einwohner, um den wohlt\u00e4tigen Endzweck zu\n erf\u00fcllen, alle Verwundeten zu verbinden und zu verpflegen. Ich w\u00e4hlte daher\n viele \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, selbst die Loge, Harmonie, Domschule etc. und\n endlich noch das sch\u00f6ne Palais des Prinzen Louis zu Lazaretten.<br>\n Nach der Einnahme Magdeburgs, wurden auch alle kranken und\n verwundeten Franzosen hierher gebracht und meiner Aufsicht anvertraut.\n F\u00fcr diese wurden dann bald die besten H\u00e4user gew\u00e4hlt. Binnen zwei Monate war\n ich so gl\u00fccklich, 2600 preu\u00dfische Verwundete zu reconvalesciren, und da nun\n auch die mehresten verwundeten Franzosen geheilt waren, erhielt ich nach\n vielem Bitten einen Pa\u00df und die Erlaubnis nach Berlin reisen zu d\u00fcrfen.<br>\n Hier wurde mir von dem franz\u00f6sischen Gouvernement ein Pa\u00df nach Preu\u00dfen zur\n Armee durchaus abgeschlagen, zugleich aber versichert, da\u00df ich hier v\u00f6llig\n frei sein sollte, wenn ich nur als Arzt mich der Lazarethe annehmen wollte.\n Ich unterzog mich diesem freilich, weil ich mu\u00dfte und \u00fcbernahm zugleich\n mein Lehramt in der Charit\u00e8. Hier lagen in den Hauptzimmern 600\n Kranke von der Garde; diese lernten mich und unsere Wund\u00e4rzte bald\n kennen, vertrauten sich diesen und wurden gl\u00fccklich geheilet, welches mit\n dem lebhaftesten Dank erkannt wurde. Bald nachher etablierte ich hier auch\n ein Lazareth f\u00fcr die preu\u00dfischen Kranken und Verwundeten, die sich\n hier von verschiedenen Regimentern befanden und sehr ungl\u00fccklich waren. Ihre\n Verpflegung wurde von der Stadt besorgt.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Fr\u00fchjahr 1807 starb der Professor Zenker an b\u00f6sartigem\n Nervenfieber. Dadurch wurde ich v\u00f6llig verhindert, meinen gefa\u00dften Entschlu\u00df\n zu erf\u00fcllen und der Armee in Preu\u00dfen zu folgen. Indessen habe ich hier als\n Lehrer und Arzt sowohl in der Stadt als in den Lazarethen so kr\u00e4ftig\n gewirkt, da\u00df ich nicht nur allgemeinen Beifall erhielt, sondern auch bei mir\n selbst vollkommen gerechtfertigt war.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Den 1ten Juny 1809 wurde ich von Sr. K\u00f6nigl. Majest\u00e4t, da die Armee\n verkleinert worden war, als General-Chirurgus in den Ruhestand\n gesetzt. Se. K\u00f6nigl. Majest\u00e4t ertheilten mir allergn\u00e4digst eine Pension mit\n der huldreichsten Versicherung, da\u00df ich Professor der Chirurgie und\n dirigierender Wundarzt in der Charit\u00e8 bleiben sollte.<br>\n In diesem Jahre im Dezember wurde das Collegium-medico-chirurgicum\n aufgehoben. Indessen erhielten wir Professoren bald darauf die\n Anweisung, alle unsere Gesch\u00e4fte und Obliegenheiten nach wie vor zu\n verrichten, welches auch bis dieser Stunde geschehen ist. Ob das\n Collegium, das soviel Aerzte, und vorz\u00fcgliche Wund\u00e4rzte erzogen hat, - und\n wahrlich mit allen in Europa an Wissenschaft und Kunst wetteifern k\u00f6nnen, -\n wieder hergestellt werden wird, ist noch nicht bestimmt. Es w\u00e4re ein gro\u00dfer\n Verlust f\u00fcr die Menschheit und Wissenschaft.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Im Jahre 1810 wurde ich bei der wissenschaftlichen Deputation\n als Mitglied angesetzt, das einigerma\u00dfen das vorige\n Ober-Collegium-Medicum ersetzen soll.