
{"meta":{"meta-title":"Carl Friedrich Leopold Gerlach < Personen","meta-description":"Carl Friedrich Leopold Gerlach < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/5822","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/5822","zitat":{"bereich":"Person","bearbeitet":"","titel":"Carl Friedrich Leopold Gerlach"},"count":{"lebensdaten":10,"namensformen":0,"genealogie":1,"biographie":1,"werke":0,"berlinaufenthalte":0,"register":2,"quellen":0},"translations":"personen","breadcrumb":[{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen","text":"Personen"},{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/5822","text":"Carl Friedrich Leopold Gerlach"}]},"data":{"id":5822,"zusatz_id":5822,"meta":{"meta-title":"Carl Friedrich Leopold Gerlach < Personen","meta-description":"Carl Friedrich Leopold Gerlach < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/5822","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/5822"},"title":"Carl Friedrich Leopold Gerlach","nachname":"Gerlach","vorname":"Carl Friedrich Leopold","lexikal-name":null,"titel":"","adelstitel":"","adelspraedikat":"von","geburtsdatum":"25.08.1757","geburtsort":"Berlin","geburtsland":null,"staatsangehoerigkeit":"","geschlecht":"m\u00e4nnlich","konfession":"","sterbedatum":"08.06.1813","sterbeort":"Berlin","sterbeland":null,"berufe":["Jurist","Politiker"],"vereine":[" <a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/geselligkeit\/20\" class=\"link-hover text-primary\">Montagsklub (gegr\u00fcndet: 10.1750 aufgel\u00f6st: 1936)<\/a>"],"bekanntschaften":[],"dynastie":null,"geburtsname":null,"gebadelspraedikat":"","gebtitel":"","geschieden":null,"verwitwet":null,"pseudonym":null,"namensvarianten":null,"namensaenderung":null,"lebenslauf":"Gerlach, Leopold d. \u00c4.<br>Pr\u00e4sident der kurm\u00e4rkischen Kriegs- und Dom\u00e4nenkammer<br>Berliner Oberb\u00fcrgermeister<b><br><br><br>1757<br><\/b>Karl Friedrich Leopold von Gerlach d. \u00c4. wird als Sohn des Kriegs- und Dom\u00e4nenrats der kurm\u00e4rkischen Kammer und sp\u00e4teren Geheimen Finanzrats Friedrich Wilhelm von Gerlach (1711-1780) und seiner Ehefrau Christine Sophie geb. Coeper am 25. August in Berliner geboren. Die Familie von Gerlach, aus der im Verlauf des 18. Jahrhunderts zahlreiche preu\u00dfische Verwaltungsbeamte hervorgehen, hat ihre Urspr\u00fcnge im Hessischen die Familie Coeper, ein Ratsherrengeschlecht, stammt aus Bremen. Im Geburtsjahr lebt die reformierte Familie Leopold von Gerlachs d. \u00c4. im Haus des Schwiegervaters, des Hofrats L\u00fcder Coeper, in der Friedrichsstadt.<b><br><br>1759<br><\/b>Tod der Mutter, Christine Sophie Coeper. Deren Schwester Antionette Coeper wird die Stiefmutter Leopold von Gerlachs.<br><b><br>1766<br><\/b>Der achtj\u00e4hrige Leopold von Gerlach besucht seit Ostern die Domschule in Halberstadt. Deren Rektor Christian Gottfried Struensee (1717-1782) wird sein Mentor. Ein Schwerpunkt dieser pietistischen Schule ist der altsprachliche Unterricht. Sp\u00e4ter wird Leopold von Gerlach eine ausgew\u00e4hlte Bibliothek griechischer und lateinischer Schriftsteller besitzen (vgl. Raumer 1861, S. 13)<b><br><br>1771<br><\/b>Ende des Jahres beendet Leopold von Gerlach die schulische Ausbildung als Primus Omnium.