
{"meta":{"meta-title":"Johann Gottlieb Friedrich Unger < Personen","meta-description":"Johann Gottlieb Friedrich Unger < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/701","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/701","zitat":{"bereich":"Person","bearbeitet":"","titel":"Johann Gottlieb Friedrich Unger"},"count":{"lebensdaten":10,"namensformen":0,"genealogie":0,"biographie":1,"werke":1,"berlinaufenthalte":0,"register":2,"quellen":0},"translations":"personen","breadcrumb":[{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen","text":"Personen"},{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/701","text":"Johann Gottlieb Friedrich Unger"}]},"data":{"id":701,"zusatz_id":701,"meta":{"meta-title":"Johann Gottlieb Friedrich Unger < Personen","meta-description":"Johann Gottlieb Friedrich Unger < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/701","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/701"},"title":"Johann Gottlieb Friedrich Unger","nachname":"Unger","vorname":"Johann Gottlieb Friedrich","lexikal-name":null,"titel":"","adelstitel":"","adelspraedikat":"","geburtsdatum":"16.08.1754","geburtsort":"Berlin","geburtsland":null,"staatsangehoerigkeit":"","geschlecht":"m\u00e4nnlich","konfession":"","sterbedatum":"26.12.1804","sterbeort":"Berlin","sterbeland":null,"berufe":["Verleger","Buchdrucker"],"vereine":[" <a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/geselligkeit\/45\" class=\"link-hover text-primary\">Akademie der K\u00fcnste<\/a>"," <a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/geselligkeit\/20\" class=\"link-hover text-primary\">Montagsklub (gegr\u00fcndet: 10.1750 aufgel\u00f6st: 1936)<\/a>"],"bekanntschaften":["<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/886\" class=\"link-hover text-primary\">Friedrich Wilhelm Gubitz (Holzschneider, Schriftsteller, Verleger)<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/4861\" class=\"link-hover text-primary\">Anastasius Ludwig Mencken (Diplomat, Geh. Kabinettsrat)<\/a>"],"dynastie":null,"geburtsname":null,"gebadelspraedikat":"","gebtitel":"","geschieden":null,"verwitwet":null,"pseudonym":null,"namensvarianten":null,"namensaenderung":null,"lebenslauf":"Johann Friedrich Gottlieb Unger kam im August 1753 in Berlin als f\u00fcnfter Sohn von <b>Johann Georg Unger\n<\/b>und Susanna Katharina, geb. Strucken, zur Welt. Der genaue Geburtstag\nist unbekannt, \u00fcberliefert wurde lediglich das Taufdatum: der 26.\nAugust 1753. Sein Vater war als Formschneider, also im\nHolzschnitt-Gewerbe t\u00e4tig. Seine Ausbildung erhielt Unger in der Firma\ndes Oberhofbuchdruckers <a href=\"http:\/\/www.berliner-klassik.de\/berliner_klassik\/berliner_klassik\/projekte\/forschung\/werkvertraege\/panwitz_verlagswesen\/verlagsw\/verlagsh\/decker.htm\">Decker<\/a><!--<div-->. In der Folgezeit arbeitete Unger wie sein Vater als Formschneider. <!--<div--><div><div>\n<br>\n1779\nlegte er dem Publikum mit drei Ver\u00f6ffentlichungen seine ersten\nErgebnisse vor (siehe Verzeichnis der Publikationen). Im selben Jahr\nbeantragte er das Recht zur Einrichtung einer eigenen Buchdruckerei.\nObwohl sich alle anderen ans\u00e4ssigen Buchdrucker gegen diese neue\nKonkurrenz aussprachen, wurde das Privileg im Januar 1780 gew\u00e4hrt. <br>\n<br>Bald\nerweiterte Unger sein Unternehmen um einen Verlag, in dem sp\u00e4ter unter\nanderem Werke Goethes und Schillers sowie der Br\u00fcder Schlegel und\nSchleiermachers ver\u00f6ffentlicht wurden. Neben Belletristik und\nSachliteratur bildete die Herausgabe von insgesamt mindestens\nzweiundzwanzig <b>Periodika<\/b><!--<div--> ein Standbein der Firma. <br>\n<div><p class=\"normal\">\nEinen ersten Schritt zur Ausweitung seiner Firma unternahm Unger im\nJahre 1784, als er das Recht zur Herausgabe einer Zeitung beantragte.