
{"meta":{"meta-title":"Garlieb Hellwig Merkel < Personen","meta-description":"Garlieb Hellwig Merkel < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/747","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/747","zitat":{"bereich":"Person","bearbeitet":"","titel":"Garlieb Hellwig Merkel"},"count":{"lebensdaten":13,"namensformen":0,"genealogie":1,"biographie":1,"werke":2,"berlinaufenthalte":0,"register":2,"quellen":0},"translations":"personen","breadcrumb":[{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen","text":"Personen"},{"url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/747","text":"Garlieb Hellwig Merkel"}]},"data":{"id":747,"zusatz_id":747,"meta":{"meta-title":"Garlieb Hellwig Merkel < Personen","meta-description":"Garlieb Hellwig Merkel < Personen","canonical-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/747","api-url":"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/api\/personen\/747"},"title":"Garlieb Hellwig Merkel","nachname":"Merkel","vorname":"Garlieb Hellwig","lexikal-name":null,"titel":"","adelstitel":"","adelspraedikat":"","geburtsdatum":"01.11.1769","geburtsort":"Loddiger ","geburtsland":"Livland","staatsangehoerigkeit":"","geschlecht":"m\u00e4nnlich","konfession":"evangelisch","sterbedatum":"09.05.1850","sterbeort":"Gut Depkinshof\/ bei Riga","sterbeland":"Ru\u00dfland","berufe":["politischer Schriftsteller","Journalist","Publizist"],"vereine":[" <a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/geselligkeit\/4\" class=\"link-hover text-primary\">Gesellschaft der Freunde der Humanit\u00e4t (Humanit\u00e4tsgesellschaft) (gegr\u00fcndet: 10.01.1797 aufgel\u00f6st: 28.12.1861)<\/a>"," <a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/geselligkeit\/39\" class=\"link-hover text-primary\">Freimaurerloge \"Royal York de L'Amiti\u00e9\"<\/a>"],"bekanntschaften":{"2":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/553\" class=\"link-hover text-primary\">August Friedrich Ferdinand Kotzebue (Schriftsteller)<\/a>","0":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/748\" class=\"link-hover text-primary\">Friedrich August Kuhn (Schriftsteller, Publizist, Redakteur)<\/a>","5":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/735\" class=\"link-hover text-primary\">Johannes M\u00fcller (Historiker, Staatsmann)<\/a>","3":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/618\" class=\"link-hover text-primary\">Charlotte Elisabeth Konstantina Recke (Schriftstellerin, Dichterin)<\/a>","4":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/678\" class=\"link-hover text-primary\">Friedrich Wilhelm Schulenburg-Kehnert (Minister)<\/a>","1":"<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/personen\/519\" class=\"link-hover text-primary\">Julius Johann Joachim Vo\u00df (Theaterrezensent, Schriftsteller, Milit\u00e4r)<\/a>"},"dynastie":null,"geburtsname":null,"gebadelspraedikat":"","gebtitel":"","geschieden":null,"verwitwet":null,"pseudonym":null,"namensvarianten":null,"namensaenderung":null,"lebenslauf":"\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1769<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">am 1. November Geburt\nin der livl\u00e4ndischen Provinz als Sohn eines Pastors.<br>\n<br>\n<b>1776 bis 1782<\/b><br>\nBesuch der Domschule von Riga.<br>\n<br>\n<b>1782<\/b><br>\nTod des Vaters. Abbruch der schulischen Ausbildung mangels finanzieller Mittel.