<b><br><br>1772<br><\/b>Am 24. April wird Leopold von Gerlach an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen immatrikuliert, wo bereits sein \u00e4lterer Bruder, Ludwig August Wilhelm von Gerlach, studiert. Sein Jurastudium absolviert er in erster Linie bei Johann Stephan P\u00fctter (1725-1807), zu dessen Sch\u00fclern auch vom Stein, Hardenberg, Vo\u00df und Haugwitz z\u00e4hlen.<b><br><br>1774<br><\/b>Leopold von Gerlach wechselt im Herbst von G\u00f6ttingen an die juristische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Halle.<b><br><br>1775<br><\/b>Nach Abschluss seiner Studienzeit kehrt Leopold von Gerlach zu Ostern nach Berlin zur\u00fcck. Im selben Jahr wird er Referendar am Kammergericht.<b><br><br>1777<br><\/b>Leopold von Gerlach begleitet gemeinsam mit dem Kammergerichtsrat Baumgarten und $ von Schleinitz den preu\u00dfischen Justizminister von F\u00fcrst auf dessen Visitationsreise zu den Gerichten in Westfalen und am Niederrhein. Eine private Reise nach Amsterdam schlie\u00dft sich an.<b><br><br>1779<br><\/b>Erneute Gerichtsvisitationsreise gemeinsam mit $ von Koenen. Im Herbst wird Leopold von Gerlach Assessor bei der kurm\u00e4rkischen Kriegs- und Dom\u00e4nenkammer.<b><br><br>1780<br><\/b>Leopold von Gerlach wird Rat bei der kurm\u00e4rkischen Kammer in Berlin. Am 29. Dezember Tod des verm\u00f6genden Vaters, Friedrich Wilhelm von Gerlach.<b><br><br>1786<br><\/b>Im April Eheschlie\u00dfung mit der gebildeten Tochter des f\u00fcrstlich-anhaltinischen Kanzleidirektors Leopold von Raumer, Agnes von Raumer, Stiftsfr\u00e4ulein, in Dessau. Das Ehepaar von Gerlach bezieht eine Wohnung im Haus des Bildhauers Eben in der Lindenstrasse (Gerlach 1987, S. 36).<b><br><br>1787<br><\/b>Am 16. M\u00e4rz Geburt der einzigen Tochter, Sophie, die 1804 den sp\u00e4teren General Karl Wilhelm Georg von Grolman heiraten wird.<b><br><br>1789<br><\/b>Am 10. Mai Geburt des \u00e4ltesten Sohnes Gustav Wilhelm, sp\u00e4terer Oberlandesgerichts-Vizepr\u00e4sident in Frankfurt an der Oder, verheiratet mit Ida von Chambaud-Charrier.<b><br><br>1790<br><\/b>Nach erfolgreicher zehnj\u00e4hriger T\u00e4tigkeit als Kriegs- und Dom\u00e4nenrat wird Leopold von Gerlach d. \u00c4. am 7. April von Friedrich Wilhelm II. zum Geheimen Finanzrat beim Generaldirektorium, der obersten Verwaltungsbeh\u00f6rde Preu\u00dfens mit Sitz im Schloss, ernannt. Gerlach \u00fcbernimmt mit diesem Amt im zweiten Departement des Generaldirektoriums die Oberaufsicht und Verwaltung des gesamten Finanz-, Dom\u00e4nen-, Steuer-, Gewerbe- und Kommunalwesens sowie in Teilen diejenige des Milit\u00e4rwesens (Schoeps 1963, S. 58$).<br>Am 17. September Geburt des Sohnes Ludwig Friedrich Leopold.<b><br><br>1791<br><\/b>Am 26. M\u00e4rz wird Leopold von Gerlach d. \u00c4. zum Mitglied der Gesetzkommission, einer Pr\u00fcfungsinstanz f\u00fcr Gesetzesentw\u00fcrfe, ernannt und ist somit an der Verabschiedung des preu\u00dfischen allgemeinen Landrechts beteiligt.<br><b><br>1792<br><\/b>Leopold von Gerlach d. \u00c4. wird am 19. Juni zum Mitglied der \u201eOber Examinations Commission\u201c ernannt, vor der die Verwaltungsreferendare ihre Pr\u00fcfung abzulegen hatten.<b><br><br>1793<br><\/b>Der sp\u00e4tere Historiker Friedrich von Raumer (1781-1873), ein Neffe Agnes von Gerlachs, kommt nach Berlin und lebt bis 1798 im Haus der Familie von Gerlach, das diese ein Jahr zuvor \u201evon dem Kriegsrat Gobbin f\u00fcr 19.000 Thaler Gold\u201c erworben hat und das sich `hinter der katholischen Kirche Nr. 1\u00b4\u201c, der Hedwigskirche, befindet; zu dem Anwesen geh\u00f6rt ein Nebenhaus in der Franz\u00f6sischen Strasse (Gerlach 1987, S. 43 mit Abb.; Schoeps 1963, S. 51$; Nicolai Beschreibung S. 205$).