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">So viel f\u00fcr die mal von meiner <\/font><font size=\"2\">Lebensgeschichte die ich f\u00fcr einige\n meiner Freunde, um ihre wiederholten W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen, ausgesetzt\n habe.<br>\n Wenn ich meine nun beinahe f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Laufbahn \u00fcbersehe, so habe ich\n die gr\u00f6\u00dfte Ursache, der Vorsehung zu danken, die mich darin wunderbar\n geleitet und bis jetzt so gl\u00fccklich erhalten hat. Ich habe in diesen Jahren\n freilich viele Dornen gefunden, aber doch mehrere Blumen gebrochen und ich\n habe darin viel Not, Kummer und Leiden gehabt, aber doch im Ganzen mehrere\n gl\u00fcckliche und freudige Tage erlebt. Gr\u00f6\u00dftenteils habe ich das Gl\u00fcck gehabt,\n gesund und frohen Mutes zu sein. Nie habe ich bei meinen h\u00e4ufigen\n Verwaltungen der Lazarethe ein ansteckende Krankheit erlitten, die schon\n ausgef\u00fchrte Kr\u00e4tze ausgenommen; bin nie in allen meinen sechs Feldz\u00fcgen\n bedeutend krank gewesen und habe au\u00dferdem nur zweimal Entz\u00fcndungsfieber\n gehabt. Au\u00dferdem habe ich best\u00e4ndig bis diesen Augenblick eine dauerhafte\n Gesundheit genossen, so da\u00df ich auch jetzt noch die volle Kraft meines\n Leibes und Geistes besitze, um meine wichtigen Gesch\u00e4fte ungest\u00f6rt mit\n jugendlicher Munterkeit verrichten zu k\u00f6nnen. Wie sehr ich diese Gesundheit\n und die F\u00e4higkeiten meines Geistes genutzt, ist allgemein bekannt, gew\u00e4hret\n mir die reinsten Freuden und einen ruhigen Blick in die Ewigkeit.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Wenn ich die Summe meiner Taten z\u00e4hlen und\n anf\u00fchren sollte, so w\u00fcrde ich noch viele Bogen anf\u00fcllen und dadurch auch\n noch n\u00fctzlich werden k\u00f6nnen. Doch dies behalte ich mir vor, bis ich einmal\n meine ausf\u00fchrlichere Biographie der Welt - vielleicht erst nach meinem Tode\n - mitteilen werde.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Da ich so viele Gelegenheit gehabt habe, -\n vielleicht mehr als irgendein Wundarzt in der Welt - alle chirurgischen\n Operationen so h\u00e4ufig und gl\u00fccklich zu verrichten, und diese - wenigstens\n die wichtigsten - aufgezeichnet habe, so wird diese Anzeige, mit einem\n Raisonnement begleitet, nicht unwichtig, nicht ohne Nutzen sein. Daher sei\n es mir erlaubt, hier nur etwas von meinen Lieblingsoperationen, die ich binnen 40\n Jahren am h\u00e4ufigsten verrichtet habe, anzuf\u00fchren. Ich habe die Operation\n des grauen Stars durch die Ausziehung der Linse neunhundert und acht mal\n verrichtet. Davon sind 41 v\u00f6llig verungl\u00fcckt, dagegen haben 867 mehr\n oder weniger ihr Gesicht wieder erhalten, davon ich auch in der Folge eine\n bestimmtere Anzeige machen werde.<\/font><\/p>\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Da ich hier vor 24 Jahren als Professor\n der Chirurgie angestellt wurde, verrichtete hier in Berlin keiner\n diese Operation, wie sie denn damals noch in unsern Staaten von den\n einheimischen Wund\u00e4rzten \u00e4u\u00dferst selten verrichtet wurde. Es fanden sich\n dann j\u00e4hrlich sogenannte Oculisten aus fremden L\u00e4ndern ein, die hier zwar\n alle Blinden zu heilen laut verk\u00fcndeten, aber wahrlich sehr wenigen ihr\n Gesicht wieder