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1786<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Gerichtskanzlist\nam Livl\u00e4ndischen Gewissensgericht.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1787<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Anschlu\u00df an die\nSchauspielgruppe von Johann Gotthilf Mayrer. Bekanntschaft mit dem Schauspieler\nCarl Ferdinand Grohmann, der Merkel in die gesellschaftlichen Kreise Rigas\neinf\u00fchrt. Merkel ist an der Gr\u00fcndung des \"Rigaer Prophetenclubs\" beteiligt.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1788<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Hofmeister in\nPernigel, autodidaktisches Studium. Lekt\u00fcre philosophischer Werke. Erste literarische\nVersuche.<br>\n<br>\n<b>1794 bis 1795<\/b><br>\nHauslehrer auf dem Gut Annenhof bei Kreismarschall Alexander v. Transehe. Erste\nArbeiten und Studien zum Hauptwerk \u00fcber die Letten.<br>\n<br>\n<b>1796<br>\n<\/b>Medizinstudium in Leipzig, ab Herbst in Jena. Gesellschaftlicher Verkehr\nmit den Literaten Wieland, Engel und B\u00f6ttiger.<br>\n<br>\n<b>1797<br>\n<\/b>Umzug nach Weimar. Hier steht Merkel mit Herder und dessen Frau in engem\nKontakt. Man pflegt ein fast freundschaftliches Verh\u00e4ltnis. Anstellung als\nPrivatsekret\u00e4r des d\u00e4nischen Finanzministers E. H. v. Schimmelshausen in\nKopenhagen, Aufgabe der T\u00e4tigkeit nach kurzer Zeit und R\u00fcckkehr nach Weimar.\nMerkel zieht 1797 die Arbeit an seinem Buch allen Anstellungen vor. Caroline\nHerder schreibt am 13. November an B\u00f6ttiger: <i>\"Doch ich lege lieber den\nBrief des trefflichen Merkel selbst bei. Ich stelle mir ihn jetzt wie eine\nBiene vor, in der gro\u00dfen Bibliothek; wir werden uns sehr freuen ihn wieder zu\nsehen, den sch\u00f6nen menschenfreundlichen Genius\". (Herder 1982, S. 474).<br>\n<\/i>Das Buch \"Die Letten, vorz\u00fcglich in Liefland, am Ende des\nphilosophischen Jahrhunderts\" erscheint bei Gr\u00e4ff in Leipzig. Merkel\nkritisiert die Kolonisation Livlands durch den Deutschen Orden, sowie die\ngegenw\u00e4rtig Stellung und das Verhalten des Adels und der Geistlichkeit. Er\npl\u00e4diert offen f\u00fcr die Freiheit des livl\u00e4ndischen Volkes und die Abschaffung\nder Leibeigenschaft.<br>\nCaroline Herder bespricht das Buch in einem Brief an Ludwig Gleim: <i>\"Er<\/i>\n(Merkel) <i>macht eine Reise auf den Harz und geht eigens nach Halberstadt um\nSie zu sehen. Auch Sie werden sich freuen in dem stillen sanften Menschen eine\nHeldenseele zu finden; er hat f\u00fcr die unmenschlich behandelten Bauern in\nLiefland ein Buch geschrieben und sucht das Ehr- und Mitgef\u00fchl ihrer Herren zu\nerregen. Einem solchem Mann werden Sie freundlich die Hand reichen und er wird\ngest\u00e4rkt durch Sie und was ihnen geh\u00f6rt, die Berge und Th\u00e4ler weiter\ndurchwandern\". (Herder 1982, S. 320 ff.).<\/i><br>\n<b><br>\n1798<br>\n<\/b>Im Sommer h\u00e4lt sich Merkel in Tiefurt auf. Reise nach Bremen, Hamburg,\nL\u00fcbeck, Dresden und Berlin. Auf der Reise entstehen der Roman \"Eine\nReisegeschichte\" und die \"Briefe \u00fcber einige der merkw\u00fcrdigsten\nSt\u00e4dte in Deutschland\".<br>\n<b><br>\n1799\/ 1800<\/b><br>\nAuf Empfehlung seines Freundes Johann Jacob Engel Umzug nach Berlin.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Mitglied der Loge\n\"Royal York\". Mitglied der Loge \"Friedrich Wilhelm zur gekr\u00f6nten\nGerechtigkeit\" 1800-1802\/03.