<br><b><br>1794<br><\/b>Am 9. Oktober wird Leopold von Gerlach d. \u00c4. Vizepr\u00e4sident des Oberrevisionskollegiums, \u201eals Teil des Generaldirektoriums die Appellationsinstanz in Angelegenheiten der sogenannten Kammerjustiz (Gerlach 1987, S. 42).<b><br><br>1795<br><\/b>Am 7. M\u00e4rz Geburt des Sohnes Ernst Ludwig, sp\u00e4ter erster Appellationsgerichtspr\u00e4sident, in erster Ehe verheiratet mit Auguste von \u00d6tzen, in zweiter Ehe mit Luise von Blanckenburg. Am 22. Dezember wird Leopold von Gerlach d. \u00c4. auf Empfehlung des Generaladjutanten Friedrich Wilhelm von Zastrow (1752-1830) an Friedrich Wilhelm II., dessen pers\u00f6nlich Bekanntschaft von Gerlach nun macht, als Nachfolger im Amt des verstorbenen kurm\u00e4rkischen Kammerpr\u00e4sidenten von M\u00fchlheim ernannt.<br><b><br>1796<br><\/b>Von Gerlach tritt mit Jahresbeginn die Leitung der Kurm\u00e4rkischen Kriegs- und Dom\u00e4nenkammer, die ihren Sitz im Schloss hat, an; zu den Hauptaufgaben dieser preu\u00dfischen Verwaltungseinrichtung z\u00e4hlt die Administration der Steuern sowie der k\u00f6niglichen Dom\u00e4neneinnahmen und ihr untersteht unmittelbar der Magistrat der Stadt Berlin, das st\u00e4dtische und l\u00e4ndliche Polizeiwesen und einzelne Bereiche des Milit\u00e4rwesens. Zu Fragen der politischen \u00d6konomie setzt sich von Gerlach u.a. mit Adam Smith auseinander (Schoeps 1963, S. 56-57$).<b><br><br>1800<br><\/b>Im Juli nimmt Leopold von Gerlach d. \u00c4., den geforderten Neuerungen abgeneigt, Stellung zu den Vorschl\u00e4gen des Geheimen Finanzrats August Heinrich von Borgstede, die Staatsverwaltung umzustrukturieren und hierf\u00fcr die preu\u00dfische Kammernverwaltung einer ver\u00e4nderten hierarchischen Entscheidungslinie zu unterstellen. Auch die Abschaffung der Kammerjustiz lehnte von Gerlach unter seiner Pr\u00e4sidentschaft ab.<br><b><br>1801<br><\/b>Am 12. April Geburt des j\u00fcngsten Sohnes Karl Friedrich Otto, sp\u00e4terer Konsistorialrat sowie Hof- und Domprediger, verheiratet mit Pauline von Blanckenburg.<b><br><br>1804<br><\/b>Sophie von Gerlach heiratet den Leutnant und sp\u00e4teren General Karl Wilhelm Georg von Grolman (1777-1843).<b><br><br>1805<br><\/b>Leopold von Gerlach d. \u00c4. erwirbt f\u00fcr 106 000 Taler in der Neumark von Henning von der Osten das Gut Rohrbeck.<b><br><br>1806<br><\/b>Die Familie von Gerlach begibt sich im Juli zur Sommerfrische auf das im Jahr zuvor erworbene Gut Rohrbeck; hier erf\u00e4hrt Leopold von Gerlach d. \u00c4. durch seinen aus Berlin angereisten Bruder, Ludwig von Gerlach, von der am 9. August in der Stadt angek\u00fcndigten Mobilmachung Preu\u00dfens gegen Frankreich. Leopold von Gerlach d. \u00c4. kehrt in Begleitung seines Sohnes Leopold nach Berlin zur\u00fcck. \u201eGott gebe es, da\u00df der letzte Versuch, Deutschland vom Joch des Tyrannen zu befreien, gelingen m\u00f6ge\u201c, so Agnes von Gerlach in einem Brief an ihre Schwester, Marie von Raumer, am&nbsp; 30. August (zitiert nach Schoeps 1963, S. 347$).