August Wilhelm Iffland

Lebensdaten

Nachname:
Iffland
Vorname:
August Wilhelm
Geburtsdatum:
19.04.1759
Geburtsort:
Hannover
Geschlecht:
männlich
Todesdatum:
22.09.1814
Sterbeort:
Berlin
Beruf(e):
  • Theaterdirektor
  • Schauspieler
  • Schriftsteller
Bekannt mit:

Genealogie

Genealogie:
Vater: Mutter: Frau:

Biographie

Lebenslauf:

Schauspieler am Berliner Nationaltheater. Zur Besetzung vgl. Datenbank zum Nationaltheater: "spezielle Suche" -> "nach Schauspielern"

Lebenslauf:

1759

Iffland wird als Sohn eines Kanzleiregistrators und Revisors bei der Kriegskanzlei in Hannover geboren.

1770er Jahre

Teilnahme an Schüleraufführungen, dabei Bekanntschaft mit Karl Philipp Moritz, der über seine Bekanntschaft mit Iffland im "Anton Reiser" schreibt. Es heißt dort u.a.: "Dieser I... ist nachher einer unserer ersten Schauspieler und beliebtesten dramatischen Schriftsteller geworden, und Reisers Schicksal hat mit dem seinigen bis auf einen gewissen Zeitpunkt viel Aehnliches gehabt. - I... und Reiser zeichneten sich immer in der Deklamationsübung am meisten aus. - I... übertraf Reisern weit an lebhaftem Ausdruck der Empfindung - Reiser aber empfand tiefer. - I... dachte weit schneller, und hatte daher Witz und Gegenwart des Geistes, aber keine Geduld, lange über einem Gegenstande auszuhalten. - Reiser schwang sich daher auch in allen übrigen bald über ihn auf - Er verlor allemal gegen I..., sobald es auf Witz und Lebhaftigkeit ankam." (Berlin 1786, 2. Teil, S. 56f.)

1777

Iffland verläßt das Elternhaus und debütiert am 15. März an der Gothaischen Hofbühne unter Hans Konrad Dietrich Ekhof. Er gilt als begabtester Schüler Ekhofs. Einflußreich für I. waren in Gotha die Freundschaft zu Friedrich Wilhelm Gotter, dessen Stücke und vor allem dessen Übersetzungen  und Bearbeitungen in Berlin oft gespielt wurden, und der Tanzmeister Charles Hubert Mereau, der Einfluß auf seinen Schauspielstil hatte.

1779

Nach dem Tode Eckhofs geht Iffland mit einem Teil der Gothaer Truppe an das Mannheimer Theater, wo unter Wolfgang Heribert von Dalberg ein deutsches Nationaltheater gegründet wird. Erste große Rollen für Iffland und Begründung seines Ruhms. 


1781

Beginn der eigenen schriftstellerischen Karriere mit dem Stück "Albert von Thurneysen".


1796

Gastspiele in Weimar und Berlin. Während seines Aufenthaltes versucht Goethe den Schauspieler nach Weimar zu ziehen (vgl. seinen Brief vom 12. August 1796 an Karl August Böttger). Böttger verfaßt nach diesem Gastspiel die Schrift "Entwicklung des Ifflandischen Spiels in 14 Darstellungen auf dem weimarschen Hoftheater", worin er detailliert Ifflands Schauspielkunst beschreibt; damit wird zum ersten Mal ein deutscher Schauspieler ausführlich gewürdigt. In seinem Aufsatz „Weimarisches Hoftheater. Februar 1802“ hebt Goethe I.s Schauspielerische Leistung besonders hervor. In der Folge dieses Gastspiels hätten die Weimarer Schauspieler „glückliche Versuche gemacht, sich eine Vielseitigkeit zu geben, welche einem dramatischen Dichter immer zur Ehre gereicht“. Durch die Anschauung des Ifflandischen  Spiels im Jahre 1796 habe er zum ersten Mal gesehen, wie ein Schauspieler seine Individualität vollkommen verleugne und somit einem „unrichtigen Begriff von Natürlichkeit entgegen“ arbeite: „Die Weisheit, womit dieser vortreffliche Künstler seine Rollen von einander sondert, aus einer jeden ein Ganzes zu machen weiß und sich sowohl in’s Edle als in’s Gemeine, und immer kunstmäßig und schön zu maskieren versteht, war zu eminent, als das sie nicht hätte fruchtbar werden sollen “.

 

1796

 
Iffland heiratet die Darmstädterin Louise Margarethe Greuhm. Nach seinem Gastspiel im Oktober in Berlin folgt Iffland einem Angebot des preußischen Hofes und übernimmt im Dezember die Direktorenstelle am Berliner Nationaltheater. Ein Schreiben Friedrich Wilhelms II. vom 16. Dezember 1796 gilt als Berufung Ifflands. (GStA I HA, Rep. 36, Nr. 2547)


1800

Einzug in das von Karl Gotthard Langhans errichtete Wohnhaus im Tiergarten, das nach I.s Angaben 16 000 Taler gekostet hat.


