Johann Andreas Riem

Lebensdaten

Nachname:
Riem
Vorname:
Johann Andreas
Geburtsdatum:
22.08.1749
Geburtsort:
Frankenthal/Pfalz
Geschlecht:
männlich
Konfession:
reformiert
Todesdatum:
21.03.1814
Sterbeort:
Speyer
Beruf(e):
  • Schriftsteller
  • Jurist
  • reformierter Theologe
Verknüpft mit folgenden Vereinen:

Namensformen

Pseudonym:
Christian Anton Schmidt

Biographie

Lebenslauf:

1749
Andreas Riem wird in Frankenthal als Sohn des Rektors Philipp Riem geboren.

Studium der Theologie in Heidelberg.

Seit 1776

Prediger in Friedrichswalde bei Templin/Uckermark. Im gleichen Jahr Veröffentlichung seiner ersten religions- und kulturgeschichtlichen Abhandlung über den "Einfluß der Religion auf das Staatssystem der Völker".

1782
Ernennung zum nichtresidierenden Mitglied des Domkapitels des evangelischen Stifts St. Johannis im westfälischen, zu Preußen gehörenden Herford. Riem verfügt nunmehr über beachtliche Einkünfte. Im gleichen Jahr wird er zum Prediger an der Kirche des Friedrichspitals und Waisenhauses in Berlin ernannt. Dort betont er die Notwendigkeit aufgeklärter Religionskritik.

1785

Veröffentlichung der anonymen Schrift "Philosophische und kritische Untersuchungen über das Alte Testament und dessen Göttlichkeit, besonders über die mosaische Religion".

1786

Unter dem Pseudonym Christian Anton Schmidt publiziert Riem die bibelkritische Schrift "Übrige, noch ungedruckte Werke aus dem Nachlaß von Gotthold Ephraim Lessing". Mit der Veröffentlichung der Fragmente aus Lessings Nachlaß tritt Riem das geistige Erbe des größten deutschen Aufklärers an.

1787

Ernennung zum Ehrenmitglied der Akademie der Künste.

Seit 1789
Sekretär der Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften in Berlin. Im gleichen Jahr ist Riem gezwungen, sein Predigeramt aufzugeben: Er hatte eine Aufsehen erregende, anonyme Flugschrift ("Über Aufklärung. Ob sie dem Staate, der Religion oder überhaupt gefährlich werden könne?") verfaßt und sich damit gegen das Religionsedikt des Kultusministers Johann Christoph Wöllner, der die Aufklärung als "Irrlehre" bezeichnete, gewandt.

Seit 1791

Kanonikus in Herford.

1793
Aufgrund seiner Ablehnung der preußischen Außenpolitik gegenüber Frankreich wird Riem aus Preußen ausgewiesen. Er bereist ganz Europa. Nach seiner Rückkehr nach Berlin sucht er in einer von ihm herausgegebenen Zeitschrift "Europa in seinen politischen- und Finanz-Verhältnissen" nachzuweisen, daß Preußen und Frankreich die gleichen politischen Interessen hätten und daher ein Bündnis eingehen sollten. Diese Vorschläge widersprechen der preußischen Politik. Friedrich Wilhelm II. läßt die Zeitschrift verbieten und Riem auszuweisen. Riems Frau bleibt mit drei Kindern unversorgt in Berlin zurück, ihren Mann sieht sie nie wieder.

1795

Umzug nach Paris, Riem knüpft Kontakte zum Außenministerium und wird zum politischen Agenten beim diplomatischen Komitee der unter französischen Einfluß stehenden Batavischen Republik ernannt. Er lebt mehrere Monate in den Niederlanden und wird dann nach England entsandt.

1796 bis 1801

Publikation seines achtbändigen Werkes "Reisen durch Deutschland, Frankreich, England und Holland in verschiedener, besonders politischer Hinsicht". Hier vergleicht Riem kritisch die gesellschaftlichen und staatlichen Zustände dieser Länder. Seine Enttäuschung darüber, daß Preußen keine Allianz mit Frankreich geschlossen hat, macht ihn zum erbitterten Gegner der preußischen Regierung.

1799/1800
Ausweisung aus Frankreich aufgrund nicht näher bekannter Umstände.

1801

Erneuter Aufenthalt in Paris.

1801/02

Aufenthalt in der Pfalz, Geburt eines unehelichen Sohnes Anfang 1802.

1811

Riem, mittlerweile verarmt, schwerhörig und fast blind muß ins Speyerer Bürgerhospital aufgenommen werden.

1814

Tod Riems ebendort. Für die Zeitgenossen gilt Riem bereits zehn Jahre vorher als verschollen oder um 1807 in Herford bzw. Paris gestorben. Die irrtümliche Angabe des Sterbejahres hat sich bis heute im Schrifttum tradiert.


BS und SH

Werke/Literatur

Register

Fachregister:
  • Rechtswissenschaften
  • Literatur

Person: Johann Andreas Riem, Berliner Klassik, hrsg. v. der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2003-2013. URL: https://berlinerklassik.bbaw.de/personen/567.

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