<br>Nachdem Napoleon am 27. Oktober die Schl\u00fcssel der Stadt Berlin \u00fcbergeben worden waren, entl\u00e4sst dieser in der Folge den Magistrat und unterstellt die preu\u00dfische Staatsverwaltung franz\u00f6sischer Kontrolle. Am 9. November muss Leopold von Gerlach sowie die ihm unterstellte Beamtenschaft Napoleon den Treueid leisten. Die Befehlsgewalt obliegt damit bis zum Frieden von Tilsit nicht mehr Friedrich Wilhelm III., sondern den franz\u00f6sischen Besatzungsgouverneuren. Leopold von Gerlach d. \u00c4., seit dem 30. Oktober&nbsp; unmittelbar dem Intendanten von Berlin und der Mittelmark, Louis Pierre \u00c9douard de Bignon, unterstellt, setzt sich bei Marschall Berthier f\u00fcr den Schutz der Berliner Bev\u00f6lkerung ein. Um die Provinzen vor marodierenden Soldaten sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen, werden von Gerlach Gendarmen zugewiesen, die als sogenannte Sauvegarden in den Kreisen nahe Berlin zum Einsatz kommen.<br>Schoeps 1963 S. 72$<b><br><br>1807<br><\/b>Friedrich Wilhelm III. ernennt Leopold von Gerlach d. \u00c4. zum Generalvizekommissar f\u00fcr die Kurmark, die Altmark und den preu\u00dfischen Teil Magdeburgs sowie in der Nachfolge Vo\u00df\u2019 zum Leiter des kurm\u00e4rkischen Provinzialdepartements: \u201eIhr habt Euer Amt immer gewissenhaft verwaltet\u201c, so der K\u00f6nig in einer Kabinettsordre vom 26. August aus Memel, \u201ebesonders aber hat die Festigkeit, womit Ihr, wie man von Euch r\u00fchmt,&nbsp; in dem nun beendigten ungl\u00fccklichen Kriege Mein und der Provinz Interesse behauptet habt, Euch mein ganzes Vertrauen erworben\u201c (zitiert nach Gerlach 1987, S. 72). Ende September erh\u00e4lt von Gerlach als provisorischer Nachfolger von Massows vor\u00fcbergehend die Oberaufsicht \u00fcber das Joachimsthalsche Gymnasium.<br>Tod der Tochter Sophie.<b><br><br>1808<br><\/b>Zu Jahresbeginn kommt es zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen Leopold von Gerlach d. \u00c4. und der sog., nach dem Frieden von Tilsit gebildeten Friedensvollziehungskommission, namentlich mit deren Pr\u00e4sidenten Sack, bez\u00fcglich zu leistender Kontributionen.<br>Von Gerlachs im Fr\u00fchjahr unternommener Versuch, die Erbauung eines franz\u00f6sischen Truppenlagers zwischen Charlottenburg und Potsdam und die damit verbundenen Kosten zu verhindern, scheitert.<br>Am 3. Dezember verl\u00e4sst die franz\u00f6sische Beatzung Berlin, einen Tag zuvor nimmt Leopold von Gerlach d. \u00c4. an der Abschiedsaudienz des Marschalls Davo\u00fbt teil. Mit einem Publikandum von Dohnas und von Altensteins vom 16. Dezember treten die durch den Freiherrn vom Stein angesto\u00dfenen Reformen des preu\u00dfischen Verwaltungsapparates in Kraft, den neu nach Fachbereichen und nicht mehr nach Provinzen gegliederten Departements werden Oberpr\u00e4sidenten vorgeschaltet, Leopold von Gerlach d. \u00c4. jedoch bei der Wahl nicht ber\u00fccksichtigt.<b><br><br>1809<br><\/b>Am 28. Januar reicht Leopold von Gerlach d. \u00c4. durch den neu gew\u00e4hlten Justizminister Karl Friedrich von Beyme sein Abschiedsgesuch bei Friedrich Wilhelm III. ein, das dieser mit Bedauern bewilligt und von Gerlach den roten Adlerorden verleiht (Schoeps 1963, S. 376$). Der Verlust des Amtes bringt finanzielle Einbu\u00dfen mit sich, Personal wird entlassen und das Haus der Familie zun\u00e4chst zum Verkauf angeboten, dann lediglich das Erdgescho\u00df vermietet. Der Mieter, Theodor Anton Heinrich Schmalz, der bis 1820 im Gerlachschen Haus wohnen wird, ist ein enger Freund der Familie (Schoeps 1963, S. 381-382$).