<br>\n<br>\n<b>1801<br>\n<\/b>Erwerb des philosophischen Doktorgrades in Frankfurt\/ Oder. Mit der Schrift\n\"Briefe an ein Frauenzimmer \u00fcber die neuesten Produkte der sch\u00f6nen\nLiteratur in Deutschland\", einer Polemik gegen die Romantik, stellt sich\nMerkel dem Berliner Publikum vor - mit gro\u00dfem Erfolg.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Zieht 1801 kurzzeitig nach\nFrankfurt\/Oder<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1802<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Vorlesungen in\nF.\/O. \u00fcber \u00c4sthetik. Redakteur des wissenschaftlichen Teils der Spenerschen\nZeitung in Berlin. Das gemeinsame Zeitschriftenprojekt mit Kotzebue \"Der\nFreym\u00fcthige\" kommt nicht zustande. Kotzebue gr\u00fcndet die Zeitschrift allein.<br>\n<b><br>\n1804\/04<\/b><br>\nGr\u00fcndung der Zeitschrift \"Scherz und Ernst. Ein Unterhaltungsblatt\nliterarischen und artistischen Inhalts\", die nach einj\u00e4hriger Laufzeit\n1805 mit dem \"Freym\u00fcthigen\" fusioniert.<br>\nDass neue Blatt \"Der Freym\u00fcthige oder Scherz und Ernst. Berlinische\nZeitschrift f\u00fcr gebildete und unbefangene Leser\" wird die auflagenst\u00e4rkste\nliterarische Zeitschrift Berlins (2000 Exemplare). Zunehmende Politisierung der\nZeitschrift angesichts der napoleonischen Expansionspolitik.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1806<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Aufgrund der\nnapoleonischen Bedrohung Flucht nach Riga. Mit den \"Supplementbl\u00e4ttern zum\nFreym\u00fcthigen\" beteiligt sich Merkel ab 1807 am publizistischen Kampf gegen\nNapoleon. Von der Zeitschrift erscheinen 30 Ausgaben.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1807<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">In Riga heiratet\nMerkel Dorothea Wilhelmina Germann, die Tochter des Subrektors der Rigaer\nDomschule. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Ernst Merkel (1810-1863) macht\nsich einen Namen als Arzt und Publizist.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1808<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Erwerb des Guts\nDepkinshof bei Riga. Gr\u00fcndung der Zeitschrift \"Der Zuschauer. Eine\nliterarisch-politische Zeitschrift\".<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1812<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Merkel schreibt\nseinen Aufruf \"An die Bewohner der Ostseeprovinzen Ru\u00dflands\". Die\nWiderstandsschrift erscheint auch auf Russisch. Der \u00dcbersetzer ist Merkel\nselbst.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1816<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">R\u00fcckkehr nach\nBerlin, Neugr\u00fcndung der Zeitschrift \"Scherz und Ernst\". Nach m\u00e4\u00dfigem\nErfolg \u00fcberschreibt er das Blatt Julius v. Vo\u00df.<br>\n<br>\n<b>1817<br>\n<\/b>Reise durch das westliche Deutschland und R\u00fcckkehr nach Riga.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1818<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">In der Schrift\n\"\u00dcber Deutschland, wie ich es nach einer 10j\u00e4hrigen Entfernung\nwiederfand\" gei\u00dfelt Merkel die einsetzende Restauration.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1820<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Bauernbefreiung in\nLivland. Merkel widmet seine Festschrift \"Die freyen Letten und\nEsthen\" Zar Alexander, der ihm daraufhin eine lebenslange Pension von 300\nSilberrubel im Jahr bewilligt.