
{"meta":{"meta-title":"Daniel Jenisch < Personen","meta-description":"Daniel Jenisch < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/539","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/539","zitat":{"bereich":"Person","bearbeitet":"","titel":"Daniel Jenisch"},"count":{"lebensdaten":10,"namensformen":0,"genealogie":0,"biographie":1,"werke":2,"berlinaufenthalte":0,"register":1,"quellen":0},"translations":"personen","breadcrumb":[{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen","text":"Personen"},{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/539","text":"Daniel Jenisch"}]},"data":{"id":539,"zusatz_id":539,"meta":{"meta-title":"Daniel Jenisch < Personen","meta-description":"Daniel Jenisch < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/539","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/539"},"title":"Daniel Jenisch","nachname":"Jenisch","vorname":"Daniel","lexikal-name":null,"titel":"","adelstitel":"","adelspraedikat":"","geburtsdatum":"02.04.1762","geburtsort":"Heiligenbeil (Ostpreu\u00dfen)","geburtsland":null,"staatsangehoerigkeit":"","geschlecht":"m\u00e4nnlich","konfession":"evangelisch-lutherisch","sterbedatum":"09.02.1804","sterbeort":"Berlin ","sterbeland":null,"berufe":{"0":"Polyhistoriker","1":"Philosoph","2":"Publizist","7":"Theologe"},"vereine":[],"bekanntschaften":{"2":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/922\" class=\"link-hover text-primary\">Johann Friedrich Abegg (Theologe)<\/a>","1":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/664\" class=\"link-hover text-primary\">Fran\u00e7ois Th\u00e9odore Lagarde (Verleger)<\/a>","0":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/558\" class=\"link-hover text-primary\">Karl Philipp Moritz (Schriftsteller)<\/a>"},"dynastie":null,"geburtsname":null,"gebadelspraedikat":"","gebtitel":"","geschieden":null,"verwitwet":null,"pseudonym":null,"namensvarianten":null,"namensaenderung":null,"lebenslauf":"\n\n<p class=\"MsoNormal\"><b>1762<\/b><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\"><br>\n<\/span><\/b>Daniel Jenisch\nwird am 2. April in Heiligenbeil\/ Ostpreu\u00dfen in<br>\neinfachen Verh\u00e4ltnissen geboren. \u00dcber seine Eltern ist nichts bekannt.<br>\n<span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\"><br>\n<\/span><b>1780<\/b><br>\nJenisch studiert in K\u00f6nigsberg Philosophie und Theologie. Er h\u00f6rt bei<br>\nJohann Georg Hamann und Emmanuel Kant. Nach dem Abschlu\u00df seines Studiums<br>\ngeht Jenisch nach Braunschweig und \u00fcbernimmt eine Anstellung als Hofmeister.<br>\nIn dieser Zeit unternimmt Jenisch eine kurze Reise nach Holland.<br>\n<br>\n<b>1786<\/b><br>\nJenisch zieht nach Berlin. Er hofft, da\u00df ihm seine Referenzen als<br>\nKant-H\u00f6rer zugute kommen. Er lernt u.a. Erich Biester kennen.<br>\n<br>\n<b>1788<\/b><br>\nJenisch wird dritter Prediger an der Marienkirche. Zeitgleich versucht<br>\ner sich als Publizist einen Namen zu machen. In den folgenden Jahren<br>\nver\u00f6ffentlicht er mehrere Artikel in den einschl\u00e4gigen Zeitschriften der<br>\nAufkl\u00e4rung, wie das \"Berlinische Journal der Aufkl\u00e4rung\", die\n\"Deutsche<br>\nMonatsschrift\" und der \"Teutsche Merkur\".<br>\n<br>\n<b>1792<\/b><br>\nJenisch wird f\u00fcnfter Diakon an der Nicolaikirche. Im Juli publiziert<br>\nder auch auf literarischem Gebiet nach Anerkennung strebende Jenisch Teile<br>\nseines Heldengedichts \"Borussia\" auf Friedrich II. im \"Teutschen\nMerkur\".