1801

I.s erstes Gastspiel in Wien, wo er vom Erzherzog Karl Alexander empfangen wird. I. verfaßt während der Reise ein geheimes Tagebuch für den König.

1802

In diesem Jahr wird das von Langhans errichtete neue Gebäude des "königlichen Nationaltheaters" eröffnet, das seine Erbauung auch dem Drängen Ifflands zu verdanken
hat.

1802

Reise nach Stuttgart, wohin ihn Minister Mandelslohe eingeladen hatte, um das dortige Hoftheater einzurichten (vgl. Iffland an Friedrich Wilhelm II, 24. April 1802).

1806-11

Herausgabe des Theateralmanachs mit eigenen Beiträgen.

1810

Am 19. Januar erhält I. den Roten Adler Orden dritter Klasse. Diese  Auszeichnung ist vor allem ein Dank für sein Verhalten während der französischen Besatzung.


1811

Ernennung zum Generaldirektor der königl. Theater zu Berlin. Das Schauspielhaus und die Oper stehen fortan unter seiner Direktion

1813

Verkauf des Hauses im Tiergarten und Umzug in das Quarré Nr. 4 (am Brandenburger Tor)

1814

Iffland stirbt 55jährig in Berlin, sein Grab ist auf dem Halleschen Kirchhof. Über die Trauerfeierlichkeiten informiert die Voßische Zeitung vom 27. September 1814 ausführlich auf der ersten Seite, womit die Bedeutung der Persönlichkeit Ifflands hervorgehoben wird, dort heißt es u.a.: "Früh um 7 versammelte sich nicht allein sämmtliches Theaterpersonal, sondern auch eine große Anzahl von Freunden des Verstorbenen, in tiefster Trauerkleidung in der Wohnung desselben, von wo sich der Zug zu Fuße hinter dem Leichenwagen in Bewegung setzte. [...] Das Zuströmen der Einwohner Berlins war so groß daß alle Straßen, durch welche der Zug ging, mit Menschen angefüllt, alle Fenster mit Leidtragenden beiderlei Geschlechts in Trauer, besetzt waren. Im ersten Gliede des langen Zuges befand sich der königliche Staatsrath und Polizeipräsident Herr Le Coq und die erste der zahlreich nachfolgenden Kutschen, war der Wagen des Fürst Staatskanzlers Durchlaucht. Der Zug ging aus der Wohnung des Verstorbenen, am Brandenburger Thor, die Linden entlang, die Friedrichstraße hinab, bis zum Hallischen Thore, nach dem nahe gelegenen Kirchhofe [...]. Am Abend desselben Tages wurde auf dem Theater, das Andenken des Verstorbenen auf folgende, des Gegenstandes würdige Weise gefeiert: Unter einer sanften Trauermusik auf dem Theater hinter den Koulissen, rollte langsam der Vorhang auf. Im Hintergrund stand auf einem schwarzen Postament, das treffend ähnliche Brustbild des unvergeßlichen Künstlers, neben welchem zwei weibliche Gestalten mit gesenktem Haupt, in tiefster Trauer standen, deren Eine eine Lyra, die andere eine Maske und einen Dolch -  als Symbole der Schauspielkunst - in der Hand hielten. [...] Nach beendeter Musik trat Herr Beschort hervor und sprach [eine] vom Herrn Theaterdichter Herklots gedichtete Rede mit sichtbarer Rührung".

Iffland gilt als einer der bedeutendsten Schauspieler seiner Zeit, der in allen großen Rollen, aber auch in Nebenrollen auftrat. Zu seinem Repertoire gehörte neben vielen anderen Nathan in Lessings "Nathan der Weise", Conti in Lessings "Emilia Galotti", Octavio in Schillers "Piccolomini" und "Wallensteins Tod", der Herzog in Goethes "Natürlicher Tochter", Bertrand in Schillers "Jungfrau von Orléans", Wilhelm von Oranien in Goethes "Egmont", Don Ranudo in Kotzebues "Don Ranudo de Colibardos".



Verwendete Literatur:


Goethe: Weimarisches Hoftheater. Februar 1802.

Moritz, Karl Philipp: Anton Reiser. Ein psychologischer Roman. Theil 2. Berlin: Maurer 1786.

Vossische Zeitung vom 27. September 1814.


KG


Werke/Literatur

Auswahlbibliographie Sekundärliteratur:

Register

Fachregister:
  • Deutsche Sprache und Literatur
  • Theater
Gruppen/Vereinigungen-Register:
  • Mittwochsgesellschaft (Feßlersche)
  • Christlich-deutsche Tischgesellschaft

Person: August Wilhelm Iffland, Berliner Klassik, hrsg. v. der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2003-2013. URL: https://berlinerklassik.bbaw.de/personen/550.

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