<br>Am 12. April wird Leopold von Gerlachs d. \u00c4. das B\u00fcrgerrecht verliehen und zun\u00e4chst zum Stadtverordneten des Bezirkes Gendarmenmarkt gew\u00e4hlt, am 1. Mai erfolgt nach Einf\u00fchrung der vom Steinschen St\u00e4dteordnung seine einstimmige Wahl zum Berliner Oberb\u00fcrgermeisterkandidaten, der am 9. Mai vom K\u00f6nig best\u00e4tigt wird. Dieser bildet in der Folge gemeinsam mit B\u00fcrgermeister und verschiedenen R\u00e4ten den Magistrat, der seinerseits, neben den Stadtverordneten, das zweite st\u00e4dtische Organ darstellt. Am 6. Juli wird&nbsp; der Magistrat feierlich in sein Amt eingef\u00fchrt und der Oberb\u00fcrgermeister vereidigt (Gerlach 1987, S. 110-117). Karl Friedrich Leopold von Gerlach d. \u00c4. hat sein Amt an der Spitze des Magistrats bis zu seinem Tod inne, als Stellvertreter amtiert Johann Stephan Gottfried B\u00fcsching.<br>Der sechs Jahre \u00e4ltere Bruders, Ludwig August Wilhelm von Gerlach, Hofgerichtspr\u00e4sident in C\u00f6slin, stirbt.<br>Am 23. Dezember begr\u00fc\u00dft Leopold von Gerlach d. \u00c4. in seiner Funktion als Oberb\u00fcrgermeister der Stadt Berlin das zur\u00fcckkehrende K\u00f6nigspaar am Bernauer Tor mit einer Rede.<b><br><br>1810<br><\/b>Am 12. Oktober reicht der Magistrat Berlins dem neuen Staatskanzler Hardenberg eine Zusammenstellung der Stadtschulden in H\u00f6he von sieben Millionen Talern ein. Leopold von Gerlach d. \u00c4., der sich zunehmend in Opposition zu Hardenbergs Reform- und Steuergesetzgebung&nbsp; begibt, wird beauftragt, ein Konzept zur Schuldentilgung zu erstellen.<br>Am 15. Oktober erfolgt die Gr\u00fcndung der Berliner Universit\u00e4t<b>.<br><br>1811<br><\/b>Leopold von Gerlach d. \u00c4. nimmt am 23. Februar als Vertreter der Stadt Berlin an der von Hardenberg einberufenen Notablenversammlung teil, allerdings, infolge der ma\u00dfgeblich von Ludwig von der Marwitz vertretenen st\u00e4ndischen Opposition gegen die urspr\u00fcngliche Zusammensetzung der Versammlung, erst nachtr\u00e4glich zum Deputierten ernannt.<b><br><br>1812<br><\/b>Am 5. M\u00e4rz wird Leopold von Gerlach d. \u00c4. von der Stadtverordnetenversammlung Berlins einstimmig zum Repr\u00e4sentanten der Stadt \u201ef\u00fcr die Generalkommission und zugleich f\u00fcr die vorl\u00e4ufige Nationalrepr\u00e4sentation\u201c, die erste preu\u00dfische Volksvertretung, gew\u00e4hlt, die am 27. April zu ihrer ersten Sitzung im Berliner Schloss zusammentritt (Gerlach 1987, S. 141). Im Sommer w\u00e4hlt die Nationalrepr\u00e4sentation von Gerlach zu ihrem Pr\u00e4sidenten, der aufgrund des von Hardenberg im Alleingang erlassenen \u201eGendarmerie-Edikts\u201c erneut mit dem Staatskanzler in Konflikt ger\u00e4t: \u201eDas Edict vom 30. Julius d.J.\u201c, so Gerlach in einer Sitzung am 1. September, \u201ewelches die garnicht mit dem Inhalt \u00fcbereinstimmende \u00dcberschrift `Von Errichtung der Gendarmerie\u00b4 f\u00fchrt, \u00e4ndert die ganze Verfassung des Landes sowie die Verwaltung der Polizei in der weitesten Bedeutung des Wortes, der Justiz und der Finanzen in sehr wesentlichen Punkten ab und kann meines Erachtens nicht zu denjenigen gerechnet werden, durch welche blo\u00df ein neues Verh\u00e4ltnis der Staatsdiener gegeneinander oder eine neue Bestimmung der Dienstpflichten vorgeschrieben wird (...) Durch diese neue Verfassung wird das letzte \u00dcberbleibsel politischer Freiheit vernichtet\u201c (zitiert nach Gerlach 1987, S. 144; Schoeps 1963 S. 84 f.