<br>\nWieland rezensiert das Epos wohlwollend, aber nicht \u00fcberschw\u00e4nglich: \"An<br>\nder Versifikazion der Borussia ist (soweit sich nach den Proben urteilen<br>\nl\u00e4\u00dft) \u00fcberhaupt mehr zu loben als zu tadeln\". Dennoch bem\u00e4ngelt er<br>\neinige Gleichnisse, die Jenisch offenbar von anderen Autoren \u00fcbernommen hat,<br>\nsowie einige \"\u00fcbel organisierte Verse\". (Teutscher Merkur, Bd. II,\nS.<br>\n430-435). 1796 bedecken Schiller und Goethe das Jenische Werk in<br>\nihren \"Xenien\" mit Spott. Xenie 268, Borussias betitelt, lautet: \"Sieben<br>\nJahre nun w\u00e4hrte der Krieg, von welchem du singest?\/ Sieben Jahrhunderte,<br>\nFreund, w\u00e4hrt mir dein Heldengedicht\".<br>\n<br>\n<b>1793<\/b><br>\nErnennung zum Professor an der Berliner Akademie der K\u00fcnste, der Bauakademie und am franz\u00f6sischen Gymnasium. An der Akademie \u00fcbernimmt Jenisch die Nachfolge seines F\u00f6rderers und Freundes Karl Philipp Moritz. Jenisch hatte f\u00fcr dessen \"Magazin zur Erfahrungsseelenkunde\" einige\nBeitr\u00e4ge verfa\u00dft.<br>\n<br>\n<b>1794<\/b><br>\nJenisch heiratet Henriette Diterich. Die Hochzeit mit der Tochter des Oberkonsistorialrats der St. Marienkirche hat keine beruflichen Auswirkungen, innerhalb der Kirche macht Jenisch keine gro\u00dfe Karriere. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.<br>\n<br>\n<b>1795<\/b><br>\nEin literarischer Disput zwischen Jenisch und Goethe endet f\u00fcr den Berliner Prediger dem\u00fctigend: Im M\u00e4rz erscheint im \"Berlinischen Archiv\nder Zeit und ihres Geschmacks\" anonym sein Text \"\u00dcber Prose und\nBeredsamkeit der Deutschen\". Nach der dort formulierten These h\u00e4ngt die Qualit\u00e4t der Literatur eines Landes mit der Stufe seiner kulturellen Entwicklung zusammen. Jenisch kritisiert die deutsche Literatur und ihre \"Armseligkeit, an vortrefflichen classisch-prosaischen Werken jeder Gattung\".&nbsp; Er f\u00fchrt diesen Mangel auf die fehlende\nBindung der Literatur an gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse zur\u00fcck. Durch die Distanz von Kunst und Gesellschaft&nbsp; entstehe in Deutschland anders als etwa in Frankreich keine Prosa, sondern vor allem Dichtkunst. Ausgleichend fordert Jenisch am Beispiel des Nachbarn \"ein gewisses geselliges Ebenmaa\u00df und harmonisches Spiel der Seelenkr\u00e4fte unter einander\".<br>\n<br>\nIm Aufsatz beurteilt Jenisch einzelne Autoren, wenngleich sie nicht namentlich genannt werden. Von Goethe hei\u00dft es vermeintlich, er sei ein Autor, der \"alles gl\u00fccklicher empfindet, als darstellt, und wenigstens kein classischer Prosaiker\".<br>\n<br>\nGoethe wittert hinter der Anonymit\u00e4t einen Anh\u00e4nger der Revolution, zumal\ndas \"Berlinische Archiv\" im Ruf steht, mit den Ereignissen in Frankreich zu sympathisieren. Seine in den \"Horen\" ver\u00f6ffentlichte Gegendarstellung \"Literarischer Sansc\u00fclottismus\", l\u00e4\u00dft an Jenisch\nkein gutes Haar. Goethe empfindet dessen Thesen als \"ungebildete Anma\u00dfung, womit\nman sich in einen Kreis von besseren zu dr\u00e4ngen, ja Bessere zu verdr\u00e4ngen und sich an ihre Stelle zu setzen denkt. (...) Viel zu sp\u00e4t kommt der<br>\nHalb-Kritiker, der uns mit seinem L\u00e4mpchen vorleuchten will; der Tag ist angebrochen, und wir werden die L\u00e4den nicht wieder zumachen\". Goethes Tadel gipfelt in der heftigen Aussage \u00fcber \"den mi\u00dflaunischen Krittler\": \"Man entferne ihn aus der Gesellschaft, aus der man\njeden ausschlie\u00dfen sollte, dessen vernichtende Bem\u00fchungen nur die Handelnden mi\u00dfmutig, die Teilnehmenden l\u00e4ssig und die Zuschauer mi\u00dftrauisch und<br>\ngleichg\u00fcltig machen k\u00f6nnte\". (Goethe:\n\u00c4sthetische Schriften 1771-1805, S.