verschafften. Hatten auch einige die F\u00e4higkeit, die Operation\n zu machen, so waren sie doch wegen ihrer gro\u00dfen Unwissenheit nicht im\n Stande, den geringsten widrigen Zufall zu heben, folglich erblindeten die\n meisten wieder. So reisten dann mit viel klingendem Gewinn - den sie durch\n mancherlei List und Betrug erwarben - davon und \u00fcberlie\u00dfen die Ungl\u00fccklichen\n ihrem Schicksal. Diese habe ich denn endlich alle verscheucht, so da\u00df sich\n seit vielen Jahren keiner mehr sehen l\u00e4\u00dft. Ich habe mich eifrigst bem\u00fcht,\n nicht nur Aerzte und Wund\u00e4rzte in dieser Operation zu unterrichten, sondern\n ihnen auch Gelegenheit, sie zu machen verschafft und besonders\n aufgemuntert, sie, als die heilsamste, angenehmste und belohnenste durchaus\n und \u00fcberall zu verrichten. Dies hat sehr gefruchtet. Es verrichten jetzt\n nicht nur in Berlin viele Wund\u00e4rzte diese Operation, sondern auch in den\n Provinzen, doch hier aber noch immer seltener als ich es\n w\u00fcnschte.<\/font><\/p>\n\n\n\n<p align=\"left\"><font size=\"2\">Diese Operation hat mir die gr\u00f6\u00dfte Freude\n verschafft, ja, \u00f6fters in Entz\u00fcckung gesetzt. Sie ist weder sehr\n schmerzhaft, noch blutig, noch mit Verst\u00fcmmelung verbunden, und der Erfolg\n gr\u00f6\u00dftenteils gl\u00fccklich und schnell, wenn man nur in der Wahl der Augen\n gr\u00fcndlich verf\u00e4hrt und nicht komplizierte Stare oder bei Krankheiten\n operieren will. Welch Gl\u00fcck f\u00fcr den Operateur, wenn er dem blinden Vater\n einer Familie, die vielleicht lange im Kummer und Armut geschmachtet hat,\n sogleich sein Gesicht wieder verschafft, ihm den edelsten Sinn, der Gattin\n ihren Mann, den jammernden Kindern ihren Vater wiedergibt!<br>\n Er wird gleichsam ein Sch\u00f6pfer und Erhalter dieser Familie, die ohne diese\n Hilfe vielleicht umkommen oder doch in Armut und Gram verk\u00fcmmert w\u00e4re. Wen\n dies nicht aufmuntert zum Flei\u00df, nicht antreibt zur gr\u00fcndlichen Erlernung\n dieser Operation und aller damit verbundenen Augenkrankheiten, der verdient\n nicht den Namen eines echten Wundarztes und entbehrt auch die gr\u00f6\u00dften\n Freuden eines Chirurgen.<\/font><br>\n<\/p>","genealogie":"Vater: Tuchmacher in Stolpe\/Hinterpommern\n\nEhefrau: M\u00e4dchen aus Potsdam\n\nKinder: 7 Kinder; 1811 sind noch 2 T\u00f6chter am Leben","primaer":null,"sekundaer":["<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/7431\" class=\"link-hover text-primary\">Erste und letzte Antwort auf die des Herrn Mursinna und Bock wider ihn herausgegebene Schriften<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/7437\" class=\"link-hover text-primary\">Christian Ludwig Mursinna, ein gro\u00dfer Sohn der Stadt Stolp<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/7438\" class=\"link-hover text-primary\">Christian Ludwig Mursinna<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/8797\" class=\"link-hover text-primary\">Eine medicinisch-polemische Probeschrift von den Canthariden gegen Herrn Hofrath Tralles ... und vom Nachgeburtsgesch\u00e4fte gegen Herrn Regimentsfeldscheerer Mursinna<\/a>"],"berlinaufenthalte":[],"fach":["Medizin","Chirurgie"],"institution":["Charit\u00e9"],"ort":[],"verein":["Humanit\u00e4tsgesellschaft","Gesellschaft f\u00fcr Natur- und Heilkunde"],"quellen_liste":null,"quellen_allgemein":""}}