$).<br>Der Durchzug franz\u00f6sischer Truppen durch Berlin auf dem Weg nach Russland seit Ende M\u00e4rz f\u00fchrt zu Einquartierungen im Haus Gerlachs. Dessen Gesundheitszustand verschlechtert sich im Herbst zunehmend.<b><br><br>1813<br><\/b>Aufgrund des andauernd schlechten Gesundheitszustandes kann Leopold von Gerlach d. \u00c4. seine Dienstgesch\u00e4fte immer seltener wahrnehmen. Am 20. Februar erlebt er die ersten Angriffe russischer Kosaken auf die franz\u00f6sische Besatzung Berlins, deren Abzug am 27. Februar und den Einzug der Kosaken in die Stadt. \u201eDer F\u00fcrst Repnin ist hier Gouverneur\u201c, so Agnes von Gerlach in einem Brief an Marie von Raumer vom 6. M\u00e4rz. \u201eDer Magistrat bewillkommnete ihn vorgestern um f\u00fcnf Uhr, mein Mann ging auch mit, er war sehr h\u00f6flich gewesen und hatte meinem Mann dergestalt die Hand gedr\u00fcckt, da\u00df er h\u00e4tte schreien m\u00f6gen. Na, mein Bruder [Eugen von Raumer] meinte, mit diesem H\u00e4ndedruck sei die Freundschaft der russischen Nation zu uns vollkommen hergestellt\u201c (zitiert nach Schoeps 1963, S. 410$). Nachdem sein sp\u00e4terer Nachfolger Johann Stephan Gottfried B\u00fcsching die Amtsgesch\u00e4fte bereits Wochen zuvor weitgehend \u00fcbernommen hat, stirbt am 8. Juni Karl Friedrich Leopold von Gerlach d. \u00c4. Die Witwe erh\u00e4lt von Friedrich Wilhelm III. eine Jahrespension von 500 Talern, von den Stadtverordneten wir ihr eine j\u00e4hrliche Pension von 600 Talern vermacht (vgl. Gerlach 1987, S. 155).<br><br>Bekannt und befreundet mit:<br>Karl Friedrich von Beyme, Kabinettsrat Gerlach 1987, S. 52<br><br>Quellen<br>$Familienarchiv Gerlach, Universit\u00e4t Erlangen$<br><br>Gerlach 1987 = J\u00fcrgen von Gerlach, Leopold von Gerlach 1757-1813. Leben und Gestalt des ersten Oberb\u00fcrgermeisters von Berlin und vormaligen kurm\u00e4rkischen Kammerpr\u00e4sidenten, Berlin. Nicolai. 1987<br><br>Kircheisen 1931 = Friedrich Kircheisen, Napoleon in Potsdam und Berlin. 24. Oktober bis 24. November 1806, in: Mitteilungen des Vereins f\u00fcr die Geschichte Berlins 1931, S. 12<br><br>Raumer 1861 = Friedrich von Raumer, Lebenserinnerungen und Briefwechsel, Leipzig 1861 S. 12 f.<br><br>Ruppel-Kuhfuss, Das Generaldirektorium unter der Regierung Friedrich Wilhelms II., S. 155$<br><br>Schoeps 1963 = Aus den Jahren preu\u00dfischer Not und Erneuerung. Tageb\u00fccher und Briefe der Gebr\u00fcder Gerlach und ihres Kreises 1805-1820, hg. von Hans Joachim Schoeps, Berlin 1963<br>Nachruf in der Haude- und Spenerschen Zeitung, Nr. 70, Sonnabend, den 12. Juni 1813<b><br><br><\/b>Einen von allen Seiten tief betrauerten Verlust hat der Preu\u00df. Staat und insbesondere die hiesige Stadt durch das am 8ten d. M. nach einem langen und harten Krankenlager, an g\u00e4nzlicher Entkr\u00e4ftung erfolgte sanfte und ruhige Hinscheiden des allgemein gesch\u00e4tzten und verehrten Oberb\u00fcrgermeisters der hiesigen K\u00f6nigl. Haupt- und Residenzstadt, vormaligen Geheimen Ober-Finanz-, Kriegs- und Domainenraths und Pr\u00e4sidenten der K\u00f6nigl. Kurm\u00e4rkschen Regierung, Ritters des Preu\u00df. rothen Adler-Ordens Erster Klasse etc. Herrn <b>Carl Friedrich Leopold von Gerlach<\/b>, erlitten. Der Verewigte war hieselbst am 25sten August 1757 geboren, und der