<br>\n320-324).<br>\n<br>\nGoethes egozentrische Reaktion wirkt \u00fcberzogen und in gewisser Weise antigesellschaftlich, da sie die diskursive Funktion eines Kritikers ablehnt und nur eine Meinung anerkennt. Zudem kommt sie zu schnell. Jenischs Text war auf zwei Teile angelegt. Die Fortsetzung, die einige Passagen relativiert und erkl\u00e4rt h\u00e4tte, wartet Goethe nicht ab. Allerdings ist Jenischs Aufsatz schon vor seiner Ver\u00f6ffentlichung nicht unumstritten. Die Herausgeber wehren sich in einer eigens verfa\u00dften Vorbemerkung \"einen gewissen schneidenden absprechenden Ton gleichsam gut zu hei\u00dfen\".<br>\n<br>\nWilhelm v. Humboldt tritt in dieser Aff\u00e4re als Agent der Weimarer auf. In seinen Briefen an Schiller kolportiert er die Autorenschaft Jenischs und versorgt seinen Freund mit teilweise h\u00e4mischen Neuigkeiten. Am 26. Oktober schreibt er: \"Jenisch will eine Ehrenrettung der \"Horen\"\nschreiben und sie Gentzen f\u00fcr seine \"Monatsschrift\" geben. Es versteht sich, da\u00df\ndieser sie nicht annimmt\" (Briefwechsel\nSchiller-Humboldt, Bd. 1, S. 196).<br>\n<br>\nSeine eigentliche Gegendarstellung ver\u00f6ffentlicht Jenisch im \"Berlinischen Archiv\", wo er Goethe zustimmt und sich bem\u00fcht, das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis auszur\u00e4umen. Goethe und Schiller strafen ihn im Folgenden mit Nichtachtung, ausgenommen in der 268. \"Xenie\" (s.o.). Eine W\u00fcrdigung\ndes Wilhelm Meister von Jenisch ignoriert Goethe ebenso, wie andere Schriften und Jenischs Ann\u00e4herungsversuche. <\/p>\n\n\n<p class=\"MsoNormal\"><br>\n<b>1796<\/b><br>\nJenischs Antwort auf die Preisfrage der Akademie der Wissenschaften nach der \"Vergleichung der Hauptsprachen Europas\", sowohl der \u00e4lteren\nund neueren wird ausgezeichnet. Er erh\u00e4lt 50 Dukaten f\u00fcr seine \"Philosophisch-kritische Vergleichung und W\u00fcrdigung von 14 \u00e4ltern und\nneuern Sprachen Europens\". <br>\n<br>\nAuch in der heutigen Forschung wird diese Schrift gew\u00fcrdigt. Brigitte Schlieben-Lange und Harald Weydt bewerten sie als \"einen\nbemerkenswerten, koh\u00e4renten und originellen Beitrag zum Sprachdenken seiner Zeit. Man kann sogar sagen, da\u00df er einige Gesichtspunkte, die sp\u00e4ter, zu Anfang des 19. Jahrhunderts, gerade die St\u00e4rke der deutschen Sprachphilosophie ausmachen, als einer der ersten explizit formuliert. Dies gilt ganz sicher f\u00fcr die W\u00fcrdigung der Vielfalt der Sprachen, gegen die Annahme einer gro\u00dfen Einheitlichkeit im Stil durch die Allgemeine Grammatik und gegen die Behauptung einer Hegemonie einer bestimmten Sprache\". (in: Sprache und Sprachen in Berlin um 1800, S. 238).<br>\n<br>\n<b>1797<\/b><br>\nIm Juli unternimmt Jenisch eine Reise nach Weimar. Er trifft Goethe und Herder. Goethe vermerkt in den Tageb\u00fcchern nur ein gemeinsames Mittagsessen, das dem anwesenden B\u00f6ttiger zufolge positiv verl\u00e4uft. Dieser schreibt an F. A. Caraus: \"Jenisch ist einer der besten K\u00f6pfe in Berlin. Seine\nKritik des Wilhelm Meister findet Goethe selbst sehr gut\". (Goethe: Begegnungen und Gespr\u00e4che, Bd. IV, S. 324).