\nDiese Zeitung sollte t\u00e4glich erscheinen, was in Berlin ein Novum\ngewesen w\u00e4re. Der Antrag wurde - wie \u00e4hnliche, die Unger in den\nFolgejahren stellte - jedoch negativ beschieden. Die beiden vorhandenen\nZeitungen - die Vossische und die Haude &amp; Spenersche - gen\u00fcgten,\nund eine dritte br\u00e4chte einen unn\u00f6tigen erh\u00f6hten Arbeitsaufwand f\u00fcr den\nZensor mit sich, so der offizielle Bescheid. <br>\n<\/p>\n<p class=\"normal\">Erst 1802 konnte Unger\nseinem Ziel n\u00e4her kommen. Er wurde Miteigent\u00fcmer der Vossischen Zeitung\nund konnte ihr durch verschiedene Ver\u00e4nderungen neuen Auftrieb\nverleihen.<\/p>\n\n<p class=\"normal\"> 1785 heiratete Johann Friedrich Unger seine Verlobte <b>Helene Friederike von Rothenburg<\/b>.\nSeine Frau war bereits seit Beginn der 1780er Jahren publizistisch\nt\u00e4tig und 1784 mit dem Roman \"Julchen Gr\u00fcnthal\" weithin ber\u00fchmt\ngeworden. Auch nach der Eheschlie\u00dfung folgten regelm\u00e4\u00dfig weitere\nVer\u00f6ffentlichungen im Verlag Ungers (siehe Verzeichnis der\nPublikationen). Zudem \u00fcbersetzte Helene Friederike Werke aus der\nfranz\u00f6sischen und englischen Sprache, darunter etliche Schriften\nRousseaus.<\/p>\n<p class=\"normal\"> 1788 begann eine langandauernde\nVerbindung Ungers mit der Akademie der Wissenschaften. Mit der\nVerleihung der Stellung eines Akademischen Buchh\u00e4ndlers wurde er f\u00fcr\nden Verlag der akademischen Schriften verantwortlich. <br>\n<\/p>\n<p class=\"normal\"> Seit seiner Hochzeit hatte das\nEhepaar Unger in der Br\u00fcderstra\u00dfe, Ecke An der Stechbahn, im\n\"Devrientschen Haus\" gewohnt und dort auch die Firma gef\u00fchrt. Dieses\nDomizil war mit den Jahren zu klein geworden, so da\u00df die Ungers 1789\ndas Haus J\u00e4gerstra\u00dfe 43, das zuvor die K\u00f6nigliche Lotteriedirektion\nbeherbergt hatte, kauften. Sp\u00e4ter kam ein Sommerhaus am Rande des\nTiergartens hinzu, in dem von Zeit zu Zeit Musikabende stattfanden.<br>\n<\/p>\n<p class=\"normal\">1789 erwarb Unger f\u00fcr 30 000 Franc von Firmin Didot die Lizenz zur Einf\u00fchrung seiner\nneuen Antiqua-Lettern in verschiedenen deutschen Staaten. Damit wurde\nder Verleger zum Akteur in dem bereits seit einigen Jahrzehnten\nandauernden Streit um die Ver\u00e4nderung der Schrifttypen im deutschen\nBuchdruck. Diskutierten zun\u00e4chst Schriftsteller und Publizisten\ndar\u00fcber, ob man die nur in Deutschland \u00fcblichen Fraktur-Druckbuchstaben\n(\"deutsche Schrift\") durch die im Westen, Norden und S\u00fcden Europas\ngebr\u00e4uchlichen Antiqua-Typen (\"lateinische Schrift\") ersetzen sollte.\nDieses Bestreben stie\u00df zun\u00e4chst sowohl bei Verlegern als auch im\nLesepublikum kaum auf positive Resonanz. Mit der \u00dcbernahme der in\nFachkreisen sehr gesch\u00e4tzten Didotschen Lettern wollte Unger die\nAkzeptanz f\u00fcr die Antiqua erh\u00f6hen. Doch bald wurde ihm bewu\u00dft, da\u00df eine\nvollkommene Schriftumstellung von der Mehrzahl der Leser abgelehnt\nwurde. So begann er 1789 unter Hilfe Didots und des Stempelschneiders\nJohann Christian Gubitz, der vom Leipziger Verleger Breitkopf zu Unger\nwechselte, eine neue Fraktur zu entwickeln, die der deutschen\nDruckschrift eine leichtere Form geben und sie der Antiqua ann\u00e4hern\nsollte. Nach mehreren Versuchen, f\u00fcr die Unger 1791 eine eigene\nSchriftgie\u00dferei einrichtete, konnte er 1794 das Endergebnis\npr\u00e4sentieren: die sogenannte \"Unger-Fraktur\", die ihm durch preu\u00dfisches\nPrivileg best\u00e4tigt wurde. Sie kam bis zur Aufl\u00f6sung des Unternehmens\nUnger 1810 umfangreich zum Einsatz, geriet dann beinahe vollkommen in\nVergessenheit, bevor sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt\nwurde und eine weite Verbreitung erfuhr.<\/p>\n\n<p class=\"normal\">Seine&nbsp; Arbeiten auf dem Gebiet des\nHolzschnitts f\u00fchrten dazu, da\u00df Unger 1790 Mitglied der Akademie der\nK\u00fcnste wurde, bald darauf in den Senat dieser Institution eintrat.