j\u00fcngste Sohn des ihm l\u00e4ngst in die Ewigkeit vorangegangenen Geheimen Ober-Finanzraths von Gerlach. Fr\u00fchzeitig schon entwickelten sich die herrlichen Anlagen seines th\u00e4tigen Geistes, daher er bereits im Jahre 1765, bis wohin er den Unterricht eines Hauslehrers geno\u00df, als Knabe von 8 Jahren, das v\u00e4terliche Haus verlie\u00df, um auf der Schule zu Halberstadt, unter der Leitung des damals ber\u00fchmten Struensee, dem er mit kindlicher Ehrfurcht und Liebe zugethan war, und als einem hohen Muster nachstrebte - den classischen Boden der alten Griechen und R\u00f6mer zu betreten. Bei seinem Durst nach Wissenschaft konnte es nicht fehlen, da\u00df er in \u00e4ltern und neuern Sprachen, so wie in allen \u00fcbrigen Gegenst\u00e4nden des Unterrichts die gl\u00e4nzendsten Fortschritte so schnell machte, da\u00df schon in seinem 14ten Jahre der w\u00fcrdige Struensee seinem Vater \u00e4u\u00dferte, da\u00df er auf der dortigen Schulanstalt seine Kenntnisse nicht weiter zu vermehren im Stande sey. Er wurde bereits im Sommer 1771, nachdem er 3 1\/2 Jahr in Prima gesessen und die letzten 2 Jahre die ausgezeichnete Stelle eines Primus omnium bekleidet hatte, als reif zur Akademie entlassen.<br>Er hatte sich f\u00fcr das Studium der Rechtswissenschaften bestimmt, bereitete sich hiezu indessen noch ein Jahr lang durch Benutzung eines Privat-Unterrichts in dem Hause seines Vaters vor, und bezog dann zu Ostern 1772 die Universit\u00e4t G\u00f6ttingen, und nach einem 2 1\/2 j\u00e4hrigen Aufenthalt daselbst, die Universit\u00e4t Halle, von wo er, mit reichen Kenntnissen ausger\u00fcstet, zu Ostern 1775 in das v\u00e4terliche Haus zur\u00fcckkehrte.<br>Im Oktober desselben Jahres ward er als Referendarius bei dem K\u00f6nigl. Kammergericht angestellt, und hier hatte er sich unter dem damaligen Chef-Pr\u00e4sidenten von Rebeur in einem Zeitraum von vier Jahren mit dem gl\u00fccklichsten Erfolg zum praktischen Dienst ausgebildet, als der Wunsch seines Vaters, welcher ihn dem diplomatischen Fache gewidmet wissen wollte, wof\u00fcr er indessen selbst keine Neigung bezeigte, ihn bestimmte, die juristische Laufbahn g\u00e4nzlich zu verlassen und in das Kameralfach \u00fcberzutreten.<br>Er erhielt daher zu Michaelis 1776 die Stelle eines Assessors bei der damaligen Kurm\u00e4rk. Krieges- und Domainen-Kammer, ward hierauf im Jahre 1780 zum vortragenden Rathe bei diesem Kollegium bef\u00f6rdert und im Jahre 1790 als Geheimer Ober-Finanz-Rath in das K\u00f6nigl. General-Direktorium versetzt, in welcher Qualit\u00e4t er hiern\u00e4chst auch zum Mitgliede der Gesetz-Kommission ernannt wurde.<br>Die vielseitige Gewandheit und Regsamkeit seines Geistes, sein schneller und sicherer Ueberblick des Einzelnen wie des Ganzen blieben auch hier nicht lange unbemerkt, und schon nach Verlauf von 5 Jahren, im Jahr 1795 ward er der K\u00f6nigl. Kurm\u00e4rkschen Kriegs- und Domainen-Kammer, so wie in der Folge auch deren Justiz-Deputation, als Chef vorgesetzt. Einen Beweis der Anerkennung seines Werths erhielt er im Jahre 1807 dadurch, da\u00df er zum General-Civil-Commissarius der Kurmark ernannt wurde. Im Jahre 1809, bald nach erfolgter ver\u00e4nderter Verfassung der obersten Staats-Beh\u00f6rden, in Bezug auf die innere Landes- und Finanz-Verwaltung, fand er sich bewogen seine Entlassung aus dem K\u00f6nigl. Dienst nachzusuchen, und diese ward ihm