<br>\n<br>\nHerder beh\u00e4lt ein abendliches Treffen allerdings anders in Erinnerung. 1799, anl\u00e4\u00dflich eines literarischen Streites in Berlin, in den Jenisch verwickelt ist, schreibt er an Klopstock: \"Ich habe diesen Prediger vor einigen Jahren in meinem Haus kennen lernen m\u00fcssen, und er ward den kleinsten der Gesellschaft l\u00e4cherlich, der gr\u00f6\u00dfte und unbedachtsamste Schw\u00e4tzer, den ich w\u00e4hrend meines leidigen Lebens kennen gelernt habe, dem Sprechen und Schreiben eine gesunde Diarrh\u00f6e ist. (...). Kurz, der Mensch<br>\nist keines Andenkens, geschweige einer Erw\u00e4hnung werth; er ist auch Dichter der Borussias, des gro\u00dfen Heldengedichts in zwei Octav-B\u00e4nden, das niemand gelesen hat als der Verfasser\". (Herder: Briefe, Bd. 8, S. 106.)<br>\n<br>\n<b>1798<\/b><br>\nDer Theologe Johann Friedrich Abegg trifft w\u00e4hrend seines Berliner Aufenthaltes mit Jenisch zusammen. Er schildert die Begegnung wie folgt: Zu dem Prediger Jenisch f\u00fchrte mich ein gewisser Herr Theodor, ein j\u00fcdischer Gelehrter voll Kraft und Unbefangenheit und \u00fcberaus gef\u00e4llig. Wir trafen Jenisch an, wie er aus der Bibliothek heimging. Er hatte einige B\u00fccher der Angerschen franz\u00f6sischen \u00dcbersetzung des Demosthenes unterm Arm,<br>\nund das Gespr\u00e4ch fiel auf Demosthenes, um so mehr, da er eben an der \u00dcbersetzung der 1. Philippica und einiger anderen Reden von Demosthenes und Cicero arbeitet, um hierbei Gelegenheit zu nehmen, beide Genies miteinander zu vergleichen, und \u00fcber das Gemeinschaftliche derselben Reflexionen zu machen. Auch seine j\u00fcngste Preisschrift \u00fcber die gegenseitigen Vorz\u00fcge der&nbsp; Alten und Neuen sprach er viel. Letztere Abhandlung ist noch nicht ganz abgedruckt, auch das Manuskript seiner \u00dcbersetzung der Philippica las<br>\ner mir vor. Ich machte ihm einige Bemerkungen und fragte ihn hernach auch: ob er nicht Herder gemeint habe in seinem Buch \u00fcber Wilhelm Meister, wie er eines gewissen Prosaisten erw\u00e4hnt habe, der das nicht w\u00e4re, was er seyn k\u00f6nnte. 'Haben Sie dies erraten?' sagte er und lachte laut auf. 'Ich war vor kurzem bei Herdern selbst. Dieser erz\u00e4hlte mir, da\u00df seine Frau, w\u00fcrklich eine sehr gebildete&nbsp; gelehrte Frau, mit gro\u00dfem Interesse sein Buch \u00fcber Meister gelesen habe. Diese delikate Frau mu\u00df es ihm nicht gesagt haben' - 'oder Er ihr nicht?' - Er spricht zu viel selbst. So arbeitet er auch in einem Zuge fort an einer Arbeit, voll Kenntnis und Gelehrsamkeit. Er bat mich dringend ihn wieder zu besuchen\" (Abegg 1987, S. 110)<br>\n<br>\n<b>1799<\/b><br>\nErnennung zum vierte Diakon an der Nicolaikirche. <br>\nPublizistisch macht Jenisch mit der polemischen Schrift \"Diogenes\nLaterne\" auf sich aufmerksam. Die Romantik als neue Literaturstr\u00f6mung ist das Ziel seiner Satiren. Dabei schreckt Jenisch nicht vor antisemitischen \u00c4u\u00dferungen, anspielend auf Friedrich Schlegels Frau Dorothea, die Tochter Moses Mendelsohns, zur\u00fcck. Die Br\u00fcder Schlegel antworten mit einer ironischen Notiz im Athen\u00e4um: \"Der Verfasser der Borussias ist eben am hundert\nzwey und zwanzigsten Gesange seiner Jenischias, eines Heldengedichts in<br>\nHexekontametern, das