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1827<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">\u00dcbernahme der\nRedaktion der Wochenschrift \"Provinzblatt f\u00fcr Kur-, Liv- und\nEstland\". Konflikte mit der Zensurbeh\u00f6rde zwingen ihn 1838 zur Aufgabe.<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">1841<br>\n<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Merkel wird\nEhrenmitglied der lettisch-litauischen Gesellschaft.<br>\n<b><br>\n1851<br>\n<\/b>Merkel stirbt am 4. Mai im Alter von 80 Jahren auf seinem Gut an den Folgen\neines Schlaganfalls.<br>\n----------------------------------------<br>\n<br>\nMerkel wuchs als Sohn eines belesenen Pastors in der livl\u00e4ndischen Provinz auf\nund besuchte ab 1776 die Domschule in Riga. Nach dem Tod beider Eltern lebte er\nweiter im Pastorat und las sich durch die umfangreiche Bibliothek seines\nVaters. Sein autodidaktisches Wissenschaftsverst\u00e4ndnis, das ihn nicht selten an\nHochschulen oder in Studierkreisen vor Kommunikationsprobleme stellte, hatte\nhier seinen Ursprung. Anstellungen fand er 1786 am livl\u00e4ndischen\nGewissensgericht, zwei Jahre sp\u00e4ter als Hofmeister in der Provinz und 1794 als\nHauslehrer der T\u00f6chter eines Kreismarschalls. Wo immer er sich befand widmete\ner sich seinen privaten Studien. Im Zentrum seiner Besch\u00e4ftigung standen die\nklassische Literatur in lateinischer, franz\u00f6sischer und englischer Sprache,\nGeschichte, politisches Zeitgeschehen und Philosophie. Anfang der 90er Jahre\nbegann er seine schriftstellerische T\u00e4tigkeit, schlo\u00df sich verschiedenen\nLiteratenkreisen an und beteiligte sich an der Gr\u00fcndung des Rigaer\n\"Prophetenclubs\". Neben kleinen Romanen verfa\u00dfte er auch historische\nArbeiten. Von Rousseau und Raynal, aber wohl auch von Herder gepr\u00e4gt, entstand\n1797 sein Werk \"Die Letten, vorz\u00fcglich in Livland am Ende des\nphilosophischen Jahrhunderts\", wo er massive Kritik an der Leibeigenschaft\n\u00fcbte. Anders als viele Autoren der Aufkl\u00e4rung suchte Merkel die Konfrontation\nmit der bestehenden Ordnung: Geistlichkeit und Adel wurden kritisiert, die\nKolonisierung und Missionisierung des Deutschen Ordens f\u00fcr die historische\nUnterdr\u00fcckung der Letten verantwortlich gemacht. Die Schrift gipfelte im Aufruf\nzur Befreiung von der Leibeigenschaft.<br>\n1797 zog Merkel nach einer kurzen Zwischenstation in Leipzig nach Weimar, wo er\nin engen Kontakt zu B\u00f6ttiger, Wieland und dem von ihm hoch verehrten Herder\ntrat. Herder zeigte sich von dem Werk \u00fcber die Letten beeindruckt und wurde zum\nFreund und F\u00f6rderer Merkels. In Weimar festigte sich Merkels Urteil \u00fcber die\ndeutsche Literatur, er stellte die \"klassischen\" Werke von Wieland,\nLessing, Garve, Vo\u00df und Herder \u00fcber die Arbeiten der zeitgen\u00f6ssischen Dichter.\nBesonders kritisch sah er die romantische Bewegung sowie die Schriften Goethes\nund Schillers. Nach einer Reise durch das n\u00f6rdliche Deutschland zog Merkel Ende\n1799 nach Berlin. Hier versuchte er sich publizistisch zu etablieren, trug dem\nDichter Kotzebue die Herausgabe der Zeitschrift \"Der Freym\u00fcthige\" an,\ngr\u00fcndete sein eigenes Unterhaltungsblatt \"Scherz und Ernst\" und\narbeitete in verschiedenen Redaktionen. Zwischen 1801 uns 1803 wandte er sich\nin seinen \"Briefen an ein Frauenzimmer \u00fcber die neuesten Produkte der\nsch\u00f6nen Literatur in