von Sr. Majest\u00e4t dem K\u00f6nige nicht nur in den gn\u00e4digsten Ausdr\u00fccken ertheilt, sondern Allerh\u00f6chstdieselben geruheten auch seine Verdienste um den Staat und treue Vaterlandsliebe mit einem \u00f6ffentlichen Merkmale Ihrer besondern Gnade, durch Verleihung des gro\u00dfen Preu\u00df. rothen Adler-Ordens auszuzeichnen. Von dieser Zeit an hatte die hiesige Stadt das Gl\u00fcck, ihn zuerst als Vorsteher der Stadtverordneten und sodann an der Spitze des Magistrats, beide Male durch einstimmige Wahlen der Stadtverordneten-Versammlung zu sehen, indem er, bei der Einf\u00fchrung der St\u00e4dte-Ordnung, dem dahin gerichteten allgemeinen Wunsche der B\u00fcrgerschaft gern nachgab und des K\u00f6nigs Majest\u00e4t diese Wahl mit Aeu\u00dferung Ihres besondern Wohlgefallens dar\u00fcber zu best\u00e4tigen geruheten.<br>Durchdrungen von innigem Wohlwollen gegen Hohe und Niedrige, ging er in allen verschiedenen Dienstverh\u00e4ltnissen mit einem stets offenen Sinne f\u00fcr alles Gute und Edle, festen und ruhigen Schritts, den als pflichtm\u00e4\u00dfig erkannten Weg, und streng gegen sich selbst war es in der Ordnung, da\u00df er auch von Anderen die p\u00fcnktliche Erf\u00fcllung ihrer Pflichten verlangte, wobei nichts desto weniger sein v\u00f6llig reiner h\u00f6chst liebensw\u00fcrdiger Charakter jedem unbedingte Liebe und Ergebenheit f\u00fcr ihn abrang. Wahrhafte, \u00e4chte Religiosit\u00e4t erzeugte und begr\u00fcndete in ihm einen Seelenadel, der, wie \u00fcber sein Gesch\u00e4fts- so auch \u00fcber sein h\u00e4usliches Leben einen unnennbaren Reitz verbreitete und ihn besonders seiner ihm v\u00f6llig gleichgesinnten w\u00fcrdigen Gattin, jetzt tief gebeugten Wittwe, seinen geliebten Kindern, von denen drei hoffnungsvolle S\u00f6hne dem Rufe des Vaterlandes gefolgt sind und seinen vertrauten Freunden, \u00fcber alles theuer und werth machten.<br>Ein starker Blutauswurf k\u00fcrzte das th\u00e4tige und gehaltvolle, auch durch hohe Wohlth\u00e4tigkeit gegen die Armen bezeichnete Leben dieses musterhaften treuen Staatsdieners, z\u00e4rtlichen Gatten und Vaters und edlen Menschenfreundes im noch nicht vollendeten 56. Jahre seines Alters.<br>Er hat durch seine Tugenden sich in den Herzen der hiesigen Einwohner und aller nahen und fernen Bekannten, mit denen er fr\u00fcher in Verbindung stand, ein immerw\u00e4hrendes Denkmal der Liebe und Verehrung gesetzt und dankbare Thr\u00e4nen der Wehmuth befeuchten die Gruft dieses Gerechten, auf der so viel Seegen ruhet.<br>Berlin, den 10. Juni 1813.<br>Der Magistrat.<br>(Es folgt eine ausf\u00fchrliche Beschreibung der Beisetzung)<br>","genealogie":"Vater: Friedrich Wilhelm von Gerlach (1711-1780)\nMutter: Christine Sophie Coeper (1719-1759)\nGeschwister: Ludwig August Wilhelm von Gerlach (1751-1809)\nEhefrau: Agnes von Gerlach geb. Raumer (1761-1831)\nKinder: 1. Sophie (1787-1807); 2. Gustav Wilhelm (1789-1834); 3. Ludwig Friedrich Leopold (1790-1861); 4. Ernst Ludwig (1795-1877); 5. Karl Friedrich Otto (1801-1849)\nSchwiegersohn: Carl von Grolmann, Major\nEnkelin: Louise von Grolmann\n(Quelle: Private Todesanzeige, Haude- und Spenerschen Zeitung, Nr. 70, Sonnabend, den 12. Juni 1813)","primaer":null,"sekundaer":null,"berlinaufenthalte":[],"fach":["Rechtswissenschaften","Politik"],"institution":[],"ort":[],"verein":["Montagsclub"],"quellen_liste":null,"quellen_allgemein":""}}