fortgesetzt wird. In diesem Gesange beschreibt er, wie er einmal als Studium der Borussias alle seit Erschaffung der Welt geschriebenen Heldengedichte in vierzehn Tagen durchgelesen. Seine ber\u00fchmte Fehde mit dem Magister Reinhard wegen einer Brieff\u00e4lschung hofft er in zehn Ges\u00e4ngen abzuthun; die Vergeichung von vierzehn Sprachen zum&nbsp; Behuf einer Preisaufgabe der Berliner Akademie ebenfalls. Die Erfindung der gestirnten Oden, n\u00e4mlich solcher, die h\u00e4ufig durch drey Sternchen in Abs\u00e4tze gesondert werden, weil in einem Strich fort zu langweilig sein w\u00fcrden, soll<br>\neinstweilen den Beschlu\u00df machen\". (Athen\u00e4um II,2, S. 332 ff.).<br>\n<br>\n<b>Ab 1800<\/b> <br>\nJenisch schreibt und publiziert universalhistorische Schriften, darunter die dreib\u00e4ndige Kulturgeschichte \"Geist und Charakter des 18.\nJahrhunderts\". Die \"Conduitenlisten\", die \u00fcber kirchliche Angelegenheiten Buch\nf\u00fchren, erw\u00e4hnen 1800 eine l\u00e4ngere Krankheit. Zudem steckt die Familie in Geldn\u00f6ten. Ein Jahr\nzuvor hatte sich Jenisch mit der Bitte an den K\u00f6nig gewand, ihm mehr Geld f\u00fcr seine verschiedenen T\u00e4tigkeiten zur Verf\u00fcgung zu stellen. Zur selben Zeit erfolgt die Bef\u00f6rderung zum vierten Diakon der Nicolaikirche. Ein Predigergehalt um 1800 betr\u00e4gt etwa 200 Taler im Jahr.<br>\n<br>\n<b>1804<\/b><br>\nDie Umst\u00e4nde von Jenischs Tod sind nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Offenbar ertr\u00e4nkt sich der Prediger am 9. Februar in der Spree. Ein am Ufer gefundener Regenschirm weist auf Selbstmord hin. Andere Quellen sprechen davon, da\u00df Jenisch sich in ein Kloster zur\u00fcckgezogen habe. Offiziell kann Jenisch nicht f\u00fcr tot erkl\u00e4rt werden. Aus diesem Grund erf\u00e4hrt die Witwe Henriette von Seiten der Kirche keine finanzielle Unterst\u00fctzung mehr. Die freie Predigerstelle wird schon am 15. Februar, sechs Tage nach Jenischs Verschwinden, neu besetzt.<br>\n<br><b>\n1806<\/b><br>kommt es zu einem Mi\u00dfverst\u00e4ndnis. Im Zusammenhang mit der Verhaftungswelle von Napoleongegnern wird ein Augsburger Buchh\u00e4ndler mit dem Namen Jenisch festgesetzt. Henriette vermutet dahinter ihren Mann. Nachforschungen ergeben jedoch, da\u00df dieser den Vornamen Karl Friedrich tr\u00e4gt.<br>\n<br>\n----------------------------------------<br>\n<br>\nDaniel Jenisch studierte in K\u00f6nigsberg Theologie und Philosophie unter anderem\nbei Kant. Das Studium schlo\u00df er mit dem Magistergrad ab. 1786 siedelte er nach Berlin \u00fcber, wurde erst dritter Prediger an der Marienkirche und sp\u00e4ter vierter Diakon an St. Nicolai. Auch um die Wissenschaft machte sich Jenisch verdient. 1793 \u00fcbernahm er die Professuren f\u00fcr Altertumskunde an der Berliner Akademie der bildenden K\u00fcnste, f\u00fcr<br>\nGesch\u00e4ftsstil an der Bauakademie und f\u00fcr deutsche Literatur am franz\u00f6sischen Gymnasium. All diese T\u00e4tigkeiten verdeutlichen den weiten Interessenshorizont des Sp\u00e4taufkl\u00e4rers und Kantianers. Jenisch verk\u00f6rperte den\nf\u00fcr das 18. Jahrhundert typischen Universalgelehrten, er mu\u00df zu den Intellektuellen der Zeit um 1800 in Berlin gerechnet werden. Er ver\u00f6ffentlichte zahlreiche Schriften zur Philosophie und insbesondere zu Kant, sowie zu theologischen, philologischen oder sprachwissenschaftlichen Themen. Seine