Deutschland\" polemisch gegen die Romantik,\ninsbesondere gegen die Br\u00fcder Schlegel und Ludwig Tieck und stilisierte sich\nzum Repr\u00e4sentanten des Publikumsgeschmacks. Seine polemischen Schriften\nbefa\u00dften sich auch mit dem politischen Zeitgeschehen und richteten sich stark gegen\nNapoleon. Zwar scheiterte sein Plan, mit dem Historiker Johannes v. M\u00fcller ein\npatriotisches Tageblatt herauszugeben, doch es ergaben sich genug andere\nM\u00f6glichkeiten, u. a. in der Zeitschrift Kotzebues, gegen den Rheinbund,\nFranzosenfreunde und Napoleon zu wettern. Das f\u00fchrte dazu, da\u00df Merkel auf die\nProskriptionsliste der Franzosen gesetzt wurde und nach der preu\u00dfischen\nNiederlage 1806 auf Rat des Ministers Schulenburg nach Riga fliehen mu\u00dfte. Hier\nbetrieb er sein Werk des literarischen Kampfes gegen die franz\u00f6sische Besetzung\nu. a. in den \"Supplementbl\u00e4ttern zum Freym\u00fcthigen\" oder dem\n\"Zuschauer. Eine literarisch-politische Zeitschrift\" weiter. In der\nSchrift \"An die Bewohner der Ostseeprovinz Ru\u00dflands\", die er selbst ins\nRussische \u00fcbersetzte, rief er zum Widerstand gegen Napoleon auf und forderte\ndie Zusammenarbeit russischer und preu\u00dfischer Truppen. Nach den napoleonischen\nKriegen kehrte Merkel 1816 nach Berlin zur\u00fcck. Durch seine Gegnerschaft zu\nSchiller und Goethe hatte er sich allerdings wenig Freunde gemacht und war\nliterarisch isoliert. Die Neugr\u00fcndung seiner Zeitschrift unter dem Titel\n\"Ernst und Scherz oder der alte Freymythige\" war kein gro\u00dfer Erfolg. Er\n\u00fcbertrug das Blatt dem Dichter Julius v. Vo\u00df. Nach einer Reise durchs westliche\nDeutschland, die er in der Schrift \"\u00dcber Deutschland, wie ich es nach\neiner zehnj\u00e4hrigen Entfernung wiederfand\" literarisch verarbeitete, kehrte\nMerkel endg\u00fcltig nach Livland zur\u00fcck. Den antinapoleonischen Befreiungskampf\nsah er als gescheitert an, da man nur f\u00fcr die Erhaltung dynastischer Ordnungen\ngek\u00e4mpft und das Volk dabei vergessen habe. Nach der Bauernbefreiung in Livland\n1819 feierte Merkel in der Schrift \"Die freyen Letten und Esthen\" den\nrussischen Zaren Alexander I., woraufhin dieser ihm eine lebenslange Pension\nvon 300 Rubel in Silber zahlte. Merkel arbeitete als Redakteur und Publizist\nverschiedener Zeitschriften und B\u00fccher, war Mitglied der kurl\u00e4ndischen\nGesellschaft f\u00fcr Literatur und Kunst und Ehrenmitglied der\nLettisch-literarischen Gesellschaft. 1850 erlag er auf seinem Gut Depkinshof\neinem Schlaganfall. Garlieb Merkel machte sich als Pulizist und Schriftsteller\nbesonders zwischen 1797 und 1806 in Weimar und Berlin einen Namen. Als\nRedakteur zahlreicher Zeitschriften stellte er sich gegen die Romantik, sowie\ngegen Goethe und Schiller. Politisch engagierte er sich als Publizist im Kampf\ngegen Napoleon. Besondere Bedeutung erlangte er durch seine von freiheitlichen\nIdeen getragene Besch\u00e4ftigung mit den V\u00f6lkern der Letten und Esten und ihrer\nGeschichte. <i>\"Trotz ma\u00dfloser Eitelkeit und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung war\nMerkel ein ehrlicher und \u00fcberzeugungstreuer Charakter\"<\/i> (ADB), der\npolitisch modernen, fast radikalen Ideen anhing, literarisch aber zu den\n\"Konservativen\" geh\u00f6rte.