<\/p>\n<p class=\"normal\">1794 pachtete\nUnger zudem das Privileg der Akademie zur Herstellung und zum Vertrieb\ns\u00e4mtlicher <b>Kalender der preu\u00dfischen Staaten<\/b> (\n30 400 Taler im Jahr).<\/p>\n<p class=\"normal\">1796 Bereits zwei Jahre\nsp\u00e4ter f\u00fchrte dieser Kalenderverlag zu einer scharfen\nAuseinandersetzung mit der preu\u00dfischen Zensur. Unger hatte in\nbestimmten Kalendern zus\u00e4tzlich zum herk\u00f6mmlichen Kalendarium den neuen\nfranz\u00f6sischen Revolutionskalender abgedruckt. Das f\u00fchrte zum Verbot und\nzur Einziehung der entsprechenden Exemplare. Unger f\u00fchrte daraufhin als\nBegr\u00fcndung an, da\u00df es f\u00fcr Personen, die in regelm\u00e4\u00dfigem Kontakt mit\nFrankreich stehen, wie z. B. Kaufleute, unerl\u00e4\u00dflich sei, einen\nfranz\u00f6sischen Kalender zur Hand zu haben. Nach l\u00e4ngeren Verhandlungen\ndurfte das umstrittene Kalendarium in geringer Auflage wieder gedruckt\nwerden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"MsoNormal\">1800 wird Unger die speziell f\u00fcr ihn geschaffene Professur f\u00fcr Holzschneidekunst an der Akademie der K\u00fcnste\n\u00fcbertragen. Dazu ein Zitat aus der Haude- und Spenerschen Zeitung Nr. 84, Dienstag, den 15. Juli 1800:<br>\"Se. K\u00f6nigl. Majest\u00e4t haben bei Dero Akademie der K\u00fcnste allhier,\neine besondere Lehr-Anstalt der so manigfaltig n\u00fctzlichen Holz-Schneide Kunst,\nzu errichten, und den Unterricht darin, dem als einen sehr geschickten\nHolzschneider sich hinreichend ausgezeichneten Buchf\u00fchrer und akademischen\nBuchdrucker, auch Mitglied der Akademie der K\u00fcnste, Herrn Unger, allergn\u00e4digst\n\u00fcbertragen lassen, zu dem Ende auch demselben, zum Professor bei gedachter\nAkademie ernannt, und die deshalb f\u00fcr ihn ausgefertigte Bestallung\nAllerh\u00f6chstselbst zu vollziehen geruhet.\"<\/p>\n\n\n\n\n<p class=\"normal\">1798\nwandte sich Unger einem weiteren neuen Gebiet zu: dem Aufbau einer\neigenen Notengie\u00dferei und -druckerei. Die ersten Proben fanden\nwohlwollende Aufnahme im Publikum. Doch die Arbeiten waren noch nicht\nabgeschlossen, als Unger am 26. Dezember 1804 verstarb.<\/p>\n<p class=\"normal\">\nSeine Witwe \u00fcbernahm das Gesch\u00e4ft. Sie mu\u00dfte aber bald sp\u00fcrbare\nR\u00fcckschl\u00e4ge hinnehmen. So verlor sie 1806 durch Proze\u00df ihren Anteil an\nder Vossischen Zeitung und mu\u00dfte 1807 die Kalenderpacht abgeben. Die\nwirtschaftliche Krise im Gefolge der Niederlage Preu\u00dfens gegen Napoleon\nund die franz\u00f6sischen Besetzung machten deutlich, da\u00df das Ungersche\nUnternehmen in zu hohem Ma\u00dfe auf der Basis von umfangreichen Krediten\ngewachsen war. Helene Friederike Unger geriet in\nZahlungsschwierigkeiten und konnte schlie\u00dflich nach vergeblichen\nUmschuldungen das Unternehmen nicht vor dem Konkurs bewahren, der es im\nJahre 1811 ereilte.<\/p>\n<p class=\"normal\"> Johann Friedrich Unger war\neiner der wichtigsten Verleger Berlins zwischen 1780 und 1804. Mit der\n\"Unger-Fraktur\" entwickelte er einen modernen Druckschrift-Typ, der\nnoch im 20. Jahrhundert breite Verwendung fand. Au\u00dferdem stattete der\nVerleger sein Unternehmen im Zusammenhang mit Expansion und Innovation\nmit neuester Technik und einer Betriebsverfassung aus, die im Bereich\nvon Buchverlag und -druckerei Ma\u00dfst\u00e4be setzten.<\/p>\nSP<br>\n<\/div><\/div><\/div>","genealogie":"","primaer":null,"sekundaer":["<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/589\" class=\"link-hover text-primary\">Johann Friedrich Unger im Verkehr mit Goethe und Schiller<\/a>"],"berlinaufenthalte":[],"fach":["Verleger"],"institution":[],"ort":[],"verein":["Montagsclub"],"quellen_liste":null,"quellen_allgemein":""}}