historischen Schriften vermitteln Einblicke in die entstehende Geschichtswissenschaft. Nicht zuletzt verstand sich Jenisch als Wissenschaftstheoretiker. Zwischen 1786 und 1804 publizierte er 30 B\u00fccher. Dar\u00fcber hinaus \u00fcbersetzte er englische und\nfranz\u00f6sische Texte ins Deutsche. Er ver\u00f6ffentlichte in den bekannten Zeitschriften der Zeit, u. a. im \"Berlinischen Journal der Aufkl\u00e4rung\" und im\n\"Teutschen Merkur\". Die Akademie der Wissenschaften ehrte ihn mehrfach f\u00fcr seine<br>\nVerdienste in Wissenschaft und Publizistik. Dennoch blieb ihm der entscheidende Durchbruch versagt. Finanziell waren seine Schriften kein gro\u00dfer Erfolg. Der Grund f\u00fcr die fehlende Anerkennung, besonders aus Weimar, ist wohl in seinem Auftreten zu suchen. Zudem hatte Jenisch Zeitlebens mit der Deutungshoheit zu k\u00e4mpfen, die andere innehatten. Goethes Kritik scheint aus heutiger Sicht nicht vollst\u00e4ndig nachvollziehbar. Die Folgen dagegen schon: Der zu aufdringlich um Aufmerksamkeit buhlende Prediger wird von den Weimarern und ihren Bekannten geschnitten, was einer intellektuellen Isolation gleichkommt.<br>\n<br>\nJenisch galt als schwieriger Zeitgenosse. Er litt an Depressionen und an einer \"Zerr\u00fcttung des Gedankensystems\".\nEin Biograph schrieb \u00fcber Jenisch und seine immer komplizierter werdenden Werke: Sein \"reizbar, leidenschaftlich gestimmtes Gem\u00fcht setzte ihren\nVerfasser zu weit \u00fcber die Schranken des ruhigen Nachdenkens hinaus\" und<br>\nverhinderte eine weiterf\u00fchrende Karriere. In seinen letzten Lebensjahren trat Jenisch oft als Verteidiger einer Gef\u00fchlsreligion auf. Infolge seiner\nSchwermut ertr\u00e4nkte er sich m\u00f6glicherweise in der Spree. Andere, unsichere\nQuellen sprechen davon, Jenisch sei aus Berlin fort in ein Kloster gegangen und dort verstorben. Im Ged\u00e4chtnis bleibt er durch einige wenige Schriften.<br>\n<br>\nSeine Frau Henriette gab im Zusammenhang mit dem Mi\u00dfverst\u00e4ndis von 1806 eine Beschreibung ihres Mannes an die Beh\u00f6rden, mit deren Hilfe sie ihn leichter identifizieren sollten. Darin hei\u00dft es: \"Er ist von mittlerer Gr\u00f6\u00dfe fein gebaut, ehr mager als stark. Sein ganzes \u00c4u\u00dferes verr\u00e4th den edlen geistvollen Mann. Sein Gang und seine Bewegungen sind rasch. In seinem ehmals sch\u00f6nen Gesicht m\u00fc\u00dfen sich jetzt tiefe Spuren von Schwermuth zeichnen. Er ist 44 Jahr alt. Die Form seines Gesichts ist l\u00e4nglich seine Farbe mehr wei\u00df als braun und recht lebhaft roth. Haar und Augen sind hellbraun und der \u00dcbergang von der Stirn zur Nase ist \u00e4u\u00dferst fein\". (zitiert nach: Sauder:\nJenisch-Ausgw\u00e4hlte Texte, S. 105).<br style=\"\">\n<!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br style=\"\">\n<!--[endif]--><\/p>\n\n\n<br>\n<br>\nSH<br style=\"\">\n<!--[if !supportLineBreakNewLine]--><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\"><br style=\"\">\n<!--[endif]--><\/span>","genealogie":"","primaer":["<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/1589\" class=\"link-hover text-primary\">Borussias in 12 Ges\u00e4ngen<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/1591\" class=\"link-hover text-primary\">Denkschrift auf Friedrich den Zweiten mit besonderer Hinsicht auf seine Einwirkung in die Cultur und Aufkl\u00e4rung des 18. 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