<br>\nHerder w\u00fcrdigt Merkel und seine Arbeit in einem Brief an ihn vom 28. August\n1800: <i>\"Verzeihen Sie, Bester, meinen so sp\u00e4ten Dank sowohl f\u00fcr ihre\nGeschenke, als auch f\u00fcr die Ehre, die Sie vor den V\u00f6lkergem\u00e4hlden mir haben\nerweisen wollen. Ach zu viel, zu viel Ehre! Ihre V\u00f6lkergem\u00e4hlde sind gut zu-\nund gegeneinander gestellt; auch d\u00fcnkt mich diese methode, des\nZusammenstellens, von der Hand die angenehmste, die n\u00fctzlichste, ja die -\neinzig m\u00f6gliche Philosophie der Menschheit in einem gewissen Sinn betrachtet.\nM\u00f6gen die Engel Uriel, Raphael, Sealthiel, vorz\u00fcglich aber der Engel Michael\naus ihnen Resultate ziehen; was sollen sie uns, eh wir hinaufgelangen\".\n(Herder 1984, S. 156).<\/i><o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\">Verwendete Literatur:<\/span><\/b><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\"><br>\nHerder, Johann Gottlieb: <i>Briefe. Gesamtausgabe 1763-1803<\/i>. Bd. 7: Januar\n1793-Dezember 1798. Hrsg. von Wilhelm Dobbek, G\u00fcnther Arnold, Karl Heinz Hahn.\nWeimar: B\u00f6hlau 1982<br>\nHerder, Johann Gottlieb: <i>Briefe. Gesamtausgabe 1763-1803<\/i>. Bd. 8: Januar\n1799-Dezember 1803. Hrsg. von Wilhelm Dobbek, G\u00fcnther Arnold, Karl Heinz Hahn.\nWeimar: B\u00f6hlau 1984<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n\n<p><span style=\"font-size: 9pt; font-family: Verdana;\"><br>\nSH<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n\n","genealogie":"Vater: Daniel Merkel (1714-1782), Pastor\nMutter: Gertrud Elisabeth (?-1809), geb. Brockhusen, Kaufmannstochter","primaer":["<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/3129\" class=\"link-hover text-primary\">Testimonia auctorum de Merkelio<\/a>"],"sekundaer":["<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/3126\" class=\"link-hover text-primary\">\"Ich werde gewi\u00df gro\u00dfe Energie zeigen\"<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/3127\" class=\"link-hover text-primary\">Garlieb Merkel als Kritiker der livl\u00e4ndischen St\u00e4ndegesellschaft<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/3128\" class=\"link-hover text-primary\">Stadtbilder in literarischen Reisebriefen von Garlieb Merkel<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/3131\" class=\"link-hover text-primary\">Merkel und Kotzebue<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/3132\" class=\"link-hover text-primary\">Die Redakteure der mittleren und gr\u00f6\u00dferen Zeitungen im heutigen Reichsgebiet von 1800 bis 1848<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/3133\" class=\"link-hover text-primary\">Herder und Merkel<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/4592\" class=\"link-hover text-primary\">Die Briefe Garlieb Helwig Merkels an Carl August B\u00f6ttiger<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/8792\" class=\"link-hover text-primary\">Trostgr\u00fcnde f\u00fcr Jeden, der eines Plagiats sich schuldig wei\u00df<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/8794\" class=\"link-hover text-primary\">Lief- und Esthlands Ehrenrettung gegen Herrn Merkel und Petri<\/a>","<a href=\"https:\/\/berlinerklassik.bbaw.de\/bibliographie\/8795\" class=\"link-hover text-primary\">Nachtrag zu Lief- und Esthlands Ehrenrettung oder die Todten Lieflands stehen gegen Herrn Merkel auf<\/a>"],"berlinaufenthalte":[],"fach":["Philosophie","Literatur","Zeitschriftenherausgeber"],"institution":[],"ort":[],"verein":["Humanit\u00e4tsgesellschaft","Loge Royal York"],"